Begrüßung
Ulrike: „Ich freue mich heute am meisten darauf, einen Tag mit meiner Enkeltochter im Berliner Tierpark verbringen zu dürfen.“
Eleonora: „Auf die Tiere im Berliner Tierpark. – Elefanten, weil die habe ich noch nie gesehen.“
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Sonntagmorgen, kurz nach halb zehn, im Tierpark Berlin-Friedrichsfelde. Während die ersten Besucher noch an der Kasse Schlange stehen, sammeln sich vor dem Restaurant Patagona schon rund 270 Menschen. Das Besondere: Es sind fast ausschließlich Großeltern mit ihren Enkelkindern. Omas in bunten Regenjacken, Opas mit ihren eigenen Rucksäcken und denen der aufgeregten Kinder, die am liebsten sofort zu den Elefanten losrennen würden. „Tierisch gut“ heißt der Tag, zu dem das Erzbistum Berlin – also die katholische Kirche in Brandenburg und Berlin - eingeladen hat. Ein Oma-Opa-Enkelkinder-Tag mitten im Tierpark. Auch Oma Ulrike aus Franken ist extra angereist, um mit ihrer achtjährigen Enkelin, Eleonora, dabei sein zu können. Organisiert hat den Tag ein Team um Bettina Schade. Sie ist im Erzbistum Berlin für alles rund um Familien zuständig.
Bettina Schade
„Wir machen seit einigen Jahren, seit Papst Franziskus den Tag der Großeltern und Senioren ins Leben gerufen hat, einmal im Jahr eine besondere Veranstaltung, wo auch die älteren Menschen im Mittelpunkt stehen. Und vor zwei Jahren hatten wir zum ersten Mal einen Oma-Opa-Enkelkinder-Tag mit der Idee, die Generationen miteinander zu verbinden […] Und in diesem Jahr dachten wir uns, wir machen das an einem ganz besonderen Ort, nämlich dem Tierpark Berlin.“
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Ein Ort, den alle kennen und mögen – und der bewusst keine Kirche ist. Das war dem Vorbereitungsteam wichtig. Denn eingeladen sind auch Familien, die mit Kirche sonst wenig am Hut haben.
Bettina Schade
„Wir haben uns den Tierpark ausgesucht, um einen Ort zu haben, der beliebt ist, der bekannt ist und der auch niedrigschwellig ist. Also der nicht von vornherein ein kirchlicher Ort ist, wo vielleicht Menschen, die ein bisschen Distanz zur Kirche haben, Berührungsängste haben – sondern wo es allen leicht gemacht wird zu kommen.“
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Und so beginnt der Tag auch nicht mit Orgel und Weihrauch, sondern mit einem Open-Air-Gottesdienst mit Familienband unter freiem Himmel, direkt zwischen Känguru-Gehege und Mittagstisch-Tumult. Beim Aufbau hat es noch geregnet, jetzt kommt die Sonne raus. Christoph Kießig, selbst mehrfacher Großvater und ebenfalls im Vorbereitungsteam, bringt mit seiner Familienband die Menge in Schwung. Und die Kleinsten erkennen ihr Lied sofort:
MUSIK
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Den Open-Air Gottesdienst feiert Pater Fabian Retschke, Jesuit und Kaplan im Berliner Südwesten. Im Gottesdienst wird eine bekannte Geschichte aus der Bibel gelesen, die besser kaum passen könnte: Menschen bringen Kinder zu Jesus – und die Jünger wollen sie abweisen. Doch Jesus sagt: Lasst die Kinder zu mir kommen. Was das mit Omas und Opas zu tun hat? Für Pater Retschke eine ganze Menge:
Pater Fabian Retschke
„Wir hören oft, dass den Kindern die Zukunft gehören soll. Aber Jesus sagt noch mehr: Die Kinder sollen hier und jetzt erfahren, dass Gott liebevoll für sie da ist. Und wo können sie das erfahren? Bei wem können sie das erfahren? Diese Enkel, die dürfen das bei ihren Großeltern erfahren. Das Himmelreich gehört jetzt den Kindern – und das erfahren die Enkel bei ihren Großeltern und das ist ganz wunderbar!“
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Nicht: irgendwann, später, wenn ihr groß seid. Sondern: jetzt. In diesem Moment, an diesem Sonntag, im Blick der Oma, in der Hand des Opas. Das Himmelreich ist nichts Fernes. Es fängt an in einer Beziehung, in der ein Kind spürt: Ich bin willkommen. Ich bin wichtig. Und im Gottesdienst legt Pater Fabian Retschke den Kindern genau das ans Herz.
