Ein Straßenschild zeigt den Namen „Lausitzer Platz“. Oben auf dem Schild steht eine kleine Figur, die ein Schild in der Hand hält und fröhlich posiert. Der Himmel ist blau mit einigen Wolken. Ein Straßenschild zeigt den Namen „Lausitzer Platz“. Oben auf dem Schild steht eine kleine Figur, die ein Schild in der Hand hält und fröhlich posiert. Der Himmel ist blau mit einigen Wolken.
Ein Straßenschild zeigt den Namen „Lausitzer Platz“. Oben auf dem Schild steht eine kleine Figur, die ein Schild in der Hand hält und fröhlich posiert. Der Himmel ist blau mit einigen Wolken.
30.08
2026
08:40
Uhr

Lausitzer Platz

Mein Ort in Berlin von Jasmin El-Manhy

Ein Beitrag von Jasmin El-Manhy

Ich sitze auf einer Bank. Es ist kurz nach sechs am Abend.

Vor mir tobt ein Spielplatz. Kinder klettern, schaukeln und rufen durcheinander. Ihre Eltern sitzen an den Tischen daneben, trinken Kaffee oder ein Feierabendbier und unterhalten sich. Die Kinder flitzen zwischen ihnen und den Spielgeräten hin und her.

Rund um den Platz sind keine Autos unterwegs. Stattdessen rollen Fahrräder und Roller über den Asphalt. Ein Mädchen springt Seil. Zwei Jungen malen mit Kreide bunte Straßen auf den Boden. Die Restaurants ringsum sind gut besucht. Gläser klirren, jemand lacht laut. Zwei Straßenmusiker spielen Jazz – Gitarre und Saxophon. Eine ältere Frau nimmt ihre Enkelin auf den Arm und tanzt ein paar Schritte zu der Musik. Paare schlendern vorbei. Jugendliche sitzen auf den Bordsteinen und teilen sich eine Tüte Pommes.

Ich sitze da und denke: So sieht Frieden aus.

Nicht spektakulär. Sondern alltäglich. Menschen können draußen sein. Sie spielen, essen, reden, musizieren, tanzen. Niemand muss sich in seiner Wohnung verschanzen. Niemand muss Schutz in einem Bunker suchen.

Hier begegnen sich Menschen. Familien, Alteingesessene und Zugezogene. Menschen mit ganz unterschiedlichen Sprachen, Geschichten und Lebensentwürfen. Auch Menschen, die betteln, ziehen von Tisch zu Tisch. Nicht alles ist leicht. Nicht alles ist gerecht. Und doch liegt über diesem Platz etwas Friedliches.

Plätze sind mehr als freie Flächen zwischen Häusern. Sie sind das Wohnzimmer einer Stadt. Hier zeigt sich, wie wir miteinander leben. 

Mitten auf diesem Platz steht eine Kirche. Von meiner Bank aus wirkt ihr Turm heute wie ein Wächter. Als würde er über all das Leben wachen, das sich um ihn herum entfaltet. Über einen Ort, an dem Menschen verschieden sein dürfen und trotzdem zusammenkommen. Dass Frieden dort beginnt, wo Menschen einander Raum geben.

Die Kirche erinnert daran, dass Gott die Menschen nicht voneinander trennt, sondern zusammenführt. 

Der Platz, von dem ich erzählt habe, ist der Lausitzer Platz in Berlin-Kreuzberg.

Heute Abend ist er für mich ein kleines Bild vom Reich Gottes. Sicher kein perfekter Ort. Aber ein kleines Paradies für den Moment.

"Die Plätze der Stadt sollen voll sein von Jungen und Mädchen, die dort spielen."
Sacharja 8,5