Mitten in Kreuzberg, zwischen der Urbanstraße und der Hasenheide, steht ein Bauwerk, das viele Berlinerinnen und Berliner kaum wahrnehmen: der alte Gasometer in der Fichtestraße.
Ein Koloss zwischen Wohnhäusern und Sportplatz. Wer an ihm vorbeigeht, ahnt kaum, welche Geschichten sich hinter diesen Mauern verbergen.
Gasometer waren Ende des vorletzten Jahrhunderts nötig, um den steigenden Gasbedarf für die wachsende Stadt zu sichern. Der 1884 fertiggestellte zweite Bau steht bis heute. Er ist der älteste erhaltene Gasometer in Berlin und von den erhaltenen der Einzige, der aus Mauerziegeln errichtet wurde.
Im zweiten Weltkrieg wurde er zu einem Luftschutzbunker umgebaut und während der Luftangriffe mit bis zu 30.000 Personen belegt. Die eigentlichen Bunkerräume kann man bis heute besichtigen. Wenn man heute in diesem endlosen Labyrinth unterwegs ist, spürt man die besondere Atmosphäre dieses Ortes. Kein Tageslicht dringt hinein. Die dicken Wände erzählen von Angst und Hoffnung, von Menschen, die hier Schutz suchten, von Schicksalen, die sich hier abgespielt haben. Wie viele Menschen wurden während der Bombenangriffe des letzten Krieges durch die meterdicken Mauern gerettet.
Nach dem Krieg gab es verschiedene Nutzungen. Der fensterlose Bau diente als Altenheim, Jugendarrestanstalt und Obdachlosenasyl. Später und bis 1988 wurden in dem Bauwerk, das einen Durchmesser von 56 Metern hat, Teile der Westberliner Senatsreserven gelagert.
1991 wurde der leerstehende Bau unter Denkmalschutz gestellt. Und immer mal wieder finden in den Bunkerräumen auch besondere Feiern oder Kunst-Happenings statt. Was für eine Kulisse!
Der Fichtebunker erinnert daran, wie zerbrechlich menschliches Leben sein kann – und wie groß zugleich die Sehnsucht nach Schutz und Geborgenheit ist.
Mitten in Berlin steht diese alte „Burg“ aus Backstein. Ein Denkmal für die Geschichte dieser Stadt – und für die Menschen, die hier Schutz gesucht haben.
Wer unter dem Schirm des Höchsten sitzt und unter dem Schatten des Allmächtigen bleibt, der spricht zu dem Herrn: Du bist meine Zuversicht und meine Burg, mein Gott, auf den ich hoffe.
Die Bibel. Psalm 91, die Verse 1 und 2