19.07
2026
08:40
Uhr

Jungfernbrücke

Ein Beitrag von Viktoria Hellwig

Jetzt im Sommer ist Berlin voller Touristen. Während sich die Berlinerinnen und Berliner lieber an die kühlen Seen in den Randbezirken oder ins Umland zurückziehen, laufen die Besucherinnen selbst bei sengender Hitze über den heißen Asphalt, um möglichst jedes historische Bauwerk und jedes Monument zu entdecken. Beliebt ist natürlich der Berliner Dom – nicht nur wegen seiner imposanten Erscheinung. Der Springbrunnen auf dem Lustgarten und die kühlen Innenräume bieten an heißen Tagen eine willkommene Erfrischung.

Dabei übersehen viele ein kleines, aber ganz besonderes Stück Berliner Stadtgeschichte ganz in der Nähe: die Jungfernbrücke. Auf den ersten Blick wirkt sie unscheinbar. Doch sie ist die älteste noch erhaltene Brücke Berlins und ein echtes Denkmal der Hauptstadt.

Zu finden ist sie nur wenige Gehminuten entfernt. Wer von Unter den Linden aus durch die Höfe des Humboldt Forums geht, am Auswärtigen Amt vorbeiläuft und am Spreekanal entlang spaziert, stößt plötzlich auf dieses historische Kleinod.

 

Gemälde von Hans Baluschek 1926/1927

Die erste Jungfernbrücke wurde bereits 1688 unter Kurfürst Friedrich III. errichtet. Damals war sie eine hölzerne Zugbrücke und verband die Friedrichsgracht mit der Alten Leipziger Straße. Im Jahr 1798 erhielt sie ihr heutiges Erscheinungsbild: eine Konstruktion aus Holz und Eisen mit einem beweglichen Mittelteil, der bei Bedarf für Schiffe geöffnet werden konnte. Heute lässt sich die Brücke zwar nicht mehr aufklappen, doch ihr historischer Charakter ist bis heute erhalten geblieben.

Auch um ihren Namen ranken sich zahlreiche Geschichten. Eine Legende erzählt, dass junge Frauen hier auf ihre Männer warten mussten, während diese ein Flussbad besuchten. Eine andere berichtet von zwei jungen Frauen, die in der Nähe feine Handarbeiten verkauften und der Brücke so ihren Namen gaben. 

Heute fahren hier keine Lastkähne oder Fischerboote mehr vorbei. Die Jungfernbrücke gehört allein den Fußgängerinnen und Fußgängern. Wer über ihre Holzbohlen geht, bewegt sich auf einem Stück Berliner Geschichte. Die Brücke verbindet nicht nur die beiden Ufer des Spreekanals, sondern auch Vergangenheit und Gegenwart – und wer mag kann hier auch einen guten Kaffee trinken und im Berlin der Vergangenheit schwelgen.

Der HERR behüte deinen Ausgang und Eingang von nun an bis in Ewigkeit!

Die Bibel, Psalm 121,8