Eine Luftaufnahme der Nikolaikirche in Potsdam. Die Kirche hat eine markante grüne Kuppel und ist im klassizistischen Stil erbaut. Umgeben von Straßen und Gebäuden, hebt sie sich als zentraler Punkt der Stadt hervor. Der Platz vor der Kirche ist weitläufig und geschäftig. Eine Luftaufnahme der Nikolaikirche in Potsdam. Die Kirche hat eine markante grüne Kuppel und ist im klassizistischen Stil erbaut. Umgeben von Straßen und Gebäuden, hebt sie sich als zentraler Punkt der Stadt hervor. Der Platz vor der Kirche ist weitläufig und geschäftig.
Eine Luftaufnahme der Nikolaikirche in Potsdam. Die Kirche hat eine markante grüne Kuppel und ist im klassizistischen Stil erbaut. Umgeben von Straßen und Gebäuden, hebt sie sich als zentraler Punkt der Stadt hervor. Der Platz vor der Kirche ist weitläufig und geschäftig.
28.09
2025
10:00
Uhr

ev. Gottesdienst zum Kuppeljubiläum aus St. Nikolaikirche, Potsdam

mit interreligiösen Gästinnen

Mitwirkende:

Pfarrer Gregor Hohberg (Predigt), Pfarrer Matthias Mieke (Liturgie) 
Interr. Gäste: Ayşe Gül GülmüşSophie Abdulkarim-Hörster
bmajor: Tom Heiß, Nico Brazda, Pedro Matos, Martin Fehr
Orgel: KMD Björn O. Wiede
Lektor/in:  Viola Gölitz und Rosi Lieckfeldt und Charlotte Sarstedt und Magdalene Hereth (Konfirmandinnen Nikolai)

 

Predigt:


Wochenend und Sonnenschein
Brauchst Du mehr, um glücklich zu sein?

Liebe Gemeinde,

mit der Liebsten im Wald allein. 
Beschenkt mit Glück.
Gott selber lädt uns ein, das Leben und die Liebe zu feiern, 
die Schöpfung und den Schöpfer. 
Es ist die pure Lebensfreude, in die Gott Pflanzen, Tier und Mensch am 7. Tag entlässt. 
Die Lerche schwingt sich in die Luft, 
des süßen Weinstocks starker Saft bringt neue Stärk und Kraft. 
Paradiesische Zustände, purer Lebensgenuss, 
Leichtigkeit des Seins, Wochenend und Sonnenschein
So eröffnet Gott den Lebensreigen.

Er der grenzenlose Liebhaber des Lebens lädt uns ein.
Jesaja überbringt die Einladung:
Völker der Welt, kommt zum Freudenmahl.
„Und es wird dort geben: feinste Speisen und beste Weine, ein fettes Mahl voller Köstlichkeiten.“
Und Jesus wiederholt die Einaldung:
Kommt, denn es ist alles bereit! 
Es ist noch soviel Platz im Hause Gottes.

Am Giebel über dem Eingang der Nikolaikirche gibt es ein Relief dazu.
In der Mitte ist Jesus zu sehen mit weit ausgebreiteten Armen, freundlich, zugewandt, einladend.
Um ihn herum Menschen jeder Herkunft, jung und alt, arm und reich, besorgt, neugierig, fragend, munter und müde. 
„Kommt alle her zu mir, …
aufatmen sollt ihr und frei sein.“ 
Diese große Einladung zum Leben mit Gott begrüßt alle Bewohnerinnen und Gäste Potsdams. 
Und die Glocken tragen sie weit ins Land.

Alle sind eingeladen – in der Mitte der Stadt.

Das klingt klar und einfach. 
Und ist doch im Alltag komplex. 
Denn um Gottes Einladung lebendig werden zu lassen braucht es uns. 
Menschen, die Gott vertrauen und die andere einladen dazu zu kommen.

Und genau das ist nicht immer gelungen. 
Am 21. März 1933 hat Otto Diebelius, hier in St. Nikolai, vor den führenden Größen der NSDAP, das Deutschnationale an die Stelle von Jesu Einladung gesetzt und damit zahllose Menschen ausgegrenzt. 
Die Kirchentüren waren verschlossen für Verfolgte, Unterdrückte, für Juden und Kommunisten. Abwertung und Gewalt gaben den Ton im Lande an.
Und bald schon versank die Welt im Krieg.
In der Nacht des 14. April 1945 wurde Potsdam unter Bomben begraben. 
Auch das Relief des einladenden Christus stürzte in die Tiefe.

Krieg und Nachkriegszeit veränderten Gottes Einladung. 
Zum Feiern war wenigen zumute.
Menschen fragten sich damals:
Darf ich singen und feiern, wenn zeitgleich andere leiden?
Und auch heute stellen sich einige solche Fragen.
Was, wenn mir gar nicht nach Einladungen und Feiern ist?
Wenn der Alltag geprägt ist von Sorgen?
Um meine Eltern, um die Kinder,
um die Partnerin oder den Freund? 
Und es wachsen Befürchtungen, darüber, wie sich unserer Welt gerade verändert, auch sie schieben sich vor die Einladung, 
Ich denke an die vielen Menschen im Krieg und auf der Flucht
und an unsere Erde, die unter zunehmender Erwärmung leidet.

Wir spüren, dass wir in einer unerlösten Welt leben. 
Das war zur Zeit Jesu nicht anders. 
Trotzdem konnte er sich mit den Menschen freuen und feiern. 
Konnte sie aufmuntern und sagen: sorgt Euch nicht. 
Er konnte das, weil er es Ernst meinte mit den Menschen, weil er ihnen tief verbunden war, zugewandt und mitfühlend. 
Sein Leben war tief verbunden mit dem Leben anderer – voller Schmerz und Freude zugleich, mitleidend und mitfeiernd.
Er hat selbst gelitten und konnte dennoch am Ende sagen: Es ist gut geworden. 
Die Liebe ist stärker als der Tod. 
„Den Tod wird er für immer verschlingen und von jedem Gesicht die Tränen abwischen.“, so steht es im Buch Jesaja. 
Das ist Gottes Trost und seine Hoffnung für Dich und für uns. 
Der Jubel des Ostermorgens dringt aus der Dunkelheit des Todes hervor. 
Der Glaube daran ist eine ernsthafte Sache – denn es geht um das Leben in all seinen Facetten. In all seiner Ambivalenz.
Gott sieht Dich so, wie Du bist und sein kannst. 
Gott nimmt Dich an – in deiner Not und in deiner Freude. 
Alles ist von Gott in Liebe umfasst.
Gott liebt Dich. Das macht Dein Leben unendlich wertvoll. 
Das ist der Tiefste Grund der Freude

Vielleicht kennen Sie das ja auch? 
Ich spüre, dass ich mit jeder gehörten und mitempfundenen Lebensgeschichte,
mit jeder selbst erlebten Erfahrung, ernster geworden bin, 
soviel ernster, dass ich dadurch in tieferer Weise fröhlich sein kann. 
So viel ernster, dass ich glaube: Es gibt gute Gründe, die Einladung Gottes anzunehmen und das Leben zu feiern.

Die Texte unseres Gottesdienstes heute ermutigen uns dazu.
Uns einladen zu lassen – unbefangen wie die Kinder.
Das ist nicht immer leicht.
Manches steht dem im Weg. Dann heißt es:
Heute geht es leider nicht, vielleicht morgen. 
Ich fühle mich nicht gut. Oder, die Tage sind gerade so voll.
Tolle Einladung, aber entschuldige bitte…

Es ist auch immer eine bewusste Entscheidung, ob ich eine Einladung annehme oder nicht.

Manchmal liegt es auch an der Art der Einladung.
In einem traditionellen Gottesdienst, fühlt sich nicht jeder wohl. 
Manches ist nicht zu verstehen, anderes befremdlich.
Und die Zeit – sonntags um 10 – passt längst nicht mehr in jeden Familienrhythmus. Für viele ist der Sonntagvormittag inzwischen, der einzige Vormittag an dem alle Zuhause sind, entspannen können und miteinander Zeit haben. 
Für andere ist der Ort schwer zugänglich: Treppen, die fehlenden Toiletten oder der schlechte Ton.

All das gilt es ernst zu nehmen zu verändern und zu verbessern. 
Insbesondere weil die Einladung ausgesprochen ist.
Gott ist treu und geduldig und wird nicht lockerlassen einzuladen.
Also 
Lasst uns Gottes Einladung feiern – in Form von Gottesdiensten und als Fest. 
Lasst uns Gottes Einladung in einer verständlichen Sprache, 
in neuen fantasievollen Formen und Ritualen immer wieder durchbuchstabieren.
Auf dass Gottes Haus voll werde. 
Feiernd holen wir Luft, um im Alltag und in Zeiten der Krise aufatmen zu können.

St. Nikolai und alle Kirche im Lande und auf Erden sind sichtbar gebaute Einladungen Gottes. 
Kommt alle, wir sind bereit. 
Das Auf und Ab des Lebens – St. Nikolai hat es in 175 Jahren erlebt und gesehen.
Nach der Zerstörung folgte der mühsame Wiederaufbau.
Erst die Kuppel, dann das Innere, festlich eröffnet am 2. Mai 1981. 
Mit der Gemeinde hält der einladende Christus wieder Einzug.
Viel später, 2018, kehrt auch sein Relief an den Giebel der Kirche zurück. 
Nun wieder für alle weithin sichtbar:
Kirche mitten in Potsdam - für alle Bewohnerinnen und Gäste dieser Stadt, unabhängig von Taufschein, Herkunft oder Milieu. 
Jeden Tag geöffnet von früh bis spät.

Einmal im Jahr wird die Kirche ein großes Gasthaus. 
Dann stehen unter der Kuppel reich gedeckte Tische für alle. 
Es gibt Zuwendung und Musik, Kuchen, Würstchen, Obst und Suppe.
Und noch vieles mehr für Leib und Seele der Armen in der Stadt. 
Seit einem halben Jahr nun auch an jedem Mittwoch.
Aufmerksamkeit und Tränen für im Einsatz verstorbene Einsatzkräfte und für alle unsere Toten und die, die um sie trauern. 
Musik, die tröstet und die Gemeinschaft stiftet, volle Chöre und feine Stimmen, Orgel und Orchester. 
Queere Menschen, die mit uns beten und feiern
Abendmahl für alle, ohne Zulassungsbeschränkungen. 
So wie es Jesaja verheißt und wie es Jesus gelebt hat in seinen zahllosen Mahlgemeinschaften. 
Trinkt alle vom Kelch des Heils. Nehmt vom Brot des Lebens.
Gott selber lädt uns ein. 
In immer neuen Anläufen.
Das ist der nie vergehende Grund für die Feier des Lebens. 
Die Einladung zum Leben mit Gott,   zur Lebendigkeit. 
Und immer dann, wenn ich des Lebens müde werden, 
wenn wir uns verrannt haben, resignieren und nur noch Düsternis sehen, 
wenn ich Ernst mit Freudlosigkeit verwechsle, 
wenn wir die pulsierende Gegenwart Gottes in der Nächsten oder im Fremden nicht mehr spüren, wenn wir das Leben nicht mehr spüren 
– immer dann wird es höchste Zeit sich der großen Einladung Gottes zu erinnern.

Lasst uns seine Einladung annehmen.
Lasst uns das Leben feiern, in tiefem Ernst, fröhlich und frei.

Ja, und der Herr Gott klatscht dazu.

Brauchst Du mehr um Glücklich zu sein?

Wir jubilieren und triumphieren, lieben und loben deine Macht dort droben, mit Herz und Mund 
Halleluja!   Und 
Amen.