Eine Gruppe von zwölf Personen steht in einer Kirche vor dem Altar. Sie lächeln und posieren gemeinsam. Der Hintergrund zeigt eine moderne Wand mit bunten Fenstern und Kerzen. Einige Personen tragen formelle Kleidung, während andere lässige Kleidung tragen.
18.01
2026
10:00
Uhr

Nachhaltig leben – Rückhalt gegeben

Gottesdienst zur Internationalen Grünen Woche

Anlässlich der Grünen Woche übertragen wir einen besonderen evangelischen Gottesdienst aus der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche in Berlin-Charlottenburg. Die Predigt halten Generalsuperintendent Kristóf Bálint und Johannes Funke, Mitglied des Brandenburger Landtags.

Die Liturgie wird von Pfarrerin Sarah-Magdalena Kingreen gestaltet. Für die musikalische Begleitung sorgen Sebastian Heindl an der Orgel sowie das Bläserensemble unter der Leitung von Christian Syperek.

Nach Ausstrahlen des Gottesdienstes erscheint hier Predigt und Audio.

 

Mitwirkende:
Generalsuperintendent Kristóf Bálint, Sprengel Potsdam (Predigt) 
Johannes Funke, Mitglied des Brandenburger Landtags (Predigt) 
Pfarrerin Dr. Sarah-Magdalena Kingreen, Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche (Liturgie) 
Gerald Dohme, Stellvertretender Generalsekretär des Deutschen Bauernverbandes (Fürbitten) 
Claudia Nielsen, Vertreterin Landfrauen (Fürbitten) 
Bettina Locklair, Katholische Landvolkbewegung Deutschland (Fürbitten) 
Drei Junglandwirt:innen aus Junglandwirtekurs Niedersachen & Bayern, Heimvolkshochschule Seddiner See 
Sebastian Heindl, Orgel Bläser der EKBO, Ltg.: Christian Syperek

 

Predigt zur Eröffnung der Internationalen Grünen Woche 2026
„Nachhaltig leben – Rückhalt gegeben“

Kristóf Bálint, Generalsuperintendent des Sprengels Potsdam

Johannes Funke, Mitglied des Brandenburger Landtags

Funke 1

Liebe Gemeinde hier in der Kirche und zu Hause am Radio,

Der Predigttext führt uns an eine der ältesten Stellen der Bibel überhaupt – zum Anfang von allem - 

„Solange die Erde steht, soll nicht aufhören Saat und Ernte, Frost und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht.“ Ich höre diese uralten Worte – und sie treffen mich, als wären sie gerade eben erst gesagt zu mir – zu uns.

„Solange die Erde steht“, das ist eine Formulierung die schon lange vor uns und lange vor Jesu Geburt entstanden ist. Offenbar waren sich Menschen damals schon dessen sehr bewusst, dass das mit der Unversehrtheit der Erde, mit dem grenzenlos verfügbaren Wasser und den immer fruchtbaren Böden gar nicht so selbstverständlich ist. So würde ich das jedenfalls verstehen.

Und weiter heißt es „…es soll nicht aufhören Saat und Ernte, Frost und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht.“ Gott schließt einen Bund, macht eine Zusage, die Erde zu erhalten, uns diesen Planeten anzuvertrauen und wir müssen darauf eine Antwort geben.

In heutiger Sprache würde das wohl heißen: Wir haben diese Erde anvertraut bekommen, Gott hat uns damit eine Lebensgrundlage geschaffen und für uns leitet sich daraus ein Auftrag ab.

Der Auftrag heißt: Seid fleißig, packt an, seid Bäuerinnen und Bauern, seid Gärtner, seid Försterin oder Fischer. Macht euch die Naturkräfte zu eigen und nutzt sie zum Wohle aller.

Wie die Photosynthese funktioniert wusste damals sicher noch niemand. Aber das grüne Pflanzen immer Wachstum bedeuten und Gutes bewirken, dass wussten die Menschen auch vor 3.000 Jahren schon. 

Und jetzt kommt noch einmal Gott ins Spiel: Er spannt einen Bogen: verbindet Himmel und Erde damit – verbindet sich mit uns Menschen. Bildlich gesehen dürfte es sich wohl um den Regenbogen handeln. Aber Gott wäre wohl nicht Gott, wenn hinter diesem Bogen nicht etwas tiefer Gehendes gemeint wäre.

 

 

 

Balint 1

Die Texte der Bibel sind weder romantische Geschichten noch historische Zeitdokumente. Sie beschreiben das Leben, wie es ist, beschönigen nichts und sind grundehrlich. G'TT setzt seinen Bogen in den Himmel. Das hebräische Wort meint tatsächlich beides: den Bogen zum Schießen und den Regenbogen am Himmel. Aus dem Kriegsgerät, das mit Pfeilen Tier- und Menschenleben beenden kann, ist so ein Zeichen des Lebens am Himmel geworden – bunt und lebensfroh. Es drückt aus: G'TT verpflichtet sich, für gute Lebensverhältnisse zu sorgen und der Mensch soll sie bewahren. 

Das kann er nur, indem er so lebt und handelt, dass die Generationen seiner Kinder und Kindeskinder noch genauso gut leben können wie er. Bewahrung bedeutet Nachhaltigkeit. Bedeutet, auch den folgenden Generationen den Rückhalt zu geben, den G'TT uns mit seinem Zeichen am Himmel schon gegeben hat. 

 

Funke 2

Dass der Bogen in dieser Geschichte aus den Zeiten von Pfeil und Bogen kommt, habe ich auf den ersten Blick gar nicht so gesehen. Das bringt mir natürlich sogleich die Symbolik „Schwerter zu Pflugscharen“ in Erinnerung.

