Hauptzelebrant: Pater Manfred Hösl
Musikalische Gestaltung: Anna Lusikov – Ökumenische Kantorei Epiphanien (ev.)
und St. Canisius (kath.)
Kantorin: Anna Lusikov
Organist: Konstantin Volostnov
Musikalische Leitung: Anna Lusikov
Predigt
Liebe Schwestern und Brüder, liebe Zuhörerinnen und Zuhörer,
Wie ist Gott? Was will er? Was will er von mir? Wie soll ich leben? – Ich tu mich hier schwer von mir aus zu einer überzeugenden Lösung solcher Fragen zu kommen. An diesen Fragen haben sich schon viele, viel klügere Leute wie ich, abgearbeitet: Philosophen, Theologen, Bischöfe… Ich erinnere mich an meine Schulzeit, als wir Mathematikprüfungen schreiben mussten. Praktisch immer waren die Lösungen so, dass am Ende eine mehr oder minder glatte Zahl herauskam: 10 oder 17 oder 250 oder auch Wurzel aus 5. Aber wenn Zahlen rauskamen wie 324 573 298,346 oder Wurzel aus -0,00000234, dann ließ mich das stutzen. Und überhaupt: Gibt es das überhaupt, negative Wurzelzahlen? Da ahnte ich schon: da stimmt was nicht. Da muss ich mich verrechnet haben! Aber wo ist der Fehler?
Um nochmal von ganz vorne anzufangen, fehlt in der Klassenarbeit schlichtweg die Zeit. Die letzte Hoffnung ist dann, dass der Lehrer nur den Anfangsfehler anrechnet und den Rest milde als Folgefehler durchgehen lässt.
Deshalb bin ich in Sachen Spekulation wie Gott wohl ist und was er denkt, eher skeptisch: Warum sollte ausgerechnet ich der sein, der hier richtig denkt? Dieses Terrain ist mir zu unsicher. Wenn ich mich nur auf mein Gehirn, meine Berechnungen verlassen müsste, dann wäre ich arm dran! Nur: Wo gibt es größere Gewissheit?
Im heutigen Evangelium spricht Jesus von seinem Verhältnis zu seinem Vater, zu Gott: Mir ist von meinem Vater alles übergeben worden, niemand kennt den Sohn, nur der Vater und niemand kennt den Vater, nur der Sohn und der, dem es der Sohn offenbaren will.
• So nah wie Jesus ist keiner an Gott dran!
• Der müsste doch am besten wissen, wie Gott ist, was er will und was er denkt.
• Wer, wenn nicht er, Jesus, hat das Wissen kompetent von Gott zu reden.
Die Frage ist jetzt nur: Dürfen wir diesem Jesus trauen? Und wenn ja warum? Ich sehe drei große Gründe:
1. Das Leben dieses Jesus
Jesus hat ein einzigartiges Leben geführt, das auch nach 2000 Jahren Kirchengeschichte noch genauso leuchtet
wie damals. Das kann man in dieser Pauschalität vom Bodenpersonal Gottes leider so nicht sagen. Aber bei all den negativen Seiten der Kirchengeschichte, den Skandalen bis hin zu den Missbrauchsskandalen: Über den Gründer des Ganzen, Jesus, herrscht weitgehend Einigkeit. Sogar Menschen anderer Religionen oder Agnostiker und Atheisten finden Jesus gut: Mit der Kirche kann ich wenig anfangen, sagen viele, aber Jesus ist ok.
Die Art wie er auf Menschen zugegangen ist, besonders auf Ausgegrenzte, Benachteiligte, Kranke, Sünder fasziniert bis heute! – Aber faszinierende Menschen gab und gibt es viele. Ein faszinierendes Leben allein reicht noch nicht für eine Vertrauensbasis. Deshalb muss noch etwas hinzukommen…
2. Das Sterben Jesu
Jesus hat zu seiner Botschaft und zu den von ihm verkörperten und vorgelebten Werten gestanden! Auch als er dafür einen Preis zahlen musste.
• Der ließ sich auf seine von ihm proklamierten Werte festnageln – im wahrsten Sinn des Wortes!
• Der hat nicht, als es brenzlig geworden war, die Fliege gemacht, ist nicht eingeknickt. Der ist dafür sogar in den Tod gegangen!
• Niemand kann ein Anliegen stärker untermauern, als dass er bereit ist dafür selbst härteste Konsequenzen zu erdulden. –
Hier lichtet sich das Feld derer, denen wir Vertrauen schenken dürfen, schon erheblich. Die Tatsache freilich, dass jemand bereit ist für seine Überzeugungen zu sterben ist noch kein Beleg, dass er auch recht hat. Ideologen, islamistische Selbstmordattentäter oder Terroristen sind auch von ihrem Glauben überzeugt. Hier ist also, im Gegenteil, größte Vorsicht angebracht! – Das jemand bereit ist sein Leben zu opfern reicht also immer noch nicht. Es muss ein drittes hinzukommen:
3. Die Auferweckung Jesu
Gott hat diesen Jesus – so die Überzeugung des Neuen Testamentes – am dritten Tage von den Toten auferweckt.
• Nicht nur wiederbelebt, reanimiert. Dieser Jesus ist ja nicht in sein vorheriges Leben zurückauferstanden, so dass er da weitergelebt hätte, wo er vorher auf Golgota aufgehört hat.
• Dieser Jesus ist nicht zurück, sondern vorausauferstanden, hinein in einentgrenztes XXL-Leben, das nicht mehr den Parametern von Raum und Zeit, von Stirb und Werde unterworfen ist.
• Er ist in ein Licht, ein Leben und eine Liebe hineinauferstanden, zu der uns die Worte fehlen, es zu beschreiben und die Farben es zu malen. Nur dass es so ist, das bekundet das Neue Testament auf jeder Seite! Da darf ich mich drauf verlassen, da steh‘ ich auf festem Boden.
Mit der Auferweckung dieses Jesus setzt Gott ein dickes Ausrufezeichen hinter das Reden, Leben und Handeln dieses Jesus, das ihn signifikant heraushebt aus der Reihe der anderen Großen dieser Welt.
• Hier spricht nicht irgendein Literat, den die Muse geküsst hat oder ein Philosoph oder Weisheitslehrer.
• Hier spricht jemand, der die Kompetenz hat zu sagen, wer Gott ist und was er vorhat. Der spekuliert nicht – der weiß, wovon er redet! Und deshalb darf ich diesem Jesus vertrauen, wenn er sagt: Mir ist von meinem Vater alles übergeben worden; niemand kennt den Sohn, nur der Vater, und niemand kennt den Vater, nur der Sohn und der, dem es der Sohn offenbaren will.
• Näher komm ich an Gott nicht ran!
• Besseres und Sicheres krieg ich über ihn nicht in Erfahrung!
• Mehr brauch ich aber auch nicht! Ehe ich an meine eigenen Hirngespinste über Gott glaube, vertraue ich auf Jesus. Diesem Jesus würde ich nicht nur einen Gebrauchtwagen abkaufen – dem kauf ich auch seine Gottesvorstellung ab. Ich glaube dem Jesus seinen Gott. Amen.