Eine historische Karte zeigt das Königliche Schloss in Berlin, umgeben von Straßen und Wasserwegen. Wichtige Punkte sind die Lustgarten und die Akademie der Künste. Beschriftungen geben geografische Koordinaten und Namen von umliegenden Orten an.
06.09
2026
08:40
Uhr

Der Kaisereichengarten am alten Schlossanleger

Ein Beitrag von Lukas Hetzelein

Fast 130 Jahre ist es her, im Jahr 1897. Da wurde an der Brücke von der damaligen Bauakademie zum Berliner Schloss eine Eiche gepflanzt – und sie steht dort noch heute. An der Schleusenbrücke zwischen dem Auswärtigen Amt und dem Westportal des Stadtschlosses. 

Damals: die Blüte der Kaiserzeit. Wilhelm II ließ vor dem Schloss ein Denkmal für seinen verstorbenen Großvater Friedrich II errichten – damit beginnt die Geschichte der Eiche. 

Es ging turbulent weiter: der Erste Weltkrieg brachte Unheil über Europa und schließlich das Ende der Monarchie. Auf die Weimarer Zeit folgt die Machtübernahme der Nationalsozialisten. Im Zweiten Weltkrieg zerstörten Fliegerbomben die prachtvollen Gebäude am Schinkelplatz, das Schloss und die Friedrichswerdersche Kirche erlitten schwerste Bombenschäden. Die Eiche aber – sie blieb unversehrt. 

Das zerstörte Schloss wird abgerissen – an der Stelle entsteht der Palast der Republik, “Erichs Lampenladen”, und damit wieder ein Ort von großer Bedeutung. Im Jahr 1989 finden hier Demonstrationen statt, die letztlich in die friedliche Revolution führen – und noch immer mittendrin: die Eiche am Schiffsanleger. 

2006 die nächste Großbaustelle – der Palast wird abgerissen, er muss dem wiederaufgebauten Schloss weichen. Die Eiche – Sie ahnen es schon – übersteht auch diese Großbaustelle. 

Und das nächste Projekt steht schon bevor: die Einheitswippe, die in Wurfweite von der Eiche entstehen soll. 

Die Eiche steht fest, während die Geschichte Berlins weiter geschrieben wird. 

Was für ein schönes Bild: Fest verwurzelt zu sein – so fest, dass äußere Veränderungen und Unruhen mich nicht aus der Bahn werfen. Zu bleiben und etwas auszuhalten, auch dann, wenn es ungemütlich wird. Und, dass es Dinge gibt, die über die Zeit bleiben – über ein Menschenleben hinaus – und wir ein Teil, ein Abschnitt dieser Geschichte sind.  

Gesegnet der Mensch, der auf den HERRN vertraut / und dessen Hoffnung der HERR ist. Er ist wie ein Baum, der am Wasser gepflanzt ist / und zum Bach seine Wurzeln ausstreckt: Er hat nichts zu fürchten, wenn Hitze kommt; / seine Blätter bleiben grün; auch in einem trockenen Jahr ist er ohne Sorge, / er hört nicht auf, Frucht zu tragen. 

Die Bibel, Buch Jeremia, Kapitel 17, Vers 7 bis 8