Eine Frau mit Brille und grauen Haaren steht an einem Tisch, hält ein aufgeschlagenes Buch mit dem Titel "Die Bibel" und spricht. Im Hintergrund brennen Kerzen und es gibt einen Blumenschmuck. Der Tisch ist mit einem grünen Tuch bedeckt. Eine Frau mit Brille und grauen Haaren steht an einem Tisch, hält ein aufgeschlagenes Buch mit dem Titel "Die Bibel" und spricht. Im Hintergrund brennen Kerzen und es gibt einen Blumenschmuck. Der Tisch ist mit einem grünen Tuch bedeckt.
Eine Frau mit Brille und grauen Haaren steht an einem Tisch, hält ein aufgeschlagenes Buch mit dem Titel "Die Bibel" und spricht. Im Hintergrund brennen Kerzen und es gibt einen Blumenschmuck. Der Tisch ist mit einem grünen Tuch bedeckt.
10.08
2025
08:40
Uhr

Wortgewandt – Stimmen für den Glauben

Nah dran: Lektor:innen in der ev. Kirche

Ein Beitrag von Viktoria Hellwig

Autorin:
Sonntagmorgen irgendwo in Brandenburg. In der Kirche wird noch schnell der Blumenschmuck gerichtet, auf der Empore wird die Orgel gestimmt, ein paar letzte Absprachen – und vorne am Altar steht keine Pfarrerin, sondern ein Lektor. ehrenamtlich, engagiert – und bereit, heute den Gottesdienst zu halten. Predigen, beten, Hoffnung weitergeben – auch das ist möglich, ganz ohne Talar. 

Was treibt Menschen an, so ein Ehrenamt zu übernehmen? Und wie wird man eigentlich Lektor oder Lektorin in der Kirche? Ich habe Lektoren und Lektorinnen aus Berlin und Brandenburg getroffen. Doch zunächst die Frage: Was ist eigentlich ein Lektor?

Ralf Lamm

Das kann man so beschreiben. Das ist jemand, der sich mit Gottes Wort auseinandersetzt und das im Gottesdienst versucht zu vermitteln auf seine ganz persönliche Art und Weise. Wir haben da natürlich Hilfsmittel und brauchen uns auch nicht alles auszudenken. Aber jeder hat so seine eigene Note. Und ich finde, das ist eine sehr interessante Gemeinschaft, weil es die Vielfalt darstellt in den verschiedenen Arten, wie man Gottesdienst halten kann.

Autorin:
Diese verschiedenen Arten wollte ich genauer unter die Lupe nehmen und habe engagierte Menschen aus der Region getroffen, die sich alle für ihre Kirche stark machen und dort auch die Gottesdienste mitgestalten. Jeder und jede hatte dabei ihren ganz eigenen Weg ins Ehrenamt. Und die meisten haben mehr als ein Amt inne. Einer von ihnen ist...

Ein lächelnder Mann steht vor einem Mikrofon in einem Aufnahmestudio. Er trägt ein blaues Hemd und ist bereit, etwas aufzunehmen. Im Hintergrund sind teilweise unscharfe Akustikpaneele und ein Tisch mit Geräten zu sehen.
Ralf Lamm

Ralf Lamm

Ja. Hallo, ich bin Ralf Lamm. Ich bin beruflich Projektleiter. Ich baue Datennetze, plane die und Netzwerktechnik, aber auch Verkabelung. Also so, dass sie auch im Internet schön surfen können. Ehrenamtlich bin ich ziemlich viel aktiv. Ich bin noch im Gemeindekirchenrat im vierten Jahr, im Gemeindekirchenrat in Beeskow und Umland, also in unserer Gesamtkirchengemeinde, noch in verschiedenen Vereinen bin ich im Förderverein der Dorfkirche in dem Dorf, wo ich herkomme, aus Neubrück (Spree). Und jetzt hier, denke ich mal, jetzt hier um das Ehrenamt als Lektor.

Autorin:
So ist es, Herr Lamm, was hat Sie denn bewegt sich für Kirche zu engagieren?

Ralf Lamm

Ich hatte mit Kirche schon immer zu tun durch meine Mutter, die war Gemeindekirchenrat, damals schon. Und dann ist man ja automatisch schon dabei. Irgendwas reparieren, sauber machen, aufräumen. Und so weiter. Und ich habe dann eine Ausbildung gemacht. So eine Bibelschule habe ich zweieinhalb Jahre ausgeführt. Das war sehr interessant für mich. Und da hab ich gedacht, ich will eigentlich noch mehr machen. Und so anderthalb Jahre später, nach dieser Ausbildung, so circa, da bin ich angesprochen worden, ob ich nicht Lektor machen möchte. Und klar, warum denn nicht? Na, wir haben ja zu Weihnachten sowieso immer so wenige Pfarrer und die, die den Gottesdienst halten können. Und da habe ich gedacht: Ja, machste Lektor, machste mal ab und zu mal einen Gottesdienst. Aber ich könnt ja nicht vorherahnen, dass es hinterher doch ein bisschen umfangreicher wird.

Autorin:
Lektoren und Lektorinnen auf dem Land sind viel beschäftigt, und das nicht nur in ihrem Kirchenkreis oder Landkreis, auch Ralf Lamm begibt sich oft in neue Kirchen und so auch neue Situationen in Gottesdiensten. Doch Ralf Lamm erzählt, dass das ihm besonderen Spaß macht, in Interaktion mit den Gemeinden zu gehen und auch mal Feedback einzuholen. 

Ralf Lamm

Also, ich komme aus Neubrück Spree. Das ist eine Kirche, die ist ja 70 Jahre alt. Ja, sie ist zu DDR-Zeiten gebaut worden. Was auch eine Besonderheit ist. Und da bin ich am häufigsten tätig. Sagen wir mal so, aber als Lektor eben auch überall, in allen Gemeinden ringsherum. Wie gesagt, wir sind zwölf Kirchen Standorte in nur in Beeskow und Umland. Und dazu kommen noch ringsherum noch Bereiche mit Kirchen. Und da helfe ich dann auch hier und da aus.

Musik: My Sweet Lord – George Harrison

Autorin:
Wer darf eigentlich in Kirche lesen? Wer sucht die Bibelstellen aus, die gelesen werden? Macht das die Pfarrerin oder dürfen das auch ehrenamtliche Lektorinnen? Mit diesen Fragen im Gepäck habe ich mich mit verschieden Lektorinnen in der evangelischen Kirche getroffen und wollte wissen, was sie dazu gebracht hat? Eine davon ist....

Matilda Abendroth

Ich bin Mathilda Abendroth, bin in der Gethsemane-Gemeinde (EKPN) und bin da sehr aktiv in der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen. Also sowohl in der Christenlehre mit den Kindern von 1 bis 6 und bei der Arbeit mit den Konfirmandinnen. Das sind ein bisschen ältere Kinder, 13, 14 Jahre und auch auf der Sommerrüste eine Jugendfahrt. Und ansonsten mache ich auch relativ regelmäßig beim Kirchendienst mit. Also gestalte die Gottesdienste mit. Und da lese ich dann unter anderem als Lektorin.

Autorin:

Matilda Abendroth erzählt, wie sie dazu kam sich nach ihrer Zeit als Konfirmandin in der Gethsemane-Gemeinde im Berliner Bezirk Prenzlauer Berg noch mehr zu engagieren und vor allem auch in Gottesdiensten zu sprechen.

Matilda Abendroth

Also bei mir war das, dass ich regelmäßig zu Gottesdiensten gekommen bin und dann einfach dachte, ich möchte da irgendwie mitmachen. Und dann zuerst Kirchendienst gemacht hat. Und dann meinte ein Zuständiger da zu mir: Wenn ich lesen möchte, können wir dann vorher noch mal ein bisschen zusammen sprechen üben mit dem Mikro und so. Das war eigentlich ziemlich einfach und da freuen sich auch alle über das Engagement. Im Kirchendienst tatsächlich haben wir - meiner Meinung nach könnten noch ein paar mehr junge Leute - aber schon jetzt durch mich und Nina und so ist das schon gut aufgestellt, würde ich sagen. Und habe ich noch ein paar andere Freundinnen, die es auch ab und zu mal machen. Dadurch, dass man ein paar Mal in Gottesdiensten gesprochen hat, wird man immer wieder angesprochen für zum Beispiel beim Tauffest zu sprechen und so.

Autorin:
Neben Matilda Abendroth engagieren sich auch viel ihrer Freundinnen in der Gemeinde, eine davon ist Nina Bodhrun. So wie Matilda ist auch sie vielseitig engagiert und arbeitet als Teamerin mit:

Nina Bodhrun

Ich arbeite auch mit vor allem Jugendlichen, eher nicht so vielen kleinen Kindern zusammen. Ich kümmere mich um die Konfirmanden-Betreuung mit und bei den Konfirmationen. Also bei dem Konfirmandenunterricht, ist die Aufgabe als Teamer einfach die Konfis auf dem Weg zu begleiten und so den Pfarrern so ein bisschen unter die Arme zu greifen, also Gottesdienste mitzugestalten. Die Konfirmation mitzugestalten, das Tauffest mitzugestalten. Und bei den Konfis geht es vor allem darum, dass sie einfach so ein bisschen ein Verständnis zum Glauben - auch ähnlich wie in der Christenlehre, ein bisschen fortgeschrittener natürlich - kriegen und aber auch einfach so ein bisschen das Verständnis für sich selber. 

