Im Winter, wenn der Berliner Himmel noch grau ist und die Straßen und die Gesichter der Menschen auch, dann ist einer meiner Lieblingsorte das Eisstadion von Neukölln. Hier ist Berlin so, wie ich es mag.
Auf der Eisbahn, mit Schlittschuhen an den Füßen sieht man Freundinnen im Mantel, die quatschend ihre Runden drehen. Kinder im bunten Schneeanzug, an der Hand der Eltern.
Teenager, die im T-Shirt übers Eis jagen, zeigen, was sie können. Und Menschen, die zum ersten Mal da sind, und sich an der Bande festhalten. Stolz sind nach der ersten Runde – und geschwitzt. Auch Paare haben sich hier schon gefunden – und bringen jetzt ihre Kinder her.
Man hört Deutsch, natürlich. Und genau so Arabisch, Türkisch, Französisch, Englisch. Und alles miteinander vermischt.
Nebenan die Bahn ist für Vereinssportler. Wenn direkt nach der großen Eismaschine die Kunstläuferinnen auf die frische Bahn stürmen, schauen ihnen viele Augenpaare sehnsüchtig zu. Die Läuferinnen tanzen und schweben über die Eisfläche, als hätten sie unsichtbare Flügel. Ein Traum: auch so fliegen zu können. Ohne Schwerkraft.
Was leicht und schwerelos aussieht, ist natürlich harte Arbeit: Es sind winzige feine Bewegungen, die den Schlittschuh und damit die Kufen dazu bringen, Bogen und Kurven zu fahren oder gar Pirouetten zu drehen. Und die Haltung im ganzen Körper. Ist es im Leben nicht auch manchmal so, denke ich: dass eine winzige Veränderung in der Haltung einen richtig großen Unterschied macht? Und dass man auch diese Haltung immer wieder einüben muss – und ganz oft hinfällt dabei?
Wenn man nach Ende der Eiszeit die Schlittschuhe wieder auszieht und in seine normalen Winterschuhe herabsteigt, passiert etwas Merkwürdiges: es fühlt sich an, als würde man auf Wolken laufen.
Am Kiosk gibt es leckere Pommes - und Gummischlangen, die so lang sind, dass man den ganzen Nachhauseweg noch daran kauen kann.
Und während ich mit den Füßen in den Wolken und der Gummischlange im Mund zur S-Bahn laufe, fällt mir ein Vers aus den Psalmen ein: „Lass meinen Gang in deinem Wort fest sein und lass kein Unrecht über mich herrschen.“
Psalm 119, Vers 133 aus der Bibel