Jenes berühmte Wort aus dem Buch des Propheten Micha, in dem „Schwerter zu Pflugscharen“ und „Lanzen zu Winzermessern“ werden. Für Christen in der DDR war er DAS Zeichen – ein Bekenntnis, das seinen Trägern eine Menge Ärger einbringen konnte. Auch ich musste ja beim Parteisekretär der Schule antreten und wurde mit strengen Verboten belegt. Dir ging es ja ähnlich. Mit diesem anderen Blick auf den Bogen stellt sich mir jetzt natürlich die Frage, ob wir möglicherweise noch eine Neuauflage von „Schwerter zu Pflugscharen“ erleben werden.

Im Mittelpunkt würde dann wohl die Drohne stehen und die Botschaft 2026 würde vielleicht lauten: „Kriegsdrohnen zu Naturhelfern“ oder so ähnlich. Denn tatsächlich können Drohnen, die wir an so vielen Orten jetzt als Tod und Zerstörung bringende Waffe erleben, auch ganz anderes wirken: indem sie die Erde und ihre Böden erkunden um sie noch nachhaltiger zu bewirtschaften.

 

Bálint 2

Ein wichtiger Punkt: Bewahrung der Schöpfung heißt dann nicht nur Nachhaltigkeit: also dafür Sorge tragen, dass auch unsere Kinder und deren Mitgeschöpfe gut leben können auf dieser Erde – es gehört auch der nötige Rückhalt dazu: ein Gefühl der Sicherheit. In doppelter Weise: Ich darf an den Bogen denken, der sich über den Himmel spannt: verbunden mit der Zusage des Bundes G'TTes. Nach jedem Regen mit Sonnenschein erinnert er uns satt oder matt farbig sichtbar daran, dass G'TT seinen Bund nicht bricht. Das gibt mir Rückhalt. Unser Handeln geschieht nicht in der Unsicherheit, ob diese Welt weiterbesteht, nein: G'TT hat uns seine Zusage gegeben, die Welt zu erhalten. Er hat sie uns anvertraut mit dem Auftrag, für sie zu sorgen, sie zu hegen und zu pflegen. Zur Sicherheit gehört also auch sicheres Wissen darum, was diese Erde braucht.

 

Funke 3

Jetzt nähern wir uns dem tieferen Sinn des Wortes „Rückhalt“. Diesen Rückhalt gerade den Menschen zu geben, die in und mit der Natur arbeiten und leben, ist mir ganz wichtig. 

Das ist auch mein Ansporn, mich politisch zu engagieren. Und trotzdem spüre ich natürlich tagtäglich, dass meine Vorsätze an Grenzen stoßen und ich ständig mit neuen Realitäten konfrontiert bin.

Ob Klimawandel, Freihandelsabkommen, amerikanische oder chinesische Zölle mit dem weltweiten Blick. Ob Tierhaltungskennzeichnungsgesetze, Düngeverordnung und belastete Grundwassergebiete oder EU-Agrarpolitik mit dem europäischen und deutschen Blick. Ob großer oder kleiner Agrarbetrieb, Familie oder Dorfgemeinschaft mit dem regionalen Blick.

Bei vielen Menschen, die damit zu tun haben, braucht es einen sehr starken Rücken um das alles zu schultern, und genau dabei hilft es mir sehr, zu wissen, dass Gott uns diese Erde anvertraut hat, um sie zu gestalten - aber erst recht, um sie zu bewahren.

Letztlich gibt genau das mir die nötige Haltung, die Motivation oder ganz einfach gesagt, den Rückhalt, den ich brauche für mein Tun, um dabei nicht müde zu werden.

 

Bálint 3

Das geht nicht nur ihnen und den Landwirtinnen und Landwirten so: In unsrer Gesellschaft sind viele Menschen müde. Weil sie sehen, dass nicht gemeinsam um eine zukunftsfeste Haltung gerungen wird. Die einen resignieren, die anderen schimpfen auf „die da oben“, Dritte suchen nach einem starken Mann, der die komplexen Probleme löst und Ihnen sagt, was zu tun ist. Die notwendige Auseinandersetzung aber findet oft nicht statt. Das gemeinsame Ringen um die richtige Lösung – in angemessenere und respektvoller Form - ist vielfach hinter eine Haltung: ich habe Recht und Du nicht, zurückgetreten. So kommen wir aber nicht weiter. 

Auch da passt dieses uralte Zeichen: Gottes Bogen am Himmel. Es hilft ein Blick darauf: Ich lasse mich in meinem täglichen Tun erinnern an den Bund G'TTes, den er mit uns Menschen – nicht nur mit mir und denen, die meiner Meinung sind – geschlossen hat. Der Bund steht. Er gibt uns Rückhalt, um Lösungen für uns und nachfolgende Generationen zu finden. Damit wir so wirtschaften, dass es für uns und unsere Kinder und Kindeskinder reicht. Damit wir das Herrschen über die Erde als ein Bewahren der Erde begreifen. Bewahren heißt, Leben schützen und ermöglichen: das Leben von Mensch und Tier, Natur und Pflanzen, denn ich kann nur über das wachen, was lebt. Was tot ist, braucht mich nicht mehr. Aber wir brauchen die Erde, die uns als Lebensraum zugesagt und anvertraut ist. Wir sind auf ihren Fortbestand angewiesen. Seinen Bund hat G'TT uns zugesagt: Er gilt uns und allen Lebewesen auf Erden. Und „16Darum soll mein Bogen in den Wolken sein, dass ich ihn ansehe und gedenke an den ewigen Bund zwischen Gott und allem lebendigen Getier unter allem Fleisch, das auf Erden ist.“

Amen.

Ablauf des Gottesdiensten mit Fürbitten und Statements