Musik: FM Belfast - Stripes

Autorin:
Wer sorgt dafür, dass in der Kirche die Lichter angezündet werden? Altarschmuck besorgt wird oder in den Gottesdiensten gelesen wird? Es sind vielseitig engagierte Menschen, die meist mehr als ein Ehrenamt bekleiden. Wirkliche Tausendsassa in den Dörfern oder Stadtgemeinden. Ohne sie würde es nicht laufen. Aber wie sieht es mit der Wertschätzung aus? Nina Bodhrun engagiert sich seit einiger Zeit in ihrer Gemeinde als Teamerin und in Gottesdiensten:

Nina Bodhrun
Also ich fühl mich total gewertschätzt. Unser Pfarrer und auch unsere Betreuerinnen. Also die Leute, die es einfach da organisieren, sind wirklich immer total herzlich und aufgeschlossen und sind wirklich immer so: Ihr seid super, ihr schafft es auch. Immer wenn man irgendeine Aufgabe gemacht hat, wird man auch direkt dafür gelobt. Dann gibt es auch Events, die einfach nur für die Teamer sind, also für die Leute, die sich engagiert haben, wo man auch noch mal extra so ein bisschen gewertschätzt wird. Und da fühl ich mich dann immer sehr aufgehoben, aber einfach auch für die Zukunft oder auch für andere Gemeinden, dass man einfach die Jugend mit einbindet, weil die Jugend ist ja nun mal die Zukunft von jeder Gemeinde und das ist wichtig, dass man da auch schon mal den richtigen Weg bereit legt.

Autorin:
Anerkennung statt Pflichtgefühl – gerade junge Menschen wie Nina Bodhrun fühlen sich dann richtig gesehen. Es gibt Lob, eigene Events nur für die Teamer – und das Gefühl: Hier zählt, was ich mache. Und wer länger dabei ist, merkt schnell: So ein Ehrenamt bringt einen auch persönlich weiter. Man wächst rein, traut sich mehr zu – Ralf Lamm organisiert und betreut seit einigen Jahren auch das Krippenspiel in seiner Gemeinde:

Ralf Lamm

Ich habe ja so eine Krippenspiel Kindergruppe, von den 19 Kindern, die ich da habe - und das für so ein kleines Dorf von 350 Einwohnern, ist das schon eine tolle Quote. Wenn man denn denkt: Ja, ich würde mich freuen, wenn mehr getauft werden von diesen Kindern... Es ist wie es ist. Es sind nicht mal eine nicht mal eine Handvoll von den 19. Sie kommen fröhlich und fragen im Oktober schon nach, ob ich denn schon das neue Krippenspiel habe. Denn sie haben einen hohen Anspruch. Es muss jedes Jahr was Neues sein und dann haben die auch ihre Freude dran. Dieser erfüllt mich nun wieder mit Freude und mit Energie. Also ich bin dann immer hinterher wieder aufgeladen und kann dann wieder weitermachen. 

Autorin:
Die Begeisterung der Kinder steckt an – und sie zeigt, wie sehr Kirche auch heute noch lebendig ist, wenn man sie gemeinsam gestaltet. Auch in den Gottesdiensten selbst sind junge Menschen dabei – wie Nina und Matilda. Sie organisieren die Gottesdienste nicht allein, aber sind gern dabei. Von ihnen wollte ich wissen, was sie am liebsten machen im Gottesdienst?

Nina und Matilda

Matilda: Also mir macht das Evangelium immer viel Spaß. Das ist auch einer der längsten Texte, meistens in den Gottesdiensten. Da gibt's immer vorher und nachher eine kleine Phrase, die man sagt, die dann die Gemeinde nachsingen. Das finde ich immer schön. Das ist eine Antwort, die man bekommt. Und das ist für mich ist so ein bisschen wie als würde ich so eine Geschichte erzählen der Gemeinde und das macht mir Spaß.

Nina: Also ich persönlich mag Fürbitten sehr gerne, aber ich bin auch ein Fan von eher längeren Texten, bei denen man dann auch was erzählen kann und wo man auch sich so richtig so ein Bild vor Augen malen kann, während man das der Gemeinde dann erzählt.

Autorin: Und das klingt dann so.... 

Fürbitte gesprochen von Nina Bodhrun

Wir haben dein Wort, durch das du uns berufst. 

Deine Gegenwart erneuere die Kirche und unsere Gemeinde. 

Deine Gegenwart erneuere die ganze Schöpfung 

und uns ganz persönlich durch deine Liebe. 

Gott, Du bist in unserer Mitte. Du bist für uns da.

Autorin:
Wer selbst einmal einen Gottesdienst vorbereitet hat, sieht vieles mit anderen Augen – und merkt schnell, wie viel dahintersteckt. Für Ralf Lamm ist genau das das Spannende: sich immer wieder neu mit dem Glauben auseinandersetzen – und erleben, wie unterschiedlich jeder Gottesdienst sein kann. Was im Gottesdienst oft so selbstverständlich wirkt, ist in Wirklichkeit Teamarbeit – und echtes Engagement. Kirche lebt von Menschen, die sich engagieren – vorne beim Lesen, hinten in der Organisation. Ob in der Stadt oder in Gemeinden auf dem Land, die Lektorinnen und Lektoren der evangelischen Landeskirche zeigen, wie vielfältig und spannend dieses Ehrenamt ist. Sie erfahren Wertschätzung und Gemeinschaft und immer wieder neue Einblick in den Glauben. Denn Ehrenamt bedeutet wachsen, Verantwortung übernehmen – und Kirche lebendig halten. Ob vor oder hinter den Kulissen.

Musik: My Sweet Lord – George Harrison