Eine musikalische Darbietung in einem dekorierten Raum mit einer großen, grünen Bergkulisse im Vordergrund. Kinder spielen Instrumente, während der Raum von bunten Lichtern in Violett erleuchtet wird. Im Hintergrund ist ein kunstvolles Wandgemälde zu sehen.
15.03
2026
10:00
Uhr

Wenn Hoffnung rosa wird

Radiogottesdienst aus der Friedenskirche-Charlottenburg

Wir übertragen einen evangelischen Gottesdienst am Sonntag Lätare aus der freikirchlichen Gemeinde Friedenskirche in Berlin-Charlottenburg. Mit der  die Bigband des Heinz-Berggruen-Gymnasiums unter Ltg. von Claudia Rocca. Die Predigt hält Pastor Hendrik Kissel.

Lätare – Freut euch. Ein Streifen Hoffnung in der Bedrängnis, ein Hauch Frühling wie jetzt draussen. Ein Klecks Farbe mitten im Grau. Darum auch die Musik direkt am Anfang – anders als erwartet in der Passion. Laut und lebendig. Bunt. Vielfältig.

Predigt

Manchmal wundern sich Menschen über das Kirchenjahr.
Da gibt es Sonntage mit seltsamen Namen: Invokavit. Okuli. Judika.
Und heute: Lätare.
Das klingt ein bisschen wie ein italienisches Dessert.
Ist ja auch eine süße Botschaft – bedeutet ganz schlicht: Freut euch.

Und dieser Sonntag hat nicht nur einen eigenen Namen, sondern sogar eine eigene Farbe.
Mitten in der Passionszeit, wenn normalerweise Violett als liturgische Farbe getragen wird – die Farbe der Besinnung und des Ernstes – ist heute die Farbe Rosa dran.
Die Farbe kommt im Kirchenjahr nur zweimal vor: am 3. Adventssonntag und heute am 4. Sonntag der Passionszeit – am Sonntag Lätare.

Ein Zeichen dafür, dass jetzt  schon Hoffnung aufscheint.
Ein rosa Streifen am Horizont - oder anders gesagt: Heute ist der Tag, an dem Hoffnung rosa wird.

Die Passionszeit erinnert uns an das Leiden Jesu.
An Verrat.
An Gewalt. An Angst und Tod.
Die Gefühle und Bilder, die da entstehen bleiben selten allein.
Sie wecken andere Bilder. Bilder von heute:
vom Leid in unserer Welt.
Von Kriegen. Von Ungerechtigkeit.
Von Menschen, die verfolgt werden oder fliehen müssen.
Es kommen auch Bilder aus unserem eigenen Leben.
Erfahrungen von Verlust. Von Angst und Schmerz.
Darum berührt die Passionsgeschichte Jesu – auch 2000 Jahre später immer noch.
Sie berührt, was wir heute erleben.
Und mitten in dieser ernsten Zeit meldet das Kirchenjahr sich plötzlich zu Wort und zwar rosarot: Freut euch.
Wie bitte?
Was ist hier los?
D Prophet Jesaja richtete sich damals an Menschen,
deren Welt zusammengebrochen war.
Jerusalem war zerstört.
Krieg. Verlust. Exil.
Und in diese Situation hinein spricht Gott.
Und der Prophet benutzt ein überraschendes Bild, um ihn zu beschreiben.
Er sagt:
„Ich will euch trösten, wie eine Mutter ihr Kind tröstet.“
Das hebräische Wort für Trost bedeutet dabei mehr als ein freundliches Wort.
Es meint tiefes Aufatmen nach einem großem Schmerz.
Ein Wieder-zu-Atem-Kommen.
Wie nach einer anstrengenden und schmerzhaften Geburt.

Vielleicht darum spricht Jesaja von Gott als einer Mutter, die ihr Kind stillt.
Sie versorgt es. 
Vielleicht kennen manche dieses Bild.
Ein Baby weint.
Unruhig. Verzweifelt.
Und dann wird es auf den Arm genommen.
Nicht viele Worte braucht es. Nur Nähe. 
Plötzlich wird es still.
Weil es spürt:
Hier ist jemand.
Hier bin ich sicher.
Genau dieses Urgefühl beschreibt der Prophet.

Und ein weiteres Wort taucht hier in der Bibel Israels auf. Shalom.
Oft wird das mit „Frieden“ übersetzt.
Aber es bedeutet viel mehr.
Schalom heißt:
Ganz sein.
Heil werden.
Genug haben zum Leben.
Ein Leben, das wieder ins Gleichgewicht kommt. Das ist der Name, den die rosarote Hoffnung trägt: Shalom.

