28.09
2025
08:40
Uhr

Das Sowjetische Ehrenmal in der Schönholzer Heide

Auf den Spuren der Vergangenheit

Ein Beitrag von Christoph Kießig

Mitten im Park - ich bin mit dem Fahrrad unterwegs - treffe ich etwas abseits vom Weg auf eine Mauer. Der Wind rauscht in den Bäumen, ansonsten ist es totenstill. Die Mauer ist nicht verfallen und endlos lang, was dahinter ist, sieht man nicht. Meine Neugier ist geweckt, also radle ich an der Mauer entlang, die bald rechtwinklig abbiegt. Ich folge ihr und finde an der Seite ein Eisentor, das offen steht. Wenig später stehe ich staunend vor einer gewaltigen Bronzestatue.

Fast mein ganzes Leben habe ich im Berliner Norden verbracht, aber von diesem Ort hatte ich noch nie etwas gehört. Ich stehe vor dem sowjetischen Ehrenmal in der Schönholzer Heide. Ich kenne solche Anlagen seit meiner Kindheit, in jeder Stadt im Osten sind sie in unterschiedlicher Größe und Ausstattung zu finden. Russendenkmal, Soldatenfriedhof, Kriegsgräberstätte, es gibt viele Bezeichnungen.

Letztlich ist es ein Friedhof, auf dem ich stehe. 13.000 Soldaten sind hier begraben, darunter 120 Frauen, gefallen in der Schlacht um Berlin in den letzten Tagen des II. Weltkrieges. Auf den meisten dieser Mahnmale sieht man Bilder oder Skulpturen von heroischen Soldaten und jede Menge Kriegsgerät. Vor mir aber, am Ende der zentralen Mittelachse steht überlebensgroß eine Mutter, die um ihren toten Sohn trauert, der ihr zu Füßen liegt. Ein Bild, das ich aus unzähligen Kirchen kenne. Maria und ihr toter Sohn, der am Kreuz gestorbene Jesus.

In dieser Kirche habe ich von klein auf gelernt, wer die Guten und wer die Bösen sind. Die Gewinner und die Verlierer, die Angreifer und die Verteidiger. [ae1] Ich habe mich damals entschieden, keine Waffe auf jemand anderes zu richten (und die Konsequenzen dafür getragen). Heute ist diese Welt kriegerischer als wir uns das je vorstellen konnten und wir finden keinen Weg aus dieser Spirale von Hass und Gewalt. Wo dieser Weg hinführt, sieht man hier an diesem Ort. Es wird Zeit, dass wir umkehren.

 

Jes 2.4

Er weist die Völker zurecht und schlichtet ihren Streit. Dann schmieden sie aus ihren Schwertern Pflugscharen und aus ihren Speerspitzen Winzermesser. Kein Volk wird mehr das andere angreifen und niemand lernt mehr das Kriegshandwerk.