Palmen werden geschwungen, die Straßen sind belebet, Menschen drängeln sich, denn da kommt einer. Einer, den sie noch nie gesehen haben, der aber König genannt wird. Er reitet auf einem Esel. So gar nicht königlich. Aber irgendetwas hat er an sich. Die Menschen jubeln ihm zu, legen Palmzweige auf den Weg, rufen laut „Hosanna“ – was so viel heißt wie „Rette uns!“. Es ist laut, erwartungsvoll, fast wie ein Triumphzug durch Jerusalem. Der, auf den sie hoffen, heißt Jesus.
Ein paar Tage später ist er im Garten Gethsemane.
Keine Menge mehr. Kein Jubel. Stattdessen Angst, Zweifel, Einsamkeit.
Nach diesem Garten in dem Jesus weint und zweifelt sind viele Kirche benannt, denn es ist eine Schlüsselszene in der Passionsgeschichte. Auch im Prenzlauer Berg steht eine dieser Kirchen. Die Gethsemanekirche kennen viele auch von anderen großen Ansammlungen von Menschen, die keine Palmwedel hielten, sondern Schilder und Kerzen. Menschen die diskutierten, demonstrierten für sich und für andere. Für ihre Freiheit.
In den 1980er Jahren war die Gethsemanegemeinde ein zentraler Ort für die friedliche Revolution. Und blieb es bis zum Rücktritt der alten DDR-Führung. Im März 1990, zur Eröffnung der ersten und einzigen frei gewählten Volkskammer der DDR, kamen die Abgeordneten hier zu einem Gottesdienst zusammen.
Heute prägen viele Kinder und Jugendliche das Bild in der Gemeinde. Unter dem Motto „Lebendig“ gehen sie jetzt ins Konfirmationsjahr, und sind auch im Gemeindekirchenrat, dem Leitungsgremium, breit vertreten. Sie sorgen dafür, dass die Gemeinde jung bleibt – laut, fröhlich, diskussionsfreudig. Eben ein Ort des Wandels und Zusammenkommens.
Ihr roter Backsteinturm ragt hoch hinaus, mitten aus dem Häusermeer im Prenzlauer Berg. Nur einen Katzensprung entfernt von der großen Schönhauser Allee. Wenn man später die Fenster öffnet, wird man sie hören über Straßenecken hinweg läuten die Glocken zum Gottesdienst. Rufen, laden ein zum Zusammenkommen und erinnern, an den einen der einmal nach Jerusalem kam und im Garten Gethsemane zweifelte und wusste, der Kelch wird nicht an ihm vorrübergehen.
Da nahmen sie Palmzweige, zogen hinaus, um ihn zu empfangen, und riefen: Hosanna! Gesegnet sei er, der kommt im Namen des Herrn, der König Israels!
Die Bibel Joh 12,13