Autor: Noch ist es eine Baulücke, aber das soll sich bald ändern. Mit dem ersten Spatenstich im November und der Grundsteinlegung gerade vor wenigen Wochen im Mai nimmt hier in Potsdam jetzt etwas konkrete Züge an, was schon länger geplant wurde. Hier am Bassinplatz im Herzen der Stadt soll ein neues Gemeindezentrum entstehen. Ganz in der Nähe der Kirche. - Beate Schmidt, Sie gehören hier zur Gemeinde, sind Mitglied im Kirchenvorstand und da auch aktiv in der Projektplanung. Warum bauen Sie denn hier neu?
Beate Schmidt: Unser bisheriges Gemeindehaus hier, was wir am Bassin haben, hat einen großen Nachteil. Es ist nicht barrierefrei. Das heißt, wir schließen da Menschen aus, uns zu besuchen und wir haben viel zu wenig Raum.
Autor: Eine Kirche, die mehr Menschen als Raum hat, das findet man ja heute selten… Wie geht das?
Schmidt: Unsere Gemeinde ist Peter und Paul, also dieser Standort hier, einer von unseren vier Standorten der großen Pfarrei, die wir jetzt sind, hatte vor der Wende 2000 Mitglieder und wir sind jetzt bei 7000 Menschen. Wir haben einen Raum für 30 Personen und einen Raum für 12 Personen. Das heißt, Menschen können gar nicht zu uns kommen. Es kann vieles nicht stattfinden. Wir brauchen also tatsächlich Raum, weil wir eine zuwachsende Gemeinde sind. Wir haben zum Beispiel in diesem Jahr weit über 30 Erstkommunionkinder. Dazu gehören Familien. Und dieser Familiensonntag, da platzen wir aus allen Nähten. Also die Leute sitzen schon auf dem Fensterbrett, weil wir keinen Platz miteinander haben. Also im Vergleich zu anderen Gegenden, wo wir, obwohl wir in der Diaspora sind, haben wir hier schon das große Glück, dass wir immer mehr Menschen werden. Wir haben eine wunderbare Jugendarbeit. Wir haben Pfadfinder, wir haben Ministranten, wir haben eine Mädchenschola, wir haben eine wunderbare Jugendarbeit. Das heißt, wir haben für alle Generationen was. Nicht nur, wie man das manchmal denkt, es kommen nur noch ein paar alte Leute in die Kirche.
Autor: Dass hier zu wenig Platz für all diese Menschen ist, soll sich ja bald ändern… Man merkt Ihnen an: Sie freuen sich drauf!
Schmidt: Wir möchten ein neues Begegnungszentrum bauen. Worauf wir uns sehr freuen, dass wir diese Sichtachse zur Kirche haben. Die Stadt hat uns unterstützt, dieses Grundstück zu bekommen. Und was auch noch passieren wird: Das katholische Büro wird einziehen. Das hat jetzt eine Dependence im Josefskrankenhaus, also die Achse nach Berlin und die Achse in die Stadt rein wird an einen sichtbaren Punkt geholt und dann haben wir einen schönen Ort, wo wir uns begegnen können. Wir freuen uns, dass wir hier ein Café in den Eingangsbereich machen. Wir wollen uns zur Stadtgesellschaft öffnen, sichtbar werden und niedrigschwellige Angebote für die Menschen machen.
Autor: Die Planungen laufen schon seit mehreren Jahren. Und einer, der da auch von Anfang an dabei war, ist Norbert John. In Potsdam und Brandenburg kein Unbekannter. Herr John, Sie waren vor Ihrem Ruhestand Hochbauamtsleiter und Chef des Landesbaubetriebs Brandenburg; Sie kennen insbesondere auch die Situation hier in Potsdam sehr gut. Jetzt sind Sie hier Planungsleiter. Was ist hier das Besondere?
Norbert John: Also wir befinden uns hier im Holländischen Viertel. Das ist aus dem 18. Jahrhundert, ein Projekt, das damals geschaffen wurde, um hier Attraktivität zu schaffen in dieser Stadt. Und wir haben jetzt noch eine Baulücke in dieser Stadt, die entstanden ist, weil hier ein Gebäude 1988 abgebrochen wurde, seitdem hier leer steht. Und die Pfarrei und das Bistum hat das gekauft, das Grundstück, und entwickelt jetzt hier ein Gemeindezentrum. Und das finde ich persönlich ganz wichtig, weil eine Gemeinde braucht immer nicht nur eine Kirche, sondern auch ein Zentrum, wo man sich treffen kann außerhalb der Kirche.
Autor: Was ist denn das Reizvolle an dem, was hier geplant ist? Also nicht nur, dass hier gebaut wird, sondern wie es gebaut wird.
John: Also einerseits die Historie wieder aufzubauen, wieder zu schaffen, nämlich das Erscheinungsbild ist ja dann, dass es ein Holländisches Haus optisch wird - und andererseits aber ein ganz modernes Haus zu bauen, das den heutigen Anforderungen entspricht. Und das eben unter Aspekten der Nachhaltigkeit, das zu verbinden, der Barrierefreiheit, der Zugänglichkeit, der Offenheit: Das ist das Tolle an diesem Projekt.
Autor: Und Sie haben ja den Vergleich mit vielen anderen Gebäuden und jetzt kommt es rein zeitlich ist das ja der Abschluss - vorübergehend zumindest. Ist das auch so was wie ein Höhepunkt für Sie?
John: Wenn man so will, ja, ich werde hoffentlich nicht mehr ganz so viele neue Gebäude begleiten müssen. Das war einfach eine schöne Frage, die mir gestellt wurde. Und wenn ich so eine interessante Aufgabe bekomme, dann kann ich ganz schlecht Nein sagen.
Autor: Es gibt ja diesen Spruch, habe ich gelesen, der John, der John, der macht das schon. Was machen Sie jetzt hier? Was ist Ihre Handschrift hier?
John: Naja, ich bin nicht der Architekt von diesem Gebäude, sondern da haben wir ja ein Büro eingeschaltet, Aber ich berate und unterstütze die Gemeinde und die Pfarrei in der Funktion des Bauherrn. Und der Bauherr hat nun mal eine ganz entscheidende Funktion. Er muss nämlich die Entscheidungen treffen, letzten Endes, sowohl finanziell wie auch in anderer Hinsicht, soziale Komponenten etc. Also alles, was der Bauherr einbringen muss, das unterstütze ich dabei mit meiner Expertise und bisher funktioniert das glaube ich, auch ganz vernünftig.
Autor: Bevor wir gleich noch den Architekten und auch den Pfarrer der Gemeinde hören, hab ich mich mal bei denen umgehört, für die das künftige Gemeindezentrum vor allem gebaut wird: die Angehörigen der Pfarrei. Was bedeutet Ihnen dieses Neubauprojekt?
Besucherstimmen - Collage:
Unsere Pfarrei ist ja mitten in Potsdam, entsprechend auch groß und wird also verschiedene Angebote auch für kleinere Gruppen haben und soll ein offenes Haus sein, also für die Stadtgesellschaft und nicht nur für die Gemeinde. Und darauf freue ich mich sehr. // Erstaunlich, wie viele Leute gekommen sind. Das Interesse ist da. // Ja, ich freue mich auf das neue Haus, was hier gebaut wird, was ja auch einen großen Raum haben wird. // Da ich hier in der Nähe arbeite, würde ich mich natürlich auch freuen, da vorbeizugehen. Oder dass man wirklich dann auch sonntags sich noch treffen kann und nicht nur draußen in der Kälte vor der Tür stehen muss. Ich freue mich sehr drauf. // Ich bin schon seit 1939 in dieser Pfarrei. Ich habe also alles mitgemacht was hier mal war. Das ist ganz toll. Ich hoffe nur, dass wir das noch erleben, dass wir hier noch mal reinkommen. // Oh ja, ich freue mich sogar sehr. Und zwar, weil der alte Saal oder das alte Gemeindehaus hohe Stufen hat, kein richtiges Geländer zum Anfassen hat. Ich komme mit meinem Rollator da überhaupt nicht rauf und da freue ich mich sehr darauf, dass hier alles barrierefrei sein soll. Und ich hoffe, das klappt. Ich hoffe, ich lebe noch so lange // - Diese Generation. Die beten auch für unser Projekt noch. Sollten wir nicht vergessen, damit das auch was wird.
Musik
Autor: In Potsdam wird in der Innenstadt in der Nähe der großen Kirche Sankt Peter und Paul ein neues Gemeindezentrum für die katholische Pfarrei gebaut. Die alten Räumlichkeiten waren zu klein - und außerdem gab es da im historischen Holländischen Viertel noch eine Baulücke. Dort soll das neue Gemeindezentrum entstehen - und zwar planmäßig bis zum Jahr 2028.
Eric van Geisten: Sie sind der Architekt dieses besonderen Bauwerks. Was bedeutet das für Sie, hier zu planen?
Architekt Eric van Geisten: Das ist eine besondere Herausforderung, aber sie hat sich relativ einfach gelöst, weil im Prinzip die Fassade zum Bassinplatz ist praktisch das historische Element und dahinter bauen wir ganz modern und natürlich in den Proportionen in die Fensterachsen und so weiter, Eingänge - das ist selbstverständlich. Es war schon eine Herausforderung, aber das ist bei jedem Neubau in der barocken Innenstadt auch eine Herausforderung oder Ergänzungsbauten. Aber mit der Nachhaltigkeit: Das war jetzt noch mal was Besonderes. Aber es hat sich eigentlich gefügt. Also ich würde sagen, es verträgt sich und ich hoffe, es gibt Nachahmer.
Autor: Ein Schwerpunkt ist also die Nachhaltigkeit; ja auch ganz im Sinne einer Schöpfungsverantwortung, wie man kirchlich sagen würde. Wie sehen Sie das hier konkret - wie setzen Sie das um?
van Geisten: Nachhaltigkeit in diesem Projekt ist ganzheitlich zu sehen. Das eine ist sicher die Konstruktion, dass wir hier einen Holzbau machen. Es ist auch energetisch so zu sehen, dass die versorgen, wobei wir haben ja das Glück, dass wir hier eine Fernwärme haben, aber wir werden natürlich zusätzlich Solar auf dem Dach haben und so weiter. Nachhaltig ist zum Beispiel auch Barrierefreiheit, das ist auch ein Bereich der Nachhaltigkeit. Also dass hier alle rein können, dass man über einen Aufzug alle Geschosse erreicht. Das ist ja auch im Moment in dem historischen Gebäude schwierig und insofern in jeder Hinsicht nachhaltig. Also es geht auch darum, dass die Baustoffe nicht verklebt werden mit giftigen Stoffen. Das wird alles den Menschen, die dort leben, denke ich mal, zugutekommen oder die dort arbeiten im Wesentlichen.
Autor: Der Architekt hat es eben schon angesprochen: Das Haus soll barrierefrei werden. Das kann man ja auch im übertragenen Sinn so sehen. Propst Arnd Franke, Sie sind der Pfarrer dieser katholischen Gemeinde. Barrierefrei heißt dann also auch: offen für alle?
Propst Arnd Franke: Ja, ein offenes Haus, wo das Leben einfach so brummt wie so ein Bienenstock, wo ein Kommen und Gehen ist, wo sich ganz viele engagieren, wo sich viele beheimatet fühlen, wo auch viele einfach aber auch nur vorbeigehen und auch wieder gehen können. Also auch so diese innere Freiheit bleibt. Und wo sie aber etwas spüren von diesem Geist unseres Glaubens. Also ein Gott, der eben Grenzen überwindet, der verbindet, der Mut macht, der stärkt, der tröstet.
Autor: Welche inhaltliche Botschaft möchten Sie senden? Sie haben ja von der Jugend über Senioren, Chor, über ein Café bis zum Katholischen Büro, bis Wohnungen, Büros, Sie haben ja alles sozusagen hier. Welche Botschaft möchten Sie da weitergeben?
Franke: Letztlich, was das Wesen von Kirche sowieso ist: Gastfreundschaft, sodass wir offen sind für alle Menschen. Alle dürfen sich willkommen fühlen. Suchende, zweifelnde Menschen, die also mit Kirche erstmal nichts zu tun haben, die aber einfach willkommen sein dürfen, die mit ihren Fragen kommen dürfen. Oder man könnte auch das Bild bemühen einer Berghütte. Wir sind einfach unterwegs, wir wollen jetzt auch nicht irgendwie Leute festhalten, sondern man kann auch weiterziehen. Aber einfach diese Offenheit und eben für die Stadt auch da zu sein.
Autor: Was sagt denn dieser Standort aus?
Franke: Ja, der Standort ist halt hier am Bassinplatz. Letztlich greifen wir ja auf, was vor 150 Jahren schon gelegt wurde, mit dem Bau der Kirche. Also am Ende dieser Brandenburger Straße thront eben diese Peter und Paul Kirche, die also von Weitem aussieht wie so eine Schutzmantelmadonna und die die Leute rein architektonisch schon magisch anzieht. Das Einzige, was dieser Kirche fehlt, ist letztlich der Vorraum, der klassische Vorraum, also wo man Platz hat, wo man sich sammeln kann. Diesem Manko helfen wir ab, indem wir dieses Haus bauen und eben auch direkt hier am Bassinplatz, hier ist der Wochenmarkt. Und da wollen wir einfach mit dabei sein, also sozusagen mitten im Leben und auch diese Botschaft verkünden, dass Gott einfach da ist und zwar mitten im Leben.
Autor: Beim ersten Spatenstich im November haben Sie’s so gesagt: Wir wollen nicht nur Erde bewegen, sondern Zukunft. Und Menschen. Und das ist dann ja auch ein Bild für die Kirche insgesamt mit aller notwendigen Veränderung. Es tut sich was und man darf gespannt sein, wie es hier nach der Grundsteinlegung jetzt weitergeht - und wie es dann bis zur geplanten Einweihung in knapp zwei Jahren am Bassinplatz in Potsdam aussieht. Mit Gottes Hilfe - und vielen engagierten Menschen, die hier mit anpacken.
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