Eine historische Kirche mit rotem Dach und einem Holzlatten-Turm, umgeben von Bäumen und einem kleinen Friedhof. Die Architektur ist traditionell, und die Umgebung vermittelt eine ruhige, ländliche Atmosphäre. Eine historische Kirche mit rotem Dach und einem Holzlatten-Turm, umgeben von Bäumen und einem kleinen Friedhof. Die Architektur ist traditionell, und die Umgebung vermittelt eine ruhige, ländliche Atmosphäre.
Eine historische Kirche mit rotem Dach und einem Holzlatten-Turm, umgeben von Bäumen und einem kleinen Friedhof. Die Architektur ist traditionell, und die Umgebung vermittelt eine ruhige, ländliche Atmosphäre.
16.11
2025
08:40
Uhr

St. Annen Friedhof Dahlem

Wenn mir die Stadt zu viel wird, nehme ich den Bus und fahre nach Dahlem. Genauer gesagt: nach Dahlem Dorf. Der Name hält, was er verspricht: der Bus parkt direkt an der Domäne Dahlem: ein altes Gutshaus mit Ställen, Schaubauernhof, Ackerflächen und Misthaufen, Rindern und Pferden. Halb Berlin pilgert dahin, v.a. Eltern mit kleinen Kindern, wenn im Herbst Kartoffelfest ist oder jetzt bald der Weihnachtsmarkt beginnt. Die Zeit scheint stillzustehen dort: Der Horizont ist weiter, die Luft besser, die Uhren ticken langsamer, meine Seele kommt runter. Nach einer Runde über die Felder führt mein Weg zum St. Annen Friedhof. Die Annenkirche ist eine kleine, romanische Backsteinkirche, deren ältesten Teile aus dem 15. Jahrhundert stammen. Oft ist sie geöffnet. Um die Kirche herum liegt der Friedhof. Viele Berliner Persönlichkeiten sind hier begraben - gleich neben dem Haupteingang jemand, den ich persönlich kannte: Helmut Gollwitzer. Er wurde im Dezember 1908 im bayrischen Altmühltal geboren und starb 1993 in Berlin. Ein langes Leben in bewegten Zeiten: Gollwitzer war Pfarrer in Dahlem und schloss sich während der Nazizeit als Christ der Bekennenden Kirche an. Die Nazis erteilten ihm und seiner damaligen Verlobten Eva Bildt ein Heiratsverbot, da sie jüdischer Abstammung war. Sie nahm sich 1945 das Leben. Gollwitzer wurde im Krieg Sanitäter und geriet bei Kriegsende in sowjetische Kriegsgefangenschaft in ein sogenanntes Umerziehungslager. Zurück in Berlin wurde er Professor für Evangelische Theologie an der neu gegründeten Freien Universität Berlin. Er engagierte sich in der Anti-Atomkraft- und in der Studentenbewegung, war ein Weggefährte Rudi Dutschkes, den er später nach einem Attentat auf diesen bei sich aufnahm. Er hat Rudi Dutschke beerdigt. Das Grab liegt nur ein paar Meter entfernt. Ich erinnere den Theologen als klugen, verschmitzten Professor im Cordanzug mit Pfeife – sein Markenzeichen. Ein mutiger Mensch, der seine Studierenden dazu aufforderte, selber kritisch und mutig zu sein. Direkt neben der Kirche liegt nun sein Grab. Auf dem Grabstein stehen die schönsten Worte, die am Ende eines gelebten Lebens stehen können:

Aus seiner Fülle haben wir alle genommen – Gnade um Gnade!"

Die Bibel, Johannesevangelium Kapitel 1.