Liebe Hörerinnen und Hörer,
haben sie schon gesungen heute? O du fröhliche. Oder: Vom Himmel hoch, da komm ich her. Weihnachten hat ja viele Ohrwürmer, vielleicht der einzige Anlass im Jahr, wo wir miteinander so viel und öffentlich singen. Schon das hat Himmlisches an sich. Wenn Menschen gefragt werden, was sie auf jeden Fall mit dem Fest verbinden, lautet die Antwort ziemlich einhellig: Kartoffelsalat. Und Weihnachtslieder. Quasi ein Muss.
Warum, das lässt sich in drei Schritten ergründen. Erstens: Singen führt mich zurück in die Jahre, die schon waren, in Kinder- und Jugendtage, in ferne und manchmal auch harte Zeiten, naja, jetzt ist ja auch nicht leicht gerade. Aber: immer schon waren da diese Lieder, als ob der Gesang aus der Zeit vor der Zeit käme, als ob am Anfang der Welt das Singen ist. Wo die Augen wieder leuchten und du in allen Augen Kinderaugen erkennen kannst: Alle Kinder Gottes. Weihnachtslieder sind Schöpfungsbewahrung. Die Welt, wie sie sein soll, in ihrer Ordnung der Klänge und der Liebe. Wenn es heißt, dass Weihnachten Gott das Paradies wieder aufschließt, dann sind es wohl eben diese Lieder, die jedes Jahr der Schlüssel zur Tür sind. Der Sänger dieses Liedes ist gerade dort angekommen: Chris Rea: Driving home for Christmas. Auch deshalb der beliebteste Song, weil er all das zusammenbringt: Zu Hause, Anfang von allem, von mir, von dir, und das Fest.
Zweitens – und das wird vielen von uns so gehen: leicht schleicht sich beim Hören der Weihnachtslieder eine Träne ins Auge. Man weiß manchmal gar nicht, warum: Etwas löst sich. Ist ja auch das Fest der Erlösung, wo Heilsames geschehen kann: Worte fallen, auf die man lange gewartet hat. Ich seh‘ dich. Ich bin für dich da. Gut, dass du da bist. Wiedersehen. Überraschungen auch, nicht nur unter den Geschenken. Etwas kommt in Fluss und Lieder schaffen, dass es sich leichter in uns löst. Die Wut, die da war. Der Pfropfen der Einsamkeit womöglich auch. Singen verbindet. Der Welt dieses alle Jahre wieder also entgegen summen. Ja, die Welt heute ist gestimmt auf gelöst. Ach, bitte: Dass die Soldaten auf den Kriegsfeldern die Waffen weglegen, dass da, wo Streit sich anbahnt, im Großen wie im Kleinen, dass da einer anfängt zu summen stille Nacht, heilige Nacht – wie leise angeklopft. Nun, wenn sich was löst, muss es ja raus, und auch das passiert oft beim Fest, dass es knallt – schöne Bescherung! – es lohnt nicht wirklich, diese vertraute Spannung zu umschiffen. Durchgehen ist verheißungsvoller. Weiß auch ein Lied: Maria durch ein Dