Das Bild zeigt ein modernes Stadtbild mit einem olympischen Feuer auf einem Sockel im Vordergrund. Im Hintergrund sind mehrere große, gläserne Gebäude zu sehen, darunter ein markantes, höheres Gebäude. Der Himmel ist klar und sonnig.
02.08
2026
08:40
Uhr

Ewige Flamme am Theodor-Heuss-Platz

Ein Beitrag von Cordula Machoni

Berlin ist ein Gebirge. 
Wer das nicht glaubt, ist noch nie mit dem Fahrrad den Kaiserdamm hinauf geradelt. 
Die Steigung scheint endlos. Nur der Blick auf die Gründerzeithäuser mit den wunderschön restaurierten Fassaden lenkt von der körperlichen Anstrengung ein wenig ab. 
Die so genannte „Prachtstraße“ mit ihren 50 Metern Breite, eröffnet vor 120 Jahren, ist natürlich als Hauptverkehrsader zwischen Ost und West nicht weniger imposant.

Dort, wo Kaiserdamm und Königin-Elisabeth-Straße schließlich zusammentreffen, gewinnt mein Ort in Berlin endlich an Kontur. Ich sehe ihn in der Ferne schon leuchten. 
Wie bei einer Bergbesteigung. Das Gröbste ist vollbracht, das Gipfelkreuz schon in Sicht. Nur noch wenige Meter trennen von dem Punkt, da Himmel und Erde sich berühren.  

Mein heutiges Gipfelkreuz steht mitten auf dem Theodor-Heuss-Platz. 
Hier ist es kein Kreuz, es ist eine Ewige Flamme. 
Vor 70 Jahren wurde das Mahnmal mit der Ewigen Flamme hier aufgestellt und von Theodor Heuss durch das Entzünden der Flamme eingeweiht. Sie brennt seither unaufhörlich in einer eisernen Schale, die auf einem Steinquader steht. Bis zur Wiedervereinigung sollte die Flamme einst brennen. 
Freiheit. Recht. Friede. Diese drei Worte sind in den Stein, der die Flamme trägt, eingeschrieben. 
Sie erinnern an die Grundfesten unseres Zusammenlebens, die unsere Kraft und unseren Willen brauchen, sie zu schützen und fortzuschreiben. 
Womöglich gibt die Flamme selbst die vornehmste und schönste Definition von Freiheit: Einfach weiterbrennen, obwohl sie ihren Auftrag gewissermaßen erfüllt hat. Vielleicht spürt sie, dass da noch viele Mauern sind. Im Kopf der Menschen jedenfalls. 65 Jahre nach dem Mauerbau. 
Die Ewige Flamme ist mein Wegweiser. Mein Gipfelkreuz. 
Um sie herum rauscht und braust die Stadt. 
Sie aber lässt sich nicht beirren. An manchen Tagen scheint es, als würde sie gemeinsam mit der Sonne untergehen, die in ihrem Rücken den Tageslauf vollendet. Doch wenn es dunkel wird, leuchtet sie immer noch.
Mit der Hoffnung ist es genauso. Sie bleibt. Auch dann, wenn Vieles dagegenspricht.

Jesus Christus spricht: ich bin gekommen, damit sie das Leben haben und es in Fülle haben. (Die Bibel, Johannes 10, 10)