Ich stehe inmitten einer kleinen Siedlung im Land Brandenburg. Vor mir auf dem kleinen Platz ragen die Rotorblätter eines Hubschraubers in den blauen Himmel. Hier, wo ich stehe, ist Berlin 600 mal 200 Meter groß und außer dem Denkmal vor mir erinnert wenig an die kuriose und bewegte Geschichte dieses Ortes, den Bauern vor über 250 Jahren weitab von ihrem Wohnsitz erworben haben.
Der Fachbegriff dafür ist Exklave, lateinisch: “ausgeschlossen”. Bis heute ist Steinstücken ein Teil von Berlin, vollständig umschlossen vom Land Brandenburg, bis zur Stadtgrenze ist es ca. 1 km. Kaum jemandem, der sich hierher verirrt, fällt das auf. Zu Zeiten der Berliner Mauer allerdings konnte man diesen Teil West-Berlins, wenn man dort nicht wohnte, nur mit dem Hubschrauber erreichen. Es gab Passierscheine für die ca. 180 Einwohner, 3 amerikanische Wachposten und die Post durfte den Waldweg befahren, der durch das DDR-Grenzgebiet nach Kohlhasenbrück führte. Das alles nur, weil bei der Teilung Deutschlands akribisch auf die Stadt- und damit auch die neuen Sektorengrenzen geachtet wurde und sich in den 50er Jahren die Einwohner gegen eine Besetzung der DDR-Volkspolizei zur Wehr setzten, die das Gelände stürmen und besetzen wollte. Die Menschen, die dort ausgeschlossen lebten, fühlten sich als West-Berliner Bürger, auch wenn das oftmals mühsam und anstrengend war.
Heute erlebe ich in unserer Gesellschaft das genaue Gegenteil, Menschen kapseln sich ab, ziehen sich zurück in ihre Gruppe, ihre Blase, wollen mit den anderen nichts mehr zu tun haben. Die Gräben und Mauern sind nicht zu übersehen. Auch in der neuen Weltordnung scheint dieses Modell immer beliebter zu werden. Wir allein, wir zuerst, alle anderen danach oder sie sollen am besten gleich ganz weg bleiben. Dabei gehören wir doch alle zusammen - eine Menschheit, eine Welt und nur zusammen können wir die Probleme lösen, vor denen wir im Kleinen und im Großen stehen. Nicht Exklave, ausschließen, sondern aufgeschlossen sollen wir einander begegnen, sagt schon der Apostel Paulus. Für ihn liegt der Schlüssel dazu in der Liebe Gottes, vor der wir alle gleich sind.
Seid untereinander eines Sinnes; strebt nicht hoch hinaus, sondern bleibt demütig! Vergeltet niemandem Böses mit Bösem! Seid allen Menschen gegenüber auf Gutes bedacht! Soweit es euch möglich ist, haltet mit allen Menschen Frieden! (Die Bibel, Brief an die Römer Kapitel 12, Verse 14-16)