Ein blühender Garten mit bunten Blumen in verschiedenen Farben, darunter Rosatöne und Lila, umgibt eine runde Steinbank. Im Hintergrund sind hohe Bäume und ein Gebäude sichtbar. Der Garten vermittelt eine einladende, natürliche Atmosphäre.
07.09
2025
08:40
Uhr

Markusplatz

Berlin ist dreckig, Berlin ist laut – sagen die einen. Berlin ist eine Oase: so viel Wasser, Bäume, Wald – meinen die anderen. Ich sage: vor meiner Haustür liegt das Paradies. Und nein: Ich wohne nicht am Wannsee, Grunewald oder Müggelsee, sondern in Steglitz. In der Nähe große Kreuzungen, viel Verkehr. Viel zerstört im Krieg und billig aufgebaut. Aber dort, wo ich wohne, sind die 100 Jahre alten Häuser wie durch ein Wunder stehen geblieben. Der Markusplatz, der seinen Namen der Kirche nebenan verdankt, ist ne Wiese, im Sommer platt von Fußball spielenden Kindern. Es gibt einen Brunnen, in dem die Kleinsten im Sommer planschen. Bänke sind da, zwei Tische und eine Rosenpergola. Das Highlight aber sind die Beete: Da der Platz den ganzen Tag Sonne hat, wächst hier grundsätzlich alles. Und das tut es üppig und bunt je nach Jahreszeit: Es duftet und wogt und wiegt sich. Ein Bienenparadies. Doch nicht nur für sie: Alle, die keinen Garten haben – und das sind die meisten – dürfen hier sein und genießen. Das Paradies ist für alle da: früh morgens für die Hundebesitzer, die die Zeit zur Kontaktaufnahme mit anderen Hundeliebhabern nutzen. Vormittags Babies im Kinderwagen und die Senioren. Nachmittags die Kinder. Erwachsene Kinder schieben die alt gewordene Mutter im Rollstuhl an ein sonniges Plätzchen, und wenn es spät wird und die Nächte lau, tummeln sich Jugendliche unter der Pergola und lachen manchen ein bisschen zu laut durch die Spätsommernacht. Ich mag das.

Das Geniale: Der Platz ist deshalb so schön, weil es die Initiative am Markusplatz gibt: Nachbarn, die die Beete pflegen und die Sitzecke angelegt haben. Zweimal im Jahr im Frühjahr und Herbst gibt es einen Großeinsatz. Das Erstaunliche: Der Platz bleibt heil, weil viele sich kümmern und alle ein Auge draufhaben. 

Es kann also gehen, auch wenn die öffentliche Hand knapp bei Kasse ist. Und es braucht solche Orte, wo die Senioren froh in die Sonne blinzeln und sich an spielenden Kindern freuen und die Halbstarken unter sich sein dürfen. Es braucht Grün im Beton und ein Meer an Lavendel für müde Großstadtaugen. Und es braucht uns, die wir das Paradies für alle erhalten.

 

„Gott, der Herr, nahm also den Menschen und setzte ihn in den Garten Eden, damit er ihn bebaue und hüte.“ 

Die Bibel, Buch Genesis, Kapitel 2