Fabian Retschke
„Für mich ist wichtig, dass die Kleinen genauso sehen: Wir sind wichtig. Gott, er kümmert sich um uns. Gott, er ist für uns da. Von Anfang an sollen die Kinder das erleben, sollen die Kinder sich gesegnet sehen."
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Gottesdienst im Tierpark – das heißt auch: Passanten bleiben stehen, setzen sich dazu, feiern mit. Und es riecht eben nicht nach Weihrauch, sondern nach Tiergehege. Für Mirjam Jonitz, Referentin für Kinderpastoral im Erzbistum Berlin, macht genau das den Reiz aus:
Mirjam Jonitz
„Wir haben ganz viel über Tiere gehört und auch über die Verantwortung des Menschen und darüber, wie wichtig die Kinder sind. Und das einfach hier in dieser Umgebung zu erleben, ist was ganz Besonderes. […] Man riecht den Geruch der Tiergehege, es ist ein Ort voller Lebendigkeit.“
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Gebetet wird hier übrigens nicht nur mit Worten, sondern mit dem ganzen Körper – beim Vaterunser strecken sich kleine und große Arme in den Himmel. Und wie kommt das an? Oma Ulrike nach dem Gottesdienst:
Oma
„Sehr schön, kindgerecht, und auch für die Großeltern war was dabei. Unter freiem Himmel ist es immer besonders. Ich brauche kein Haus, ich brauche keine Kapelle. Es war für mich einfach stimmig im Tierpark. Am besten hat mir das Lied am Schluss gefallen: ‚Komm, wir gehn‘ – dass wir Hand in Hand gehen, dass keiner alleine geht.“
MUSIK
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Nach dem Mittagessen wird es sportlich. Eine eigens entwickelte Tierpark-Rallye mit sechs Stationen wartet auf die Familien. Jede Station verbindet ein Tier mit einer biblischen Geschichte: Da gibt es die Taube mit ihrem feinen Geruchssinn – wie jene Taube, die Noah von der Arche schickte. An der Känguru-Station wird gehüpft – in Erinnerung an das Kind, das im Bauch von Elisabeth vor Freude hüpfte, als Maria sie besuchte. Auf der Slackline balancieren die Kinder wie Kletteräffchen – und erfahren nebenbei, was der Psalm 63 meint, wenn er sagt: Gott hält uns in seiner Hand, auch wenn es im Leben ganz schön wackelt. Bei den Giraffen wird Obst in luftiger Höhe gepflückt, an der Hörstation werden Tierstimmen erraten – und mit Adleraugen und Fernglas suchen die Familien Buchstaben für ein Lösungswort. Für alle Familien ein richtig spannender Parcours!
Rallye-Atmo Weitsprung
Kind: „Springen! Wie ein Känguru!“ – „Das sind 90 Zentimeter!“ – „Macht der Opa auch noch?“ – „Sehr schön! Also insgesamt sind das 6,65 Meter!“
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Auch das Tierstimmen-Raten hat es in sich. Huhn und Hund – kein Problem. Aber dann:
Tierstimme
Frau: „Was ist das? Schwieriges Tier. Vielleicht können die Omas und Opas helfen. Schwein? Hm – eine Hyäne war das gewesen!“
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Was bei all dem Spiel und Spaß auffällt: Es geht an diesem Tag nie um Wettbewerb, nie ums Gewinnen. Es geht ums Miteinander. Die Kinder trauen sich was, die Großeltern helfen – und manchmal ist es auch umgekehrt. An der Slackline-Station wird das fast zum Gleichnis. Oma Ulrike aus Franken bringt es hinterher auf den Punkt:
Oma
„Einer traut sich was und der andere unterstützt. Was man nicht alleine gut kann, das kann man aber zu zweit ganz gut.“
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Einer traut sich, der andere hält die Hand. Vielleicht ist das die eigentliche Botschaft dieses Tages. Denn genau davon erzählt der christliche Glaube: dass niemand allein balancieren muss. Dass da eine Hand ist, die uns hält – die Hand von Oma oder die Hand von Opa. Und dahinter, so glauben Christen, die Hand Gottes. Großeltern spielen dabei eine oft unterschätzte Rolle. Sie haben Zeit, sie haben Geduld, sie haben Lebens- und eben auch Glaubenserfahrung – weiß Bettina Schade vom Erzbistum Berlin.
