Ein schmaler Weg führt zu einem ruhigen Gewässer, umgeben von dichtem Grün. Steingemauerte Stufen führen hinunter zu einem kleinen Bach, der ins Wasser fließt. Die Szenerie vermittelt eine friedliche, naturnahe Atmosphäre.
06.04
2026
08:40
Uhr

Der Wuhletal-Wanderweg

Auf dem Wuhertal-Wanderweg: Wenn Schritte Klarheit schaffen

Ein Beitrag von Thekla Schönfeld

Er ist mein täglicher Begleiter, der Wuhletal-Wanderweg. Ob ich ihn nun ein Stück entlang hetze, um schnell noch zur U-Bahn zu kommen, oder ob ich eine längere Strecke ganz bewusst und meditativ gehe, zum Atem-Holen, wenn ich den Kopf frei kriegen will.

In seiner ganzen Länge von 16 Kilometern führt er von Köpenick bis nach Ahrensfelde. Es gibt Strecken auf diesem Weg, die kenne ich wie meine Westentasche, da scheint mir jeder Stein vertraut. Und dann gibt es Abschnitte, die sind mir völlig unbekannt, weil ich sie noch nie gegangen bin.

Jetzt im Frühling ist dieser Wanderweg voller Leben, grünender Sträucher und Frühblüher am Weg, Vogelgezwitscher um mich herum, der Mäusebussard am Himmel kreisend. 

Oft genieße ich es, einfach einen Fuß vor den anderen zu setzen, Schritt für Schritt voranzuschreiten. Ganz buchstäblich hilft das auch meinen Gedanken auf die Sprünge: Und so kommen mir beim Spazierengehen oft die besten Ideen, oder es sortieren sich innere Fragen.

Beim Gehen kann ich im Gespräch sein – mit mir selbst, mit anderen, oder mit Gott. Unterwegs zu sein, mit offenen Augen und Ohren, und mit einem wachen Herzen, das kann verändern. Manchmal gewinne ich auf dem Weg neue Klarheit, und bin eine andere, wenn ich nach Hause komme.

Diese Erfahrung haben vor uns schon zwei andere gemacht –die Emmaus-Jünger. Sie waren vor 2000 Jahren auf dem Weg von Jerusalem nach Emmaus und sprachen miteinander über ihre Sorgen und Enttäuschungen. Unterwegs, so sagt die biblische Geschichte, gesellt sich Jesus unerkannt zu den beiden. Er hat ein offenes Ohr für ihre Sorgen und Fragen und sie kommen ins Gespräch miteinander. Die beiden spüren, da ist einer, der uns wirklich zuhört und versteht, was uns bewegt. Diese Erfahrung verändert die beiden, und lässt sie schließlich neu aufbrechen. 

Wie heilsam ist es, wenn ich im Unterwegs-Sein nicht allein bin, wenn ich meine Fragen laut oder leise jemandem anvertrauen kann, der sie versteht. 

„So wird es sein: Ehe sie rufen, antworte ich, während sie noch reden, höre ich.“ Die Bibel, im Buch Jesaja, Kapitel 58, Vers 9