Ein knisterndes Lagerfeuer brennt im Vordergrund, umgeben von Steinen. Im Hintergrund stehen mehrere Personen, einige applaudieren, während eine Person mit einer Gitarre spielt. Die Szene vermittelt eine Atmosphäre von Geselligkeit und Feierlichkeit in der Natur.
06.04
2026
08:40
Uhr

Frühling, Feuer, Gemeinschaft

Die Bedeutung der Osterfeuer

Ein Beitrag von Daniel Vorpahl

Autor*

Funken entschwinden in den abendlichen Himmel, es riecht nach Holzrauch und feuchter Erde. Menschen scharen sich ums Feuer, unterhalten sich, oder blicken einfach nur staunend in die Flammen. Es ist ein Osterfeuer, vor dem sie stehen. In den letzten Tagen brannten sie wieder überall in Brandenburg. Organisiert werden sie meist von Feuerwehren oder anderen Vereinen. Eher seltener daran beteiligt, ist die Evangelische Kirche. Dabei ist Ostern deren wichtigstes Fest. Und Feuer spielt dabei eine wichtige Rolle, wie mir Kevin Kama erklärt hat, der im Kirchenkreis Havelland als Diakon tätig ist und in Paaren (im Glien) die Nacht zum Ostersonntag mitgestaltet hat.

Kevin Kama  

Dieses Osterfeuer muss man sich vorstellen wie ein neues Feuer in uns als Christen. Und an dem Feuer an sich selbst wird auch die Osterkerze angezündet. Und die Osterkerze steht ja für Jesus Christus, der von sich selbst ja sagt, er ist das Licht der Welt. Und mit dem Entzünden der Osterkerze beginnt für uns Christen ja ein neues Kirchenjahr. Wir kommen quasi aus der Dunkelheit, also aus dem Karfreitag, jetzt ins Licht. Wir haben jetzt die Zeit der Buße hinter uns gebracht, die Zeit der Trauer. Jesus Christus ist am Kreuz gestorben und jetzt feiern wir aber seine Auferstehung. Das ist die Bedeutung des Osterfeuers. Und wir werden dann mit der Osterkerze in die dunkle Kirche einziehen. Deswegen ist das dann spät in der Nacht oder eben sehr früh am Morgen.

Autor*

Die Osterfeuer, sie sind ein alter, volkstümlicher Brauch und in Brandenburg sehr beliebt. Das Feuer steht dabei für ein Zeichen des Neubeginns: Der Winter wird symbolisch vertrieben, der Frühling begrüßt. Warum dieser Frühjahrsbrauch heute an Ostern stattfindet und das christliche Fest sogar im Namen trägt, lässt sich leider nicht mehr genau sagen. Fest steht aber: In vielen Regionen Brandenburgs sind Osterfeuer ein gesellschaftlicher Höhepunkt. Das nehmen auch die Kirchen vor Ort wahr und müssen sich damit auseinandersetzen. Auch Diakon Kevin Kama würde darüber gern mehr in den Austausch gehen.

Kevin Kama 

Also ich freue mich auch daran, dass es solche Dinge gibt, dass Gemeinschaften zusammenkommen, Dorfgemeinschaften, Städtegemeinschaften, die eben genau solche Frühlingsfeuer, Osterfeuer veranstalten. Und bei der Gemeinschaft und bei dem, was eigentlich dieses Feuer für eine Symbolik hat, sehe ich schon tatsächlich Parallele.
Ich würde mir aber tatsächlich wünschen – und ich glaube, das geht einigen anderen auch so –, dass man auch einen gewissen religiösen Impuls doch mit einbringt oder dass man mit den Menschen in den Kontakt tritt und sagt: Welche Symbolik hat es denn eigentlich für uns als Christen? Und welche Symbolik steht dann für euch eigentlich als Nichtchristen da? Und positiv ist hier auch, dass man irgendwie schon einen geistlichen Impuls bringen könnte. Manchmal fühlt man sich nicht unbedingt ausgeschlossen, aber man kann ja beides miteinander verbinden. Das heißt, man kann sagen: es gibt nicht das Osterfeuer an der Kirche, sondern es gibt jetzt das Osterfeuer in der Dorfgemeinschaft, was wir als Frühlingsfeuer kennen. Und daran könnte man beispielsweise auch die Osterkerze entzünden.