Bettina Schade
„Großeltern bringen ganz viel Lebenserfahrung mit, man könnte auch sagen: Weisheit. […] Großeltern haben oft die Höhen und Tiefen des Lebens hinter sich, die sind im Glauben erfahren, und das ist ein riesiger Schatz, von dem auch die jüngere Generation profitieren kann. Es gibt sogar wissenschaftliche Studien zur Bedeutung von Großeltern, was die Glaubensweitergabe in den Familien betrifft – da haben sie in vielen Fällen eine wichtigere Bedeutung als die Eltern selbst.“
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Der Glaube – nicht als Lehrstoff, sondern als etwas, das weitergegeben wird von einer Generation an die nächste. Wie ein Schatz, von Hand zu Hand. Und das ist keine Einbahnstraße, sagt der Jesuit Pater Fabian Retschke. Auch die Großeltern bekommen etwas zurück:
Pater Fabian Retschke
„Die Großeltern, die ein Leben lang schon gelebt haben in diesem Glauben, die ihre eigenen Fragen hatten und ihre eigenen Antworten gefunden haben, die können einfach ein Zeugnis geben für ihre Enkel. […] Und auf der anderen Seite sind die Enkel, die neugierig sind und tolle Fragen stellen – viel tollere Fragen oft als die Erwachsenen. Und mit diesen Fragen können die Enkel nochmal den Glauben bei den eigenen Großeltern auffrischen. So können sie sich gegenseitig im Gespräch über den Glauben bereichern und stärken.“
MUSIK
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Am Nachmittag, bei Kaffee und Kuchen, kommen alle noch einmal zusammen. Die Kinder rufen ihre Lieblingstiere in die Runde – Papageien, Pinguine, Schnabeltiere und Tiger – und die Band macht daraus Strophe um Strophe ein Danklied. Denn auch darum geht es an diesem Tag – um Dankbarkeit und Verantwortung für Gottes gute Schöpfung. Jesuit Pater Fabian Retschke:
Fabian Retschke
„Von Anfang an ist klar: Wir sind nicht allein auf diesem Planeten. Dieser Planet, der gehört auch nicht uns, sondern das ist die Schöpfung Gottes. Sie gehört Gott. Und wir teilen sie mit vielen anderen Geschöpfen. … So sollen auch wir uns begreifen als Geschöpfe Gottes, die das möglich machen, dass andere Geschöpfe neben uns und mit uns leben."
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Auf den Kinderarmen kleben Tier-Tattoos, in den Heften stehen Sprungweiten und Lösungswörter. Und was bleibt am Ende von so einem Tag? Die Achtjährige Eleonora weiß schon genau, was sie heute Abend ihrer Mama erzählt:
Kind
„Dass ich sehr viele Tiere gesehen habe. Und es sehr schön war, mit meiner Oma in den Tierpark zu gehen.“
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Und die Oma? Die nimmt eine Erkenntnis mit, die so ehrlich wie schön ist:
Oma
„Dass man zusammen was macht, das nehme ich ganz gerne mit. Und dass es trotzdem auch anstrengend ist, einen ganzen Tag zusammen was zu unternehmen.“
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Ein anstrengender, aber eben auch tierisch guter Tag geht zu Ende. Zum Abschluss gibt Pater Retschke den Familien noch einen Segen mit auf den Weg – auch der geht hier mit Händen und Herz:
Segen
„Und wir klopfen mal auf das Herz: Gott segne dein Herz, damit es schlägt für deine Lieben – und damit es schlägt für alle Tiere, große und kleine.“
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Ein Segen für 270 Menschen im Tierpark Berlin beim Oma-Opa-Enkelkindertag. Für Herzen, die füreinander schlagen – über Generationen hinweg. Und mit diesem Segen geht es für die Großeltern mit ihren Enkeln nach Hause. Bei Oma Ulrike und ihrer Enkelin Eleonora stehen die nächsten gemeinsamen Pläne übrigens schon fest: In 14 Tagen, verrät die Oma aus Franken, ist sie wieder zu Besuch. Dann geht es – wenn das Wetter schön ist - ins Freibad.
MUSIK