Ein Weihnachtskranz aus Tannenzweigen, dekoriert mit roten Kugeln und Tannenzapfen. Vier rote Kerzen sind angezündet und stehen gleichmäßig verteilt auf dem Kranz. Im Hintergrund ist eine ruhige, festliche Atmosphäre zu erkennen. Ein Weihnachtskranz aus Tannenzweigen, dekoriert mit roten Kugeln und Tannenzapfen. Vier rote Kerzen sind angezündet und stehen gleichmäßig verteilt auf dem Kranz. Im Hintergrund ist eine ruhige, festliche Atmosphäre zu erkennen.
Ein Weihnachtskranz aus Tannenzweigen, dekoriert mit roten Kugeln und Tannenzapfen. Vier rote Kerzen sind angezündet und stehen gleichmäßig verteilt auf dem Kranz. Im Hintergrund ist eine ruhige, festliche Atmosphäre zu erkennen.
07.12
2025
08:40
Uhr

Licht im Werden - der Adventskranz

Ein Beitrag von Viktoria Hellwig

Autorin: Was gehört eigentlich alle zum Advent? Glühwein, Weihnachtsmärkte und Lebkuchen? Auch der Adventskranz gehört bei vielen dazu. Kerzen, die nach und nach angezündet werden, Tannenzweige, Kugeln und kleine Dekorationen. Licht für Licht wird es heller in unseren Wohnungen. 

Gustav: Am Sonntag zündet man eine Kerze an.
Mutter: Ja, das stimmt. Wie viele Kerzen sind denn auf so einem Adventskranz?
Fritzi: Vier
Gustav: Drei
Mutter: Vier Kerzen sind da drauf. Und macht man alle Kerzen auf einmal an?
Kinder: Nein. Jeden Sonntag eine Kerze mehr.
Mutter: Und wie sieht denn eigentlich so ein Adventskranz aus?
Fritzi: Ganz verschieden. Manche haben so Tannenzweige, kleinen Kügelchen. Ganz verschiedene Sachen und das sind immer vier Kerzen.

Autorin:
Ist der Adventskranz rund? Oder ist das egal? In viele Häusern steht er schon seit einer Woche. Er gehört schließlich dazu zum Advent, oder? Wie ein Adventskalender hilft er das Warten auf die Feiertage ein wenig süßer zu machen. Nach und nach wird es heller in unseren Wohnungen, Kerze für Kerze, Licht für Licht.

Auch ich habe seit einer Woche habe mein neues Ritual. Nachdem ich Kaffee aufgesetzt habe, zünde ich den Adventskranz an, das macht in meiner Küche im trüben Morgenlicht gleich einen behaglichen Schein. Heute kam die zweite dazu, brennt sie bei Ihnen auch schon? Eigentlich weiß ich wenig über das so allbekannte Symbol für Advent. Deshalb wollte ich mal mehr über den Adventskranz erfahren. In der Bibel lässt er sich nicht finden, da wurde nicht von den Hirten und ihren Schafen erzählt, die jeden Sonntag eine Kerze mehr anzündeten. Nein, die wussten nix von ihrem Glück. Also wo kam er her? Hendrik Kissel ist Pastor der baptistischen Friedenskirche in Berlin-Charlottenburg. Er kennt die Geschichte des Adventskranzes sehr gut und erklärt, wie aus einer einfachen Idee ein fester Bestandteil der Adventszeit wurde.

Hendrik Kissel:

Das hat ja jemand erfunden, der ein Kinderheim hatte. Und er wollte den Leuten ja die Freude machen, mit jedem Tag eine Kerze. Er hatte ja früher eigentlich 24, dass die irgendwie auch in diese Erwartung, in diese Spannung kommen. Kinder, die keine Familie hatten. Und so weiter. Also das zu erzählen, dass das ein Kollege vor mir erfunden hat, der so mit Kindern gearbeitet hat, das passt zu meiner Biografie. Ich habe von jungen Jahren an, bin ich als Streetworker mit Kindern tätig gewesen. Und wir machen das auch als Kirche. Dieses Beispiel ist einfach irre. Und wenn man dann noch bedenkt, was ich dann auch immer erzähle, dass dieser Johann Hinrich Wichern, das Jugendliche, von dem heute noch profitieren, das ist ja der gewesen, den der Kaiser durch die Gefängnisse geschickt hat, die Kinder aus den Gefängnissen zu holen, das ist eine Jugendgerichtshilfe gibt. Das finde ich es eine ganz tolle Sache am Adventskranz.

Ein Adventskranz aus Tannenzweigen mit insgesamt sechs Kerzen, davon vier rote und zwei weiße. Die roten Kerzen sind auf einem Untersatz platziert, während die weißen zentraler stehen. Der Kranz ist auf einem Tisch angeordnet und wirkt festlich.

Autorin:
Der Hamburger Theologe Johann Hinrich Wichern hatte eine Einrichtung für Kinder und Jugendliche gegründet. Dort entstand 1839 die Idee zu einem besonderen Lichterkranz: Weil die Kinder in der Adventszeit täglich fragten, wann endlich Weihnachten sei, entwickelte Wichern eine Art frühen Adventskalender. Er befestigte auf einem alten Wagenrad so viele Kerzen, wie Tage zwischen dem ersten Dezember und dem Heiligen Abend lagen – also 24.

In den folgenden Jahrzehnten fand der Adventskranz seinen Weg in evangelische Gemeinden und später auch in private Haushalte. Heute spielt der Adventskranz nicht nur historische und symbolische Rollen – er ist auch Teil des ganz alltäglichen Lebens und der Arbeit in den Gemeinden. Hendrik Kissel erzählt, welche Rolle der Adventskranz zu Hause als auch in der Kirche spielt:

Hendrik Kissel:
Der Adventskranz spielt eine große Rolle. Bis letztes Jahr immer bei uns zu Hause und immer angezündet. Und in diesem Jahr muss ich sagen, das erste Mal nicht. Angela und ich haben gesagt, wir machen das diesmal nicht, weil wir sind beide jetzt alleine. Sind in diesen Tagen zu Weihnachten eigentlich nur busy und unterwegs. Entweder wir machen das richtig oder gar nicht. Das heißt, deswegen haben wir zu Hause diesmal keinen einzigen. Aber in der Kirche spielt eine intensive Rolle, jeden Tag erzähle ich, glaube ich, etwas zum Adventskranz. Vielleicht im Schnitt fünfmal, weil ich, glaube ich, am Tag knapp zehn Schulklassen habe im Rahmen unseres Weihnachtsgartens.

Musik: Somewhere in my memory

Gustav: Tannenzweige von einem Tannenbaum nehmen. Daraus ein Kreis machen. Dann noch so kleine Kügelchen und kleine schöne Blumen halt so rein.

Fritzi: Mein Adventskranz würde mit ganz vielen Tannenzweigen so ein ganz dicker, geflochtener Zweig sein. Und dann würde da Blätter liegen und Hagebutten, also nur Sachen aus Natur, außer die Kerzen.

Autorin:
Im Wohnzimmer, auf dem Küchentisch und bei einigen hängt er sogar. Der Adventskranz. Jede Kerze auf dem Adventskranz erzählt eine einfache, aber starke Geschichte: Hoffnung wächst. Nicht alles auf einmal, nicht sofort – sondern Schritt für Schritt. Licht, das langsam stärker wird. Doch nicht jeder hat einen Kranz. Auch Pastor Matthias Drodofsky nicht:

Matthias Drodofsky:
Zu Hause, muss ich zugeben, haben wir gar keinen Kranz, sondern die Kerzen stehen in Reih und Glied und werden dann angezündet. Und wenn so ein Lichtchen brennt, dann fokussiert das die Wahrnehmung. Ich find das total schön, dass so ein winziges Licht so viel Aufmerksamkeit und so viel Wärme in die Welt bringt. „Das Volk, das im Finstern wandelt, sieht ein großes Licht.“ Dieser Bibelvers aus dem Alten Testament, der natürlich damals den für das Volk Israel wichtig war, der berührt mich auch immer wieder, weil es durchaus Zeiten gibt, die sich dunkel und düster anfühlen oder tatsächlich sind. Und da die Hoffnung, nicht aufzugeben, dass es ein Licht gibt, was in diese Welt rein scheint und Menschen den Weg weist.

Autorin
Im Johannesevangelium heißt es: „Das Licht scheint in der Finsternis, und die Finsternis hat es nicht ergriffen.“ (Joh 1). Dieses Licht kommt nicht mit einem grellen Knall in die Welt. Es beginnt klein. Unaufdringlich. Wie die erste Kerze am Adventskranz. Heute scheinen schon zwei.

