Der satte Sound der Gitarren macht Druck, das Schlagzeug treibt nach vorn, für Heavy Metal hat der Sänger eine überraschend klare Stimme: „Fear of the dark“ – „Angst vor der Dunkelheit“ singt er - und weiter: „Ich hab‘ dauernd die Angst, dass immer etwas nahe ist. Ich hab‘ ne Phobie, dass immer jemand da steht.“ „Fear of the dark“ Ich singe, nein, ich gröle den Refrain mit, hüpfe, strecke die Arme nach oben. Wie 22.000 andere Fans.
Wir sind in der Waldbühne. Seit Monaten habe ich auf dieses Konzert hingefiebert. Meine Heavy Metal Helden aus der Jugendzeit feiern fünfzig jähriges Bühnenjubiläum: Iron Maiden aus England. Ich bin mit meinen beiden besten Schulfreunden da. „Wie cool ist das denn hier bitte!?“ Einer von ihnen guckt sich im großen Rund um. Wie ein überdimensioniertes antikes griechisches Theater. Rundherum alles grün. Mitten in der Stadt. Der perfekte Ort für mitreißende Sommerkonzerte.
Das riesige Maskottchen von Iron Maiden schreitet auf die Bühne. Ein schreckliches Vieh. Eddi heißt es. Ich finde es einfach nur abscheulich und gewaltverherrlichend. Eine absolute Übertreibung. Wie auch die Liedtexte und die Performance der Musiker. Ich finde es trotzdem faszinierend, großartig, seit Jahrzehnten. Aber warum? Warum gröle ich so laut mit: „Fear of the dark“? Als Pfarrer stehe ich doch wirklich genau für das Gegenteil. Für Mut und Licht. Iron Maiden singen dagegen so übertrieben vom Bösen, inszenieren es auf so Alptraum-ähnliche Weise, dass es genau dadurch mir keine Angst mehr macht. Ich gröle, schreie meine Angst raus vor der ganzen Gewalt und dem Teuflischen auf der Welt. Die kraftvollen Melodien sind stärker, schöner als der ganze dunkle Mist.
Es ist verrückt: Nach dem Konzert in der Waldbühne fühle ich mich leichter, zuversichtlicher. Nehme dieses Gefühl mit: Das Böse wird nicht siegen, sondern das Licht und die Lebensfreude.
„Geht durch’s Leben als Kinder des Lichts; die Frucht des Lichts ist lauter Güte, Gerechtigkeit und Wahrheit.“
Die Bibel, Epheserbrief Kapitel 5