Song 1: Christine and the Queens Flowery Days

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Eines von wenigen Brandenburger Osterfeuern, die von einer Kirchengemeinde ausgerichtet werden, fand auch dieses Jahr am Karsamstag in Wandlitz, im Landkreis Barnim statt. Mit dem dortigen Pfarrer, Lucas Ludewig, sprach ich vorab über den Ablauf des Osterfeuers vor der Kirche in Wandlitz und die besondere Stimmung, die dabei entfacht wird.

Lucas Ludewig  

Wir starten mit einem Hornbläser, der musikalisch in die Liturgie des Gottesdienstes hineinführt. Und es ist dann ja wirklich ein Gottesdienst: Es gibt Lesungen, es gibt Gebete, es gibt auch Kirchenlieder, die wir miteinander singen. Und es ist eben eine Bewegung: Dass wir am Feuer anfangen – bei so einem Feuer ist ja immer nicht klar, wo fängt es an, wo hört es auf. Es ist das Holz da und darüber ist irgendwie dieses Feuer, was man natürlich nicht anfassen kann. Dann hat es Wärme, die man spürt und wenn man weiter weg ist, sieht man es auch brennen. Und in diesem nicht so ganz Klaren – wo was anfängt und was aufhört – das finde ich einen schönen Gedanken für diese Osternacht, dass man, wenn man die Osterkerze entzündet an dem Feuer, dieses brennende Licht, was kein Anfang und kein Ende hat und was unsere christliche Hoffnung verkündet, dass wir darauf hoffen, dass es eine Auferstehung gibt, dass es ein Leben nach dem Tod gibt. Und das ist natürlich ein sehr abstraktes Thema, aber an so einer Stelle, wo so viel passiert, was man nicht ganz genau greifen kann, wird es dann am Ende doch ein bisschen greifbarer.
Und man merkt auch, es ist noch ein bisschen vorsichtiger. Also am Sonntag dann scheint auch die Sonne in die Kirche und das Osterfenster, was wir in der Kirche haben, wird bestrahlt. Und da ist irgendwie – beim Singen sind alle lauter und trauen sich mehr, weil dann richtig Ostern ist. Am Samstag ist es irgendwie auch noch so eine gewisse Vorsicht mit drin. Da merkt man bei manchen Menschen doch im Gesang oder auch bei der Orgel, dass sie noch nicht ganz so kräftig ist wie am Ostersonntag dann. Obwohl es natürlich dann mit dem Osterfeuer dann auch wirklich Ostern beginnt und die Passionszeit geendet hat.

Autor*  

Kirche steht grundsätzlich allen offen, die kommen wollen. Ein Osterfeuer aber erreicht oft noch mehr Menschen. Die weithin sichtbaren Flammen wecken Neugier, laden dazu ein sich zu wärmen und zusammenzukommen. Und so hat auch das Osterfeuer der Kirche in Wandlitz nicht nur innerhalb der Kirchengemeinde, sondern darüber hinaus einen breiten Zulauf, wie Pfarrer Lucas Ludewig erzählt.