Und dann wird die Sprache des Propheten noch überraschender.
Er beschreibt Gottes Gegenwart körperlich.
Fast genussvoll.
Jerusalem wird zur Mutter.
Eine Mutter, die ihre Kinder stillt.
Der Text spricht davon, dass Menschen sich satt trinken sollen.
Dass sie genießen sollen.
Dass sie sich trösten lassen wie ein Kind an der Mutterbrust.
Die Bilder sind sinnlich.
Zärtlich.
Fast erotisch.
im ursprünglichen Sinn des Wortes:
voller Lebenslust, voller Nähe, voller Genuss am Leben.

Und auch das ist bemerkenswert.
Was für die einen Grund zur Freude bedeutet für andere Untergang. Die Besatzer Jerusalems werden bestraft. Gott stößt sie vom Thorn – wie Maria und Hanna es besungen haben. Das beschreibt der Prophet: Gewalt und Tyrannei werden ein Ende haben.
Die Befreiten genießen das Leben –
weil Tyrannen nicht mehr über ihr Leben bestimmen.
weil die Gewalt endet.
Weil Angst aufhört.
Weil endlich wieder Leben möglich wird.
Darum klingt diese Sprache so voller Genuss.
Es ist der Genuss der Befreiten.
Der Moment, in dem Menschen spüren:
Wir dürfen wieder endlich leben.

Und vielleicht liegt auch in der Wortwahl heute eine stille Befreiung.
Viele Christinnen und Christen sprechen von Gott als Vater.
Für viele ist das ein gutes, vertrautes Bild.
Aber nicht für alle.
Manche haben Männer oder Väter erlebt, die nicht beschützt und ermöglicht haben, sondern die hart waren und brutal. Abwesend. Oder verletzend.

Wer solche Erfahrungen machen musste, kann nicht so von Gott reden.
Der Prophet macht Ernst damit, weil er weiß: Es gibt mehr als ein Bild für Gott.
Gott kann sein wie eine Mutter, die ihr Kind stillt.
Gottes Liebe ist größer als nur ein Bild.

Und dann sagt Jesaja am Ende noch das:
„Eure Lebenskraft wird wachsen wie Gras.“
Ein kleines Bild. Zartrosa hingetupft.
Ein starkes Bild.
Gras wächst.
Grün. Still.
Unaufhaltsam.
Selbst zwischen Steinen.
Das ist Hoffnung. Draußen sichtbar jetzt.
Optimismus sagt:
Es wird schon alles gut.
Hoffnung sagt:
Es ist jetzt schon gut. Zartrosa. Gott ist da.
Und wenn Gott da ist,
dann ist Zukunft möglich.
Selbst dort,
wo alles nach Ende aussieht.

Das ist heute dran und die Botschaft: Lätare. Freut Euch!
Nicht, weil plötzlich alles gut wäre.
Die Welt bleibt widersprüchlich.
Menschen bleiben verletzlich.
Aber mitten im Ernst dieses Lebens entsteht ein Moment des Aufatmens.
Ein Moment, in dem sich ein Farbton in die Dunkelheit mischt: rosa – zart.
Ein aufgehelltes Violett.
Ein Hauch von Rosa.
Ein Zeichen dafür, dass Gottes Trost größer ist als unsere Angst.
Zeichen, dass Gottes Schalom größer ist als unsere Unruhe.
Oder – um es ganz schlicht zu sagen:
Hoffnung ist so. Hoffnung ist heute. Sie ist rosa. Malt sie weiter. Amen.
 

Mitwirkende
 

FunktionMitwirkende

Predigt

Moderation

Hendrik Kissel

Dagmar Eichhorn

SprecherinThomas Schneller

Sprecher

Gebet

Robert Spitzner

 

1 Schlagzeug

 

Hornschild, Elia

Braun, Felix

1 Bongo 
1 Vibraslap 

1 Gitarre

 

Frei, Tamara

Shyti, Erik

1 Bass

 

Lutz, Matthias

Müller, Marielle

4 x Sax

 

 

 

Acri, Amadea

Efremides, Helena

Holzmann, Timon

Olbrisch, Marie-Louise

1 Flügel

 

 

 

 

Malte Bogner

Yang, Anny

Sohr, Anton

Hedtfeld, Paul

Haase Gomez, Alma

„Chor“

 

 

Daniela Spielmann

Frank Spielmann

Zahra Namjos (?)

5 x Posaunen

 

 

 

Felsenberg, Clara

Geisinger, Kari

Klein, Moritz

Lautenschläger, Jonathan

Tairov, Adan

6 x Trompeten

 

 

 

Sörensen, Nis

Schwiecker, Cay-Marie

Reininger, Henri

Prokop, Oskar

Juranek, Maila

Ionescu, Duan