Eine Statue einer betenden Frau, die in einem langen Kleid und mit einem Schleier gekleidet ist. Ihre Hände sind gefaltet, und ihr Kopf ist gesenkt. Sie steht in einer grünen Umgebung mit Gras und Sträuchern, was eine ruhige, meditative Atmosphäre schafft.
01.11
2026
08:40
Uhr

Der St. Matthias Friedhof

Alltags-Heilige an Allerheiligen

Ein Beitrag von Thekla Schönfeld

Eine himmlische Ruhe umfängt mich, als ich von der Straße aus durch das Friedhofstor gehe. Ich betrete einen Ort, an dem nicht die Betriebsamkeit der Großstadt herrscht, sondern der eine angenehme Stille ausstrahlt.

Hier und da höre ich Schritte auf dem Kiesweg, Blätter rascheln und der Wind weht durch die hohen Bäume, die sicher von der langen Geschichte des St. Matthias Friedhofs erzählen könnten.

Hier haben Menschen ihren letzten Ruheplatz gefunden, haben Angehörige und Freunde ihre Lieben der Erde anvertraut, Abschied genommen und getrauert. Hier ruht das, was vom Menschen bleibt, wenn er wieder zur Erde zurückkehrt. Und hier ist Raum für Erinnerungen an Menschen, die mir im Leben vertraut waren und mir auch über ihren Tod hinaus nah sind.

Hier ruht auch meine Großtante, die 93 Jahre alt wurde, und - ein paar Reihen weiter - mein Kollege und Team-Partner, der viel zu früh verstarb.

Heute ist das Fest „Allerheiligen“. Heilige, das sind Menschen, die in besonderer Weise durch ihr Leben von Gott erzählt haben, seine Barmherzigkeit lebten und den Menschen von heute darin ein Vorbild sein können.

Meine Großtante und mein Kollege - für mich sind sie beide Alltags-Heilige – Menschen, die mein Leben geprägt und reicher gemacht haben.

Ich erinnere mich an sie in all ihrer Lebendigkeit, denke an die tollen Erlebnisse und Abenteuer mit meinem Kollegen, die wir gemeinsam auf unseren Klassenfahrten erlebt haben, und an meine Großtante, wie sie in ihrer kleinen Küche steht und die frischen Eierkuchen mit einer dicken Schicht Zucker bestreut.

Wie dankbar bin ich, dass sie Teil meines Lebens geworden sind.

Sicher kennen Sie auch Menschen, die durch ihr Dasein Ihr Leben bereichern. Ob sie nun in unserer Zeit leben, oder schon verstorben sind – sie alle gehören für mich zur großen Schar der Heiligen, der Menschen, die ihr Leben nicht nur für sich selbst, sondern auch für andere einsetzen.

Hier auf dem Sankt Matthias Friedhof kann ich ihre Namen lesen, während ich durch die Reihen gehe.

„Ich bin sicher: Weder Tod noch Leben, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges oder sonst irgendetwas auf der Welt können uns von der Liebe Gottes trennen.“ Die Bibel, Römerbrief Kapitel 8.