Lucas Ludewig  

Also ich finde es schön, dass es verschiedene Orte gibt, wo die Menschen sich auch entscheiden können, wo sie hingehen und jeder sozusagen seinen Bedürfnissen folgen kann, was ihm an dem Tag wichtig ist. Und umso wichtiger ist es eben auch, dass bei uns dann wirklich auch alle willkommen sind, die Lust haben auf unser Osterfeuer und da hinzukommen. Da ist das Osterfeuer auch eine Einladung, weil wir draußen sind. Und hier gehen ab Frühling immer viele Leute, Touristen durchs Dorf spazieren, die kommen dann einfach mit dazu und stellen sich mit ran und „Ach, das ist Kirche!“ und so. Obwohl eine Riesenkirche im Hintergrund ist, ist es dann manchmal noch überraschend. Und das ist schön, das schafft so eine Brücke, dass wir es schaffen, Menschen zumindest zu zeigen, dass wir als Kirche auch für sie da sind, dass wir als Kirche hier für unsere Gesellschaft da sind und dass wir nicht vorhaben, jeden, der aus Versehen sich aufs Grundstück verirrt, gleich zu taufen und zu missionieren, sondern dass es uns eigentlich wichtig ist, hier einen gesellschaftlichen Zusammenhalt zu stärken, damit wir eben nicht weiter auseinanderdriften.

Autor*  

Für Pfarrer Ludewig ist das Osterfeuer also vor allem ein Ort der Begegnung – offen für alle, auch für die, die nur zufällig dort vorbeikommen. Diakon Kevin Kama vom Kirchenkreis Havelland sieht die Kirche in der gesellschaftlichen Verantwortung, Veranstaltungen nicht nur zu festen Zeiten abzuhalten, sondern sie auch bewusst nach den Bedürfnissen der Menschen zu gestalten und anzubieten. Er sieht darin eine wichtige Aufgabe der Kirche: rausgehen zu den Menschen. Ob er dafür auch Osterfeuer besucht?

 

Kevin Kama  

Also ich besuche tatsächlich solche Osterfeuer, Frühlingsfeuer sehr gerne, einfach um Kontakte zu knüpfen. Das ist vor allem sehr wichtig. Also wir müssen als Kirche zu den Menschen hingehen und solche Feste oder solche Traditionen, die in der Dorfgemeinschaft sind, laden förmlich dazu ein und man kommt schon ins Gespräch.
Und wir müssen, glaube ich, als Kirche ein bisschen hinhören, was die Menschen gerne sich wünschen und das vielleicht mit unseren Interessen und unserem Glauben verknüpfen, verkuppeln und eventuell auch einen gemeinsamen Weg finden.
Ich glaube, wir müssen erst mal auf anderer Ebene uns begegnen. Und das schaffen wir mit anderen Veranstaltungen tatsächlich besser als mit dem Osterfeuer. Manchmal ist es so, man denkt irgendwie, es gibt Dinge, die stehen einem im Weg, wie die Uhrzeit beispielsweise oder der Anfahrtsweg oder wie auch immer. Aber wenn man es durchführt, also wir machen den Ostermorgen zum Beispiel um sechs und es wird auch so gut angenommen und sonst die Gottesdienste um 9 Uhr beispielsweise sind so leer. Also was ist da los? Ich glaube, wir müssen wirklich mehr hingucken. Was wollen die Menschen? Worauf haben die Lust? Brauchen die vielleicht ein bisschen mehr Spiritualität? Fehlt denen das?

Song 2: R.E.M. Be Mine

Autor* 

Osterfeuer sind in Brandenburg sehr beliebt – dabei verbinden sie viele nicht unbedingt mit dem christlichen Osterfest. Doch das Feuer spielt auch in der Kirche eine wichtige Rolle. Von Diakon Kevin Kama wollte ich wissen, ob volksfestliche und christliche Osterfeuer völlig unverbunden nebeneinanderstehen, ob er sie als Konkurrenz erlebt, oder ob sie sich sogar verbinden lassen.