Matthias Drodofsky:
Man sagt ja gerne, dass Advent Ankunft bedeutet oder mit Warten zu tun hat. Für mich ist in den letzten Jahren immer wichtiger geworden, weniger zu warten, sondern im Advent ganz bewusst die Schönheit des Augenblicks wahr zu nehmen und zu genießen. Was ist in dem Moment und weniger den Ausblick oder das ungeduldige Warten? Was, was ich als Kind oft hatte, im Advent in den Blick zu nehmen, sondern zu sagen Jetzt, in diesem Moment genieße ich, dass Advent ist.

Autorin:
Nicht nur die Erwachsenen sehen den Adventskranz als Symbol für Hoffnung und Licht. Auch Kinder spüren, wie er Gemütlichkeit und Gemeinschaft bringt: 

Fritzi: Adventskränze könnte es ja auch geben, damit es in der Winterzeit, wenn’s kalt und grau ist, einfach gemütlicher ist. Und dann kann man am Sonntag auch gemütlich zum Beispiel Kekse essen mit Leuten, die man kennt.

Gustav: Aber es könnte ja sein, weil an Weihnachten ist ja Jesus geboren worden. Und dann ist man schon in der Weihnachtsstimmung, damit man auch besser an Weihnachten denkt, damit man nicht Weihnachten vergisst.

Musik: Jul, Jul strålande jul – MDR Rundfunkchor

Hendrik Kissel:
Die zentrale Botschaft in der Adventszeit ist für mich, dass Gott kommt. Das heißt für mich den suche ich irgendwie. Und wenn er kommt, ist es irgendwie so, dass er sich finden lässt. Das macht für mich so diese Art Steigerung eine Kerze, zwei Kerze, drei Kerzen, vier Kerzen. Eigentlich eine tolle Sache, so eine Art Suche gucken im Lebensalltag, dass sich das irgendwie lohnt. Da begegnet mir irgendetwas, das hat was mit Gott zu tun.

Autorin:
Gott kommt, irgendetwas geschieht. Jedenfalls das sagt dieser Kranz in unseren Häusern und Wohnungen. Als Symbol steht er für vieles. Die Unendlichkeit, Auferstehung und Gemeinschaft. Das wintergrüne Tannengrün gilt als Zeichen der Hoffnung, und das wachsende Licht von Woche zu Woche verweist auf die Erwartung der Geburt Christi, das „wahre Licht“ in der Finsternis. Aber warum nicht gleich feiern? Alle Kerzen anzünden? Der Adventskranz erinnert uns daran: Hoffnung muss nicht sofort brennen. Es reicht, wenn sie beginnt.

Hendrik Kissel:

In der Adventszeit habe ich immer diesen Gedanken im Kopf. Das ist ein ganz bestimmtes Lied, was mich immer total berührt. Und das ist dieses Lied von Jochen Klepper. Da, finde ich, ist dieser Spitzensatz drin. Gott will im Dunkel wohnen und hat es doch erhellt. Da krieg ich jetzt schon eigentlich wieder eine Gänsehaut. Das ist für mich die pure Hoffnung, dass auch bei meinen Fehlentscheidungen und meinen Verstrickungen und so wie ich total als Mensch bin, dass da ein Gott da ist. Auch wenn ich ihn nicht spüre und nicht sehe. Und dass er gerade in so einer Art Misere und Dilemma manchmal mit mir wohnen will. Ein tolles, wenn man biblischen Vers nehmen würde, is: „Es Gott zeltet unter uns“ Johannesevangelium oder „Gott wurde Mensch“ oder so ja, aber ich finde es am besten in diesem Satz deutlich gemacht von Jochen Klepper.

Musik: Die Nacht ist vorgedrungen – Pamela Natterer, Johann Christoph Pelzel

Autorin:

Christinnen und Christen warten auf das Licht, das kommt. Das Licht, das an Weihnachten geboren wird – in Form eines kleinen Menschen, der viel bewegt. Mit jeder Kerze wächst dieses Licht bei uns. Diese Hoffnung und dieses Warten hören wir im Adventslied „Es kommt ein Schiff, geladen“. Das Schiff bringt die kostbarsten Gaben zu den Menschen, um sie bereit zu machen für die Ankunft Gottes in der Welt.

Musik: Es kommt ein Schiff geladen - Kammerchor der Humboldt-Universität zu Berlin