Ich umrunde ihn gern allein oder mit anderen. Der Schlachtensee. 6 km pure Natur. Das frische Grün im Frühling, das erfrischende Bad im Sommer, das bunte Laub im Herbst und manchmal sogar das wunderbare Gefühl mit Kufen über das Eis gleiten zu können. Der See und das Drumherum sind immer anders, die Faszination ist jedes Mal neu. Einfach mit der S-Bahn bis Schlachtensee und ich bin in einer anderen Welt. Auf der gegenüberliegenden Seite des lang gestreckten Sees steigt der Wald an hoch bis zur Avus. An diesem Seeufer steht eine Bank, meine Bank. Ich komme mit den Füßen gar nicht auf die Erde, bei Starkregen rast das Wasser den Hang runter, viel Erdreich wurde im Laufe der Jahrzehnte mitgerissen, Hunde haben hier kräftig gebuddelt. Nicht nur das Wetter hat Spuren hinterlassen, sondern auch Menschen mit Messern und Farbe. Wenn diese alte Bank erzählen würde. Sie ist mir ans Herz gewachsen. Manchmal sitze ich da und beobachte einfach die Menschen, die vorüberlaufen in verschiedenen Geschwindigkeiten, die allein oder zu zweit gehen, sich unterhalten, Kinder mit dem Fahrrad, Seniorenwandergruppen und Yogabegeisterte. Kurz: Lebendiges Treiben in der Natur am See. Ganz besonders ist es früh am Morgen, dieser Blick und diese Ruhe. Die Sonne steigt langsam auf hinter den Bäumen am Ufer gegenüber, die Vögel zwitschern bunt durcheinander, der Specht hämmert, ein Schwan versucht vom Wasser abzuheben mit kräftigen, geräuschvollen Flügelschlägen, zwei Enten machen eine wilde Verfolgungsjagd. Hier Naturgeräusche. Hinter mir höre ich den Lärm der Avus, die Züge der S-Bahn mit Menschen auf dem täglichen Weg zur Arbeit, Studierende in Richtung Potsdam, Touristen, PKWs, Versorgungslaster, Polizei, Feuerwehr. Dort Lärm, Aktivität, Hektik. Ich auf meiner Bank, vorn die Ruhe und hinter mir der normale Wahnsinn, ich an der Schnittstelle von Betriebsamkeit und Ruhe, von Machen und Betrachten. Ich brauche beides. Es gibt eine Zeit zum Schauen und es gibt eine Zeit zum busy sein.
In der Bibel, im Buch Kohelet im 3. Kapitel heißt es: Alles hat seine Stunde. Für jedes Geschehen unter dem Himmel gibt es eine bestimmte Zeit.