 

Kevin Kama  

Ja, es gibt dieses traditionelle Osterfeuer und es wird hier sehr gut angenommen. Aber die Wünsche wären halt schon da, dass man irgendwie Gemeinschaften schafft, die Dinge vielleicht miteinander verknüpft. Das erlebe ich tatsächlich eher weniger, weil meistens die Osterfeuer irgendwie an einem Tag sind, wo wir kein Osterfeuer machen würden. Also es ist meistens irgendwie Gründonnerstag, weil es wahrscheinlich irgendwie sonst nicht anders in den Terminkalender passt. Nur da sehe ich, wie gesagt, bei uns keine Gemeinschaft.
Also wenn wir es auf Karlsamstag machen würden, dann wäre es wahrscheinlich gut, wenn man diese Gemeinschaft knüpft. Also ich glaube eher weniger, dass Kirchen es nie versucht haben, genau da anzuknüpfen. Ich glaube, dass es manchmal doch vorkommt, besonders hier so auf den ländlichen Regionen, dass man ein bisschen Abstand davon nimmt. Dass man irgendwie sagt: „Jetzt kommt Kirche und mischt sich hier noch mit ein oder will auch was machen“ habe ich jetzt schon ein paar Mal erleben dürfen. Fand ich sehr schade, weil die Tradition dieses Feuers, dieses Osterfeuers oder das Licht eigentlich schon aus dem Innersten des Menschen kommt und wir eigentlich als Ritus mit der Kirche, als Christen, das miteinander irgendwie verknüpfen können. Ich finde es schade, wenn man dort schon gleich eine Abwehrhaltung hat.

Autor*  

Das Nebeneinander von christlichem Osterfest und volkstümlichem Osterfeuer betrachtet Pfarrer Lucas Ludewig bereits jetzt als möglichen Anknüpfungspunkt für die Kirche: Eine gute Gelegenheit, um mit Menschen ins Gespräch zu kommen. Auch darüber, was Ostern eigentlich bedeutet.

Lucas Ludewig  

Ich gehe immer vor Ostern in die Grundschule in Basdorf und erkläre den Kindern, was Ostern bedeutet, warum wir alle Ostern feiern und was es in besonderer Weise für Christinnen und Christen bedeutet. Und da merkt man schon, dass da eine große Lücke ist bei vielen, die nicht wissen, warum wir überhaupt Ostern feiern. Also es sind halt die zwei Wochen frei im Frühling.
Und da gab es sicherlich auch schon andere Zeiten, wo es selbstverständlicher war, dass solche Veranstaltungen mit der Kirche zusammen stattfinden. Gleichzeitig denke ich halt wirklich auch, dass es gut ist, dass es auch nebeneinander sein darf, dass das für Leute, die einfach Hemmungen hätten, das Kirchengrundstück zu betreten, dass sie trotzdem diesen Gemeinschaftsort haben. Und was bestimmt immer gilt, solange es diese Osterfeuer gibt, egal ob sie jetzt von der Kirche organisiert werden oder nicht: es ist auch immer ein schöner Anknüpfungspunkt, um mit einer gemeinsamen Tradition wieder etwas Gemeinsames zu machen, sodass ich das überhaupt nicht ausschließen würde, dass es in Zukunft ein Osterfeuer gibt, was viel stärker noch zwischen Kommune und Kirchengemeinde zusammen organisiert wird.

Autor*  

Die Osterfeuer sind vorbei – doch ihre Wärme und die Gespräche über Ostern wirken nach. Heute, am Ostermontag, feiern christliche Menschen die Auferstehung Christi: das leere Grab. 
Die großen, alljährlichen Osterfeuer in Brandenburg sind gesellschaftliche Höhepunkte mit Volksfestcharakter: Eine willkommene Gelegenheit für die Menschen, nach den langen Wintermonaten, wieder zusammenkommen. Vielleicht haben auch Sie in den vergangenen Tagen bei einem Osterfeuer mit anderen ins Gespräch gefunden. Und vielleicht lässt sich davon etwas als Neuanfang mitnehmen.

 

Song 3: Joan Osbourne One Of Us (ohne Intro)