Berlin ist voll von Bänken. Manche sind schön. Andere eher nicht.
Und es gibt zwei Bänke, an die ich oft denken muss.
Die erste steht an der Yorkstraße vor dem Bürgeramt.
Eine ziemlich laute Ecke. Autos, Verkehr, Beton. Aber genau dort haben sich Nina und Basti oft getroffen. Nach der Arbeit saßen sie auf dieser Bank und erzählten sich von ihrem Tag. Das war ihr Ort. Als ich die beiden später verheiratet habe, wollte ich diese Bank unbedingt sehen. Ich stand also vor dem Bürgeramt und dachte: Das kann unmöglich die richtige Bank sein. Ich setzte mich hin — und musste lachen.
So ein unromantischer Ort! Doch blieb sie für die beiden der romantischste Ort Berlins.
Es kommt eben nicht darauf an, wie ein Ort aussieht.
Sondern darauf, was dort geschieht.
Die zweite Bank steht vor der Samariterkirche. Dort saß jeden Tag Peggy.
Peggy war obdachlos. Und fast nie allein. Menschen blieben bei ihr stehen, redeten mit ihr, erzählten ihr Geschichten. Für viele im Kiez gehörte sie einfach dazu. Sie hatte für jeden ein gutes Wort übrig.
Im letzten Winter ist Peggy gestorben. Ihr Tod hat viele berührt. Am Tag ihrer Beerdigung standen Nachbarinnen und Nachbarn auf den Stufen der Kirche, Menschen von der Straße, Kneipenbesitzer, Freunde.
Eine Gemeinschaft, die sich um diese eine Bank herum gebildet hatte. Wochenlang lagen Blumen auf den Stufen der Kirche. Menschen stellten Kerzen auf. Sie schrieben Briefe an Peggy.
Immer wenn ich heute dort vorbeifahre, denke ich an Peggy.
Und ich frage mich, wie viele Geschichten sie auf dieser Bank wohl gehört hat.
Wie viele Sorgen. Wie viel Einsamkeit. Wie viel Lachen.
Bänke wirken oft unscheinbar. Aber eigentlich sind sie etwas Besonderes. Sie machen eine Stadt menschlicher. Sie schaffen Orte der Begegnung und Zuflucht.
Eine Bank kostet nichts.
Man muss nichts bestellen, nichts besitzen, nichts leisten, um dort sitzen zu dürfen.
Ich finde, Bänke sind deshalb auch ein schönes Bild für Gottes Geist an Pfingsten.
Der Geist Gottes weht nicht nur in Kirchen.
Er weht dort, wo Menschen einander zuhören.
Wo Trost geteilt wird. Mitten in Berlin.
Auf einer Bank vor dem Bürgeramt.
Oder auf einer Bank vor einer Kirche.
„Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen.“
Die Bibel, Matthäusevangelium 18,20