Eine moderne Eisenbahnbrücke überquert eine Straße. Auf der Brücke sind Schienen sichtbar, während ein Zug vorbeifährt. Der Himmel ist klar und blau, und es gibt Straßenlaternen, die die Brücke beleuchten. Grüne Pflanzen sind im Vordergrund sichtbar. Eine moderne Eisenbahnbrücke überquert eine Straße. Auf der Brücke sind Schienen sichtbar, während ein Zug vorbeifährt. Der Himmel ist klar und blau, und es gibt Straßenlaternen, die die Brücke beleuchten. Grüne Pflanzen sind im Vordergrund sichtbar.
Eine moderne Eisenbahnbrücke überquert eine Straße. Auf der Brücke sind Schienen sichtbar, während ein Zug vorbeifährt. Der Himmel ist klar und blau, und es gibt Straßenlaternen, die die Brücke beleuchten. Grüne Pflanzen sind im Vordergrund sichtbar.
28.12
2025
08:40
Uhr

Bösebrücke – ein Ort dazwischen

Ein Beitrag von Viktoria Hellwig

Ein Raum dazwischen – das sind die Tage jetzt. Ein Raum zwischen den Feiertagen und dem neuen Jahr, der irgendwie leer und doch bewegt ist. Ich nutze die Gelegenheit meist zum Spazierengehen, ohne Ziel. Das ist wichtig! Ich laufe los, es nieselt noch, als ich das Haus verlasse. Nicht so viel los wie sonst. Klar, viele haben frei, die Kinder haben Ferien, und zwischen den Jahren passiert eh nicht so viel. Und ich laufe neben den S-Bahngleisen her, geradewegs auf die Bornholmer Brücke zu. Naja, so heißt sie eigentlich nicht: Bösebrücke – nach einem kommunistischen Widerstandskämpfer namens Wilhelm Böse. Aber den Namen kennt kaum einer.

Dicke Treppenstufen führen hinauf auf die Brücke, und nach ein paar Minuten stehe ich oben, blicke über die S-Bahngleise in die Weite. In der Kleingartenanlage ist heute auch nichts los. Der Winter treibt die Laubenpieper nicht raus. Ganz ruhig liegen ihre Gärten da, eingehüllt in Wind und Kälte.

Unter mir rumpeln die Züge vorbei, ein paar vereinzelte Menschen wechseln die Straßenseiten, rennen zur S-Bahn, während die Autos in einem fort an mir vorbeifahren. Es ist kein Ort, an dem man bleibt, aber er ist einer, der unsere Stadt geprägt hat wie kein zweiter. Man passiert hier, tritt über. Früher teilte eine weiße Linie diese Brücke. Passieren, verboten!

Doch auf dieser Brücke öffnete sich auch zuerst die Grenze, die Schranke, die hier zwischen den Ost-Stadtteilen Prenzlauer Berg und Pankow und dem West-Bezirk Wedding stand. Erst die Nacht im November 1989 änderte ihr Schicksal, denn in dieser Nacht wurde sie wieder zum Zeichen der Verbindung, der Vereinigung. Menschen lagen sich in den Armen und strömten das erste Mal seit viele Jahren zu tausenden über diese Brücke.

Heute überqueren hier Menschen beiläufig die Straße, schauen aufs Handy, plaudern, joggen vorbei. An Tafeln erinnert man die Geschichtsträchtigkeit dieses Orts. Aber sie ist in den Hintergrund getreten. Sie liegt zwischen den Schienen, in den Treppenstufen, in der kühlen Luft. Wie dieser Tag zwischen den Jahren: zwischen Altem und Neuem, zwischen Stillstand und Bewegung, zwischen Vergangenem und Zukünftigem. Ein Ort dazwischen eben.

„Siehe, ich wirke Neues; jetzt wächst es auf, erkennt ihr es denn nicht?"

1. Jesaja 43,19