Eine Skulptur oder Statue steht im Hintergrund, umgeben von hohem Gras und sanften Lichtschimmern. Der Vordergrund zeigt verschwommene, glitzernde Grasstrukturen, während die Szene eine ruhige und mystische Stimmung ausstrahlt. Die Lichtverhältnisse sorgen für starken Kontrast zwischen Schatten und Licht. Eine Skulptur oder Statue steht im Hintergrund, umgeben von hohem Gras und sanften Lichtschimmern. Der Vordergrund zeigt verschwommene, glitzernde Grasstrukturen, während die Szene eine ruhige und mystische Stimmung ausstrahlt. Die Lichtverhältnisse sorgen für starken Kontrast zwischen Schatten und Licht.
Eine Skulptur oder Statue steht im Hintergrund, umgeben von hohem Gras und sanften Lichtschimmern. Der Vordergrund zeigt verschwommene, glitzernde Grasstrukturen, während die Szene eine ruhige und mystische Stimmung ausstrahlt. Die Lichtverhältnisse sorgen für starken Kontrast zwischen Schatten und Licht.
06.04
2026
10:00
Uhr

„Andere werden weitererzählen“ - Eine evangelische Meditation zum Osterfest

Von Pfarrerin Barbara Manterfeld-Wormit, Sprecher: Jens Schäfer

Autorin Take 1

Ich gehe gerne über Friedhöfe. Ich schätze die Ruhe dort und die Natur. Den Raum für die Erinnerung. Ein Stück Leben wird hier aufbewahrt und ihm Bedeutung beigemessen – noch über den Tod hinaus. Ein Name wird erinnert, nicht nur der von Prominenten. Trauer hat hier einen Ort, und dieser Ort ist öffentlich. Er bleibt nicht nur den engsten Angehörigen, dem eigenen Ehepartner, Eltern, Kindern, Freunden vorbehalten. Auch andere gehen am Grab vorüber, bleiben vielleicht stehen, die die Tote gar nicht kannten oder erstaunt zum anderen sagen: Ach schau mal, hier liegt ja…. Es kommen auch Menschen, die eine Verbindung mit dem Verstorbenen hatten, von der niemand weiß. Sie kommen in einer stillen, unbeobachteten Stunde. Hinterlassen vielleicht ein Licht, eine einzelne Blume, halten Zwiesprache. Friedhöfe mit ihren Gräbern sind ein Ort, wo auch die willkommen sind, die sich im Leben nicht aussöhnen, nicht rechtzeitig verabschieden konnten. Wo Rechnungen offengeblieben sind. Schuld nicht beglichen wurde. Liebe zu kurz gekommen ist. Friedhöfe sind Orte der Begegnung mit der Vergangenheit. Damit Aufbruch ins eigene Leben wieder möglich wird. Friedhöfe bleiben daher wichtig, weil sie zeigen: Leben in all seiner Verletzlichkeit, Gebrochenheit und Kostbarkeit verdient es, erinnert zu werden. Und immer ist da, wo unsere Gräber sind, auch eine vage, völlig irrationale Sehnsucht und Hoffnung, es möge doch noch Leben möglich sein – ein Hauch nur, eine Spur – und die Liebe möge doch stärker sein als der Tod. Die dänische Schriftstellerin Tove Ditlevsen schrieb im Jahr 1947 dieses Gedicht mit dem Titel Zum letzten Mal – Hoffnung auf Leben und Lebendigkeit über den Tod hinaus. Ein Ostergedicht:

Sprecher 1:

Wenn ich tot bin und mit dem Licht der Welt

zu Sternenstaub zerfallen werde,

bettet mich einfach auf ein Feld

in feuchte braune Erde.

Kein Sarg soll seinen tödlichen Deckel

Auf meine sterbliche Hülle legen,

ich will Schritten lauschen, die kommen und gehen,

auf nahen, belebten Wegen.

Aus: Tove Ditlevsen, Da wohnt ein junges Mädchen in mir. Gedichte. Aufbau-Verlag Berlin 2026, S.56    

Musik 1 Phil Glass, Violon Concerto No. 2: „The American Four Seasons“: II., Interpreten: Piotr Plawner Violine, Berner Kammerorchester Ltg. Philippe Bach – Länge: 2.22 min

Sprecher Take 2: 

Und ich erzähle:

Als der Sabbath vergangen war, kauften Maria aus Magdala, Marie, die Jakobus‘ Mutter war, und Salome duftendes Öl und kostbaren Balsam, um zum Grab zu gehen und den Toten zu salben.

Es war noch sehr früh, noch Dämmerung, der erste Wochentag:

Als sie das Grab erreichten, ging die Sonne auf, und sie dachten voll Sorge,

wer den Stein wegwälzen könne an ihrer Statt: „Wer wird stark genug sein?“

Und sie schauten empor und sahen, dass der Stein, ein gewaltiger Felsbrocken,

schon fortgewälzt war, und sie gingen hinein

und sahen in der Grabeshöhle, zur Rechten, eine Gestalt sitzen,

sehr jung, bekleidet mit einem langen Mantel, der war hell wie Schnee,

und die Frauen erschraken und fürchteten sich.

Er aber – ein Jüngling? Ein himmlischer Bote? – sagte zu ihnen:

„Habt keine Furcht, ihr, die ihr Jesus, von Nazareth, den Gekreuzigten, sucht.

Er ist auferweckt worden.

Schaut – hier! – den Ort an, wo sie ihn hingelegt haben: Er ist fort.

Rasch darum! Sagt seinen Schülern und Petrus:

„Er geht euch voran nach Galiläa. Dort seht ihr ihn wieder, wie er’s euch versprochen hat.“

Und sie gingen hinaus, liefen so schnell sie konnten,

fort! Fort vom Grab!

Und zitterten und waren außer sich vor Angst, und sagten niemandem ein Wort,

denn sie fürchteten sich.

(Aus: Walter Jens, Die vier Evangelien. Stuttgart 2003, S.140, Markus 16, ff.)


 

Autorin Take 2:

„Sie fürchteten sich…“ - so endete ursprünglich die Ostererzählung des Evangelisten Markus. Es ist das älteste Osterevangelium der Bibel - hier in einer Übersetzung des 2013 verstorbenen Schriftstellers Walter Jens. Tastend kommt die Osterbotschaft ans Licht. Wischt die Trauer nicht einfach weg. Auch nicht das Trauma des gewaltsamen Sterbens und Todes Jesu am Kreuz – so wie kein Sterben spurlos an denen vorbeigeht, die es miterleben, die unter dem Kreuz stehen oder an der Front, an einem Unfallort oder Sterbebett. Die die Hand halten und aushalten, dass ein geliebter Mensch gehen muss.

Das älteste Osterevangelium ist ehrlich: Am Ende des Sterbens bleiben Schweigen und Angst – auch an diesem Ostermorgen. Die Nachricht von der Auferstehung Jesu fegt die Erschütterung der Hinterbliebenen nicht einfach weg. Trauer wird nicht plötzlich ausgeknipst wie ein Lichtschalter. Tränen nicht weggewischt und durch Lachen ersetzt. Es ist nicht einfach alles gut – und nicht alles, wie es war. Es bleibt alles anders. Jeder Grabstein ist wie eine Markierung, dass der Tod nicht verrückbar ist, sondern tatsächlich ein Ende markiert. Gläubige konnten damals den Schluss des Markusevangeliums so nicht stehen lassen. Sie verfassten kurzerhand einen zweiten, den sie anhängten so wie eine Fortsetzungsstaffel einer Serie folgt. Damit die Geschichte Jesu und unsere weitergeht. Und so endet das Markusevangelium heute mit einem offenen Bekenntnis und wirft einen Blick in die Zukunft:

Sprecher Take 3:

Dies ist meine Erzählung.

Andere werden weiterzählen und zu Ende bringen, was später geschah:

Wie er den Menschen erschienen ist, Maria Magdalena und seinen Schülern,

und auffuhr zum Himmel, wo er zur Rechten Gottes sitzt, von Ewigkeit zu Ewigkeit. Amen.


 

Musik 2 Phil Glass, Violon Concerto No. 2: „The American Four Seasons“: II. , Interpreten: Piotr Plawner Violine, Berner Kammerorchester Ltg. Philippe Bach – Länge: 1.35 min
 

Autorin Take 3:

“Andere werden weitererzählen…” – das ist vielleicht die Botschaft des Osterfests. Sie besagt: Ostern ist nichts ohne uns, die Lebenden. Ostern lebt vom Glauben an die Zukunft und von der Verbindung zu denen, die vor und mit uns waren und sind. Und so geht auch die biblische Geschichte weiter. Jesus erscheint seinen Jüngerinenn und Jüngern. Immer wieder – an verschiedenen Orten. Die Begegnungen sind wie eine Vergewisserung seiner Gegenwart. Indem er mitgeht unterwegs nach Emmaus. Indem er sich von Thomas berühren lässt. Indem er immer wieder denen erscheint, die mit ihm waren. Bis er sich wirklich sicher sein kann: Jetzt kann ich gehen. Jetzt seid ihr stark genug. Jetzt seid ihr getröstet. Jetzt steht ihr wieder mit beiden Beinen in Eurem eigenen Leben. Jetzt könnt ihr weitermachen mit dem, was ich begonnen habe. Jetzt seid ihr mutig und stark! Jesus, der Auferstandene, wirkt wie ein Trauerbegleiter. Er geht mit durch die unterschiedlichen Phasen der Trauer, hält aus, bleibt da – solange wie nötig. Später dann – an Himmelfahrt – wird er sich verabschieden. Wie es im apostolischen Glaubensbekenntnis heißt: aufgefahren in den Himmel.     

Musik 3 Phil Glass, Violon Concerto No. 2: „The American Four Seasons“: II. , Interpreten: Piotr Plawner Violine, Berner Kammerorchester Ltg. Philippe Bach – Länge: 1.36 min

Autorin Take 4:

Ostern beginnt an einem Grab. Im biblischen Jerusalem war es üblich, die Toten in Gräbern draußen vor der Stadt zu beizusetzen. Das Grab Jesu lag in einer Höhle, verschlossen mit einem großen Stein, unverrückbar für einen einzelnen Menschen. Die Totenruhe galt es zu schützen – das ist so geblieben bis heute. Ein Ort des Friedens sollen Friedhöfe sein. Die Störung der Totenruhe - das unbefugte Öffnen und Schänden eines Grabes ist eine Straftat. Leib und Seele des Toten sollen zur Ruhe kommen – und damit die Seele der Hinterblieben auch.

Auf diesem Hintergrund erschließt sich auch das tiefe Erschrecken, das die österlichen Erzählungen der Bibel begleitet: das Entsetzen der Frauen am Grab darüber, dass das Grab geöffnet, der Leichnam Jesu nicht mehr da ist, wo er zur letzten Ruhe gebettet wurde.

Sprecher Take 4:

Maria stand draußen vor dem Grab und weinte. Als sie nun weinte, beugte sie sich in das Grab hinein und sieht zwei Engel in weißen Gewändern sitzen, einen zu Häupten und den anderen zu den Füßen, wo der Leichnam Jesu gelegen hatte. Und die sprachen zu ihr: Frau, was weinst du?

Sie spricht zu ihnen: Sie haben meinen Herrn weggenommen, und ich weiß nicht, wo sie ihn hingelegt haben. Und als sie das sagte, wandte sie sich um und sieht Jesus stehen und weiß nicht, dass es Jesus ist. Spricht Jesus zu ihr: Frau, was weinst du? Wen suchst du?  

Sie meint, es sei der Gärtner, und spricht zu ihm: Herr, hast du ihn weggetragen, so sage mir: Wo hast du ihn hingelegt? Dann will ich ihn holen.

Spricht Jesus zu ihr: Maria!

Da wandte sie sich um und spricht zu ihm auf Hebräisch: Rabbuni!, das heißt: Meister!

Spricht Jesus zu ihr: Rühre mich nicht an! Denn ich bin noch nicht aufgefahren zum Vater. Geh aber hin zu meinen Brüdern und sage ihnen: Ich fahre auf zu meinem Vater und eurem Vater, zu meinem Gott und eurem Gott.

Maria Magdalena geht und verkündigt den Jüngern: „Ich habe den Herrn gesehen“, und was er zu ihr gesagt habe. 

(Johannes 20, 11-18)

Autorin Take 5:

So schildert das Johannesevangelium die Geschehnisse am Ostermorgen. Und vollzieht damit auf anrührend empathische Weise nach, was einem Menschen widerfährt, wenn jemand stirbt, den dieser Mensch liebte: die Sehnsucht, dem Verstorbenen nahe zu sein. Der Wunsch, ihn auch im Tode noch zu beschützen, einen Ort zu haben, an dem man ihn besuchen kann – fast so wie im Leben. Die tiefe Verbindung durch den Klang seiner Stimme und die Anrede, die so nur dem anderen galt.

Ostern ist der Moment, wo diese tiefe Verbindung spürbar wird – über den Tod hinaus ragt sie ins Leben: in neuer, veränderter Gestalt.

