Ein Mann mit Brille sitzt an einer Orgel. Er schaut zur Kamera und trägt ein kariertes Hemd. Neben der Orgel liegt ein geöffnetes Notenbuch, das auf die musikalische Aktivität hinweist. Der Hintergrund ist schlicht, um den Fokus auf den Musiker und das Instrument zu lenken. Ein Mann mit Brille sitzt an einer Orgel. Er schaut zur Kamera und trägt ein kariertes Hemd. Neben der Orgel liegt ein geöffnetes Notenbuch, das auf die musikalische Aktivität hinweist. Der Hintergrund ist schlicht, um den Fokus auf den Musiker und das Instrument zu lenken.
Ein Mann mit Brille sitzt an einer Orgel. Er schaut zur Kamera und trägt ein kariertes Hemd. Neben der Orgel liegt ein geöffnetes Notenbuch, das auf die musikalische Aktivität hinweist. Der Hintergrund ist schlicht, um den Fokus auf den Musiker und das Instrument zu lenken.
17.08
2025
08:40
Uhr

Glaube, Tasten, Leidenschaft

Ein Doppelleben für die Kirchenmusik

Ein Beitrag von Johannes Rogge

AUTOR
Sonntagmorgen in Eberswalde. In der katholischen Kirche St. Peter und Paul sitzt Markus Settke auf der Orgelempore. Hunderte Pfeifen vor sich, Tasten unter den Händen, Pedale unter den Füßen. Und dann passiert das, was er als das Allerschönste am Orgelspielen beschreibt:


MARKUS SETTKE
„Das Schönste ist, wenn man so richtig laut in die Tasten hauen kann.“

Ein Musiker spielt eine Orgel. Seine Hände sind auf den Tasten platziert, während er eine Taste drückt. Im Hintergrund sind die Tasten und einige Registerzüge zu sehen, die die Klangfarbe beeinflussen können. Die Szene vermittelt eine Atmosphäre der Musizierens.

AUTOR
Markus Settke ist Kirchenmusiker – aber nur nach Feierabend. In unserer Reihe „Kirche Backstage“ stelle ich Ihnen heute einen Mann vor, der ein faszinierendes Doppelleben führt. Unter der Woche plant er als Bauingenieur bei der Deutschen Bahn neue Bahnsteige und Oberleitungen. Am Wochenende aber ist er der musikalische Motor einer ganzen Kirchengemeinde. Denn ohne ihn wäre hier oft – einfach Stille.


MARKUS SETTKE
„...und wenn ich mal nicht da bin, dann spielt hier in der Regel auch die Orgel nicht. Also wenn man für 30 € kriegt man auch keinen. Zum Beispiel aus Berlin. Da gibt es ja noch mehr Organisten. Würde man keinen motiviert kriegen? Genau.“


AUTOR
30 Euro pro Gottesdienst – das ist die kleine Aufwandsentschädigung, die er bekommt. Davon leben kann niemand. Warum also tut sich das jemand an? Die Antwort liegt bei Markus Settke in der Familie. Musik wurde ihm quasi in die Wiege gelegt.


MARKUS SETTKE
„Ich bin musikalisch groß geworden, also hier in Eberswalde. Mein Papa hat schon Orgel gespielt. Er hat damals bei einem evangelischen Kantor gelernt und so haben auch drei meiner Geschwister und ich das ebenso getan. Und ein Bruder nicht, der hat andere Musik gemacht genau und wir sind musikalisch groß geworden. Und zwar sind wir alle in der Neuapostolischen Kirche groß geworden. Mein Papa war dort auch Gemeindeleiter. Wir haben da Musik gemacht, im Kinderchor mitgesungen, Kirchenchor, Orchester und ja da war man halt schon sehr aktiv und hat viel Musik gemacht und ich hab dann halt auch beim gleichen evangelischen Kantor wie mein Papa gelernt. Mit ungefähr zwölf, so würde ich schätzen mit Orgelspiel begonnen, mit 6,5 mit Klavier, dann zwölf auf die Orgel. Wenn man groß genug ist und unten ran kommt, geht es und genau bei dem hab ich dann so 4/5 Jahre denk ich gelernt.“

Ein junger Mann mit Brille sitzt vor einer Holzoberfläche und schaut auf ein Notenblatt. In einem kleinen Rahmen über ihm ist sein eigenes Spiegelbild zu sehen, während er konzentriert arbeitet. Der Hintergrund ist aus dunklem Holz gefertigt, was eine warme Atmosphäre schafft.

MUSIK: Kurzes Orgelstück
 

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Die Faszination für die „Königin der Instrumente“ hat ihn nie losgelassen. Es ist die Vielfalt der Klänge, aber vor allem ist es eine ganz besondere Aufgabe, die ihn reizt.


MARKUS SETTKE
„Also die Faszination war damals schon heute einfach die Vielfalt. Ich kann von ganz leise spielen bis ganz laut. Solistisch sag ich mal. Auszug, Einzug, Kommunion, irgendwas begleiten und dann der zweite wesentliche Punkt, was es auch für mich spannend macht, ist einfach Gemeinde begleiten. Dass man als Organist versucht, den Gemeindegesang jetzt nicht zu dämpfen, also dass man sozusagen die unterstützt, dass ein schön kräftiger Gemeindegesang entsteht. Wenn man jetzt zu schnell spielt ist doof, spielt man zu langsam müssen die Leute ständig atmen oder man spielt viel zu laut, viel zu leise also einfach da lernt man auch immer weiter.“


AUTOR
Markus Settke ist gebürtiger Eberswalder, Mitte 40, verheiratet, zwei Kinder. Aufgewachsen in der Neuapostolischen Kirche, ist er heute katholisch. Ein ungewöhnlicher Weg, der über die Musik führte. Nach seinem Bauingenieur-Studium wollte er sich musikalisch weiterbilden und an der Universität der Künste in Berlin studieren. Doch da gab es eine kleine Hürde.


MARKUS SETTKE
„Ja, ich war da noch in der Neuapostolischen Kirche. Genau. Und damals war es so: Ich hätte den evangelischen C-Schein nicht machen können. Das ging nicht. Dafür musste man evangelisch sein. Und bei den Katholiken war es ein bisschen entspannter. Die haben halt auch find ich relativ logisch argumentiert die katholische Kirche haben einfach gesagt, na ja, er kann ja keinen neuapostolischen C-Schein machen, weil es den nicht gibt. Also nehmen wir ihn halt. Und dann konnte ich den machen, obwohl ich nicht katholisch war.“
 

AUTOR
Die Katholiken waren pragmatisch. Und im Studium hat es bei ihm dann richtig „Klick“ gemacht. Er entdeckte, dass hinter den festen Abläufen eines katholischen Gottesdienstes, der sogenannten Liturgie, ein tieferer Sinn steckt. Eine Entdeckung, die alles veränderte.
 

MARKUS SETTKE
„Ja ich bin dann wirklich über dieses Studium wo man einfach auch mal die Hintergründe verstanden hat: Warum singen wir zum Beispiel ein Gloria nicht immer im Jahr? Warum singen wir nicht immer Halleluja? Oder ganz krasses Beispiel Karfreitag: gar keine Orgelmusik. Einfach diese liturgischen Hintergründe die ich da kennengelernt hab die haben mich noch mal dazu gebracht, mehr darüber nachzudenken. Und ich würde wirklich fast sagen, dass ich durch dieses Liturgische noch mehr in den Glauben, in die Gemeinde reingekommen bin hier. Und irgendwann haben wir uns dann entschieden, auch als Familie katholisch zu werden.“


AUTOR
Das Katholisch-Sein und die Leidenschaft für die Musik teilt er zum Glück mit seiner Familie. Seine Frau singt auch im Chor mit und leitet sogar den Kinderchor. Das macht den enormen Zeitaufwand für das Ehrenamt tragbar.
 

MARKUS SETTKE
„Bei meiner Frau wird der nicht kritisch gesehen, weil sie ja sozusagen mitmacht und auch gerne. Also von daher, da sind wir schon auf einer Wellenlänge. Also ich glaub die Kinder manchmal, ja weiß ich nicht, vielleicht denken sie sich manchmal: hm vielleicht doch ein bisschen viel, aber ich kann mir vorstellen, dass es schwieriger ist, wenn jetzt zum Beispiel ein Partner mit Kirche oder Glauben, Musik gar nichts am Hut hat, ne? Dann kann ich mir vorstellen, dass es schon für den anderen Partner eine größere Belastung ist, aber dadurch das wir das zusammen größtenteils machen und auch Spaß dran haben ist es jetzt keine schlimme Sache, dass ich viel mache “

MUSIK: Beschwingtes Orgelstück

Ein Chor singt in einem Raum. Im Vordergrund steht ein Dirigent, der die Hände hebt, während er die Sänger anleitet. Die Chormitglieder halten Notenblätter und sind auf das Dirigieren fokussiert. Der Raum hat eine angenehme, einladende Atmosphäre.

AUTOR
Jeden Dienstag leitet Kirchenmusiker Markus Settke die Chorprobe in Eberswalde. Hier zählt vor allem die Gemeinschaft, nicht die perfekte Stimme. Und wenn doch mal ein Ton danebengeht? Dann hat er seinen ganz eigenen Trick.


MARKUS SETTKE
„Lächeln und weiter dirigieren und hoffen, dass sie sich wieder fangen.“


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Trotz aller Routine bleibt eine Sache bei ihm bestehen: die Aufregung. Sie zeigt, wie sehr das alles ihm am Herzen liegt. Fragt man ihn nach seiner tiefsten Motivation, kommt die Antwort prompt.


MARKUS SETTKE
„Ja die Aufgabe von Kirchenmusik. Ich denke, der erste Punkt ist schon ein Zitat von Bach: Soli deo Gloria, allein Gott die Ehre. Dass das dieser Hauptpunkt ist, dass wir alles, was wir hier tun, zur Ehre Gottes tun. Und der zweite Punkt für mich ist dann auch zur Freude der Menschen, auch zur eigenen Freude, die kommt dann ja zurück“
 

AUTOR
Dieser Gedanke trägt ihn. Und er ist überzeugt, dass die Musik nicht nur den Glauben stärkt, sondern die ganze Gemeinde lebendiger macht.


MARKUS SETTKE
„Musik ist eine Stütze für den Glauben. So seh ich das. Da, wo Chöre sind, da hat man den Eindruck, ist die Gemeinde noch lebendiger. Und ich glaube, da ist was dran, weil es einfach die Leute zusammenbringt. Man ist auch mit Leuten zusammen, wo man vielleicht den ein oder anderen gar nicht so doll mag.  Das aber zeigt die Musik. Wir können trotzdem zusammen Musik machen.“


AUTOR
Gefragt nach seinen drei Wünschen für die Zukunft, leuchten die Augen von Markus Settke.


MARKUS SETTKE
„Also ein großer Wunsch ist, heute hat ja der Kinderchor in der Messe gesungen, dass das Früchte trägt, dass die Kinder Freude und einen Zugang zur Musik und auch zur Gemeinde finden. Ein zweiter Wunsch wäre natürlich mehr Chorsänger. Wir sind jetzt so knapp 20 Sänger, aber es könnten auch 25 oder 30 sein und der dritte Wunsch steht hier hinter mir. Also die Orgel ist toll, aber ihr fehlt noch was, zwei Register, so im besten Fall. Ich kann mir vorstellen, dass es relativ utopisch ist, aber ich kann ja hoffen, dass da noch eine Erweiterung stattfindet, dass man noch vielfältiger spielen kann.“

Ein Mann spielt an einer Orgel. Er sitzt seitlich zur Kamera, trägt eine karierten Hemd und Brille. Die Orgel hat eine Vielzahl von weißen und schwarzen Tasten sowie Notenblätter, die auf einem Ständer sichtbar sind. Der Hintergrund zeigt eine Holzvertäfelung.

AUTOR
Seine Wünsche gelten der Gemeinde vor Ort in Eberswalde. Aber sein Engagement sieht er auch in einem größeren gesellschaftlichen Zusammenhang.


MARKUS SETTKE
„Wo ich groß geworden bin in der Neuapostolischen Kirche, ist alles Ehrenamt. Da gibt es keine Angestellten. So bin ich halt großgeworden und ich finde wir leben halt als Gesellschaft davon, dass die Leute auch was machen ohne Geld zu bekommen. Ist einfach so und ich glaube die, die sich engagieren die machen es auch immer, weil immer was zurück kommt und das finde ich ist auch eine wichtige Sache.“


MUSIK: Gitarrenimprovisation von Benedikt Reidenbach


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Markus Settke – Bauingenieur, Familienvater, Chorleiter, Organist. Ein Mann, der unter der Woche Bahnbrücken plant und am Wochenende Brücken zwischen Himmel und Erde baut. Jeden Dienstag zur Chorprobe. Jeden Samstag zum Üben. Jeden Sonntag in der Hl. Messe.
Für 30 Euro Aufwandsentschädigung.
Oder wie er es ausdrückt: Zur Ehre Gottes und zur Freude der Menschen.


MUSIK: Festlicher, hoffnungsvoller Orgelausklang