In diesem Winter berührte ein Kinofilm viele Herzen. Die Verfilmung eines Romans des Schauspielers und Autors Joachim Meyerhoff mit dem Titel Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke. Ein autobiographischer Roman, Meyerhoff beschreibt darin die Zeit seiner Ausbildung an der Schauspielschule München. Er wohnte damals bei seinen Großeltern, die prägend für ihn waren. Am Ende des Romans sterben erst der Großvater, dann die Großmutter. Das Haus wird verkauft. Ein trauriger Abschied, das Ende einer Lebensphase und der eigenen Kindheit. Doch der Schluss des Romans klingt wie eine moderne Fassung der Ostererfahrung, die Maria Magdalena damals in der Begegnung mit dem Auferstandenen machte. Meyerhoff schreibt:

Sprecher Take 5: 

„Meine Großeltern haben nichts an Deutlichkeit verloren. Ihnen hat der Tod am wenigsten anhaben können. Liegt es daran, dass sie so alt geworden sind, sie soviel mehr Lebenszeit hatten als Vater und Bruder? Kaum, dass ich an sie denke, sind sie auch schon da, sitzen in ihren Sesseln und stoßen mit mir an. Verlässlicher Besuch aus dem Totenreich. Es kommt mir so vor, als würde es sie freuen, wenn ich mich an sie erinnere. Mit offenen Armen empfangen sie mich, und der Unterschied zwischen einem echten besuch bei ihnen, als sie noch am Leben waren, und einem Gedankenbesuch, verfliegt. Wie auch immer sie das geschafft haben, die Vergänglichkeit verschont sie und die Zeit trägt sie, wann immer ich es will, bereitwillig auf Händen zu mir. Ganz und gar lebendig.“

Aus: Joachim Meyerhoff, Ach, diese Lücke, diese entsetzliche Lücke. Verlag Kiepenheuer & Witsch Köln 122018, S. 347 F.

Musik 4 Phil Glass Etudes Vol. 1, Interpret Iwo Jedynecki, Track 2 Etude Two, Länge: 0:42 min

Sprecher Take 6:

Was heißt Auferstehung?

Jedem von uns ist Ostern, seit er ein Kind ist, mit der Freude über den kommenden Frühling, mit all dem Glück, das uns die warme Sonne ins Herz legt, ein Fest geworden, das ihm ans Herz gewachsen ist, an dem er hängt mit mancherlei freundlichen Erinnerungen, von denen er sich nicht trennen möchte. Wer von uns möchte auch nur um einen Frühling seines Lebens ärmer sein?

Was heißt Auferstehung und was kann sie für uns bedeuten? ...

Es ist die überwältigende Tatsache des immer sich erneuernden Frühlings gewesen, die die Menschheit in aller Welt etwas ahnen ließ von einem Urkampf zwischen Finsternis und Licht, in dem nach hartem Ringen das Licht den Sieg davon trägt …

Jedes Jahr erneuert sich das ungeheure Schauspiel der Natur und weckt in der Menschheit eine Ahnung von einer Auferstehungshoffnung: alles Dunkel muss endlich hell werden.

Das ist ein Gesetz der Natur, ja, das Dunkel ist ja gar nicht eigentlich ein Wesen für sich; es besteht ja nur darin, dass das Licht nicht da ist, ein Strahl der Sonne vernichtet es.

Und die Sonne kommt, kommt ganz gewiss,

und mit ihr die Auferstehung der Natur. Im Tode der Natur liegen schon die Keime des Lebens.

Musik 5 Phil Glass Etudes Vol. 1, Interpret Iwo Jedynecki, Track 2 Etude Two, Länge: 0:41 min

Autorin Take 6:

„Alles Dunkel muss hell werden“ - so beschreibt der evangelische Theologe und Widerstandskämpfer Dietrich Bonhoeffer das unbegreifliche Wunder, das Ostern geschieht. Alles Dunkel muss hell werden – die Schöpfung macht es vor – jedes Jahr – auch da, wo Krieg herrscht, auch da, wo die Trauer wohnt. Gerade da muss es hell werden. Das meint auch der frühchristliche Osterruf Der Herr ist auferstanden, auf den die österliche Gemeinde dann antwortet mit einem fast trotzigen, selbst vergewissernden: Er ist wahrhaftig auferstanden! Ein Bekräftigen, ein Festhalten, eine Forderung: Ja, alles Dunkel muss hell werden – dem Tod bitte keine Macht mehr, der Kälte und dem Sterben nicht - dem Leben den Sieg! Das ist die Osterbotschaft. Sie wird jedes Jahr auf`s Neue hörbar. Sie lässt sich spüren auf dem Balkon, draußen in den Gärten, auf den Feldern und in Wäldern, nimmt Gestalt an in Formen und Farben, Tönen und Gerüchen. Auferstehung mit allen Sinnen… 

Musik  6 Phil Glass: Etudes No. 17, Interpretin: Vanessa Wagner, Länge: 2:53 min

Autorin Take 7:

Ein Osterspaziergang über den Heidelberger Bergfriedhof. Wege schmiegen sich den Berghang hinauf – auf einem der höchsten liegt die Grabstätte der Dichterin Hilde Domin. Wie könnte es anders sein, findet sich auf ihrem Grabstein ein Auszug aus einem ihrer Gedichte: Ich setzte den Fuß in die Luft – und sie trug.

Ich liebe diesen Ort hoch oben zwischen alten Bäumen, dem Himmel ganz nahe. Die Worte von Hilde Domin klingen dabei wie ein Osterruf: Ich setze meinen Fuß in die Luft – obwohl ich weiß, dass das nicht geht, ohne zu fallen. Ich wage dieses Leben – obwohl ich weiß, dass es endlich ist. Ich traue mich, loszugehen ohne zu wissen, was geschieht. Ich vertraue darauf, dass ich getragen werde - auch am Ende noch, wenn kein Mensch mit mir gehen kann. Ich setze meinen Fuß in die Luft – und sie trägt. Weil schon einmal etwas so Unglaubliches geschehen ist: Der HERR ist auferstanden – Er ist wahrhaftig auferstanden. „Ich bin ein Dennoch-Mensch!“ sagte Hilde Domin über sich selbst: „Mein Glaube ist, dass man dennoch Vertrauen, dennoch Zuversicht haben kann.“     

Musik  7 Phil Glass: Etudes No. 17, Interpretin: Vanessa Wagner, Länge: 1:24 min

Autorin Take 8:

Ostern ist das Fest der Auferstehung. Das hat etwas mit Bewegung zu tun. Der Glaube, dass Christus von den Toten auferstanden ist, ist nicht nur eine Hoffnung, dass nach dem Tod noch etwas kommt, dass mit unserem Sterben nicht alles zu Ende ist. Leben von Ostern her heißt, sich nicht entmutigen zu lassen. Stark zu bleiben. Mit Hilde Domin gesprochen: seinen Fuß mutig und beherzt in die Luft zu setzen im Vertrauen darauf, dass sie trägt. „Dennoch-Mensch“ zu sein. Bewusster und anders zu leben in einer Welt, die sich selbst an so vielen Orten das Grab schaufelt – es jedenfalls zu versuchen.

In einem Gebet eines Unbekannten, das dem Heiligen Franz von Assisi zugeschrieben wird, kommt diese Haltung zum Ausdruck. Ostern ist ein Weg – nicht das Ziel, sondern der Anfang von etwas Neuem. Österlich leben beschränkt sich nicht auf ein christliches Fest und ein paar Feiertage, sondern prägt mein ganzes Sein. Ostern, die Botschaft des Auferstandenen, will weiter gehofft und geglaubt und weitererzählt werden. Überall, wo heute gestorben und getrauert wird, wo keine Hoffnung mehr ist und keine Zuversicht, dass es mit dieser Welt und uns doch eines Tages gut gehen könnte. Genau da kommt dieser Stein ins Rollen, der Gräber verschließt und Herzen. Er wird weggewälzt. Ostern kommt Licht herein und wieder Luft zum Atmen. Und Glaube kann wachsen, dass ich selber teil der Botschaft von damals bin - mit meinem ganzen Leben:

Sprecher Take 7:

O Herr, mache mich zum Werkzeug deines Friedens,

daß ich Liebe über, wo man sich haßt,

daß ich verzeihe, wo man sich beleidigt,

daß ich verbinde, da, wo Streit ist,

daß ich die Wahrheit sage, wo Irrtum herrscht,

daß ich den Glauben bringe, wo der Zweifel drückt,

daß ich ein Licht anzünde, wo die Finsternis regiert,

daß ich Freude mache, wo der Kummer wohnt.

Herr, laß du mich trachten:

Nicht, daß ich getröstet werde, sondern daß ich tröste;

Nicht, daß ich verstanden werde, sondern daß ich verstehe;

Nicht, daß ich geliebt werde, sondern daß ich liebe.

Denn wer da hingibt, der empfängt;

Wer sich selbst vergißt, der findet;

Wer verzeiht, dem wird verziehen;

Und wer stirbt, erwacht zum ewigen Leben.

(zit. aus: Evangelisches Gesangbuch No. 825) 


 

Schlussmusik Phil Glass Soundtrack The HoursTrack 13 Choosing Life Länge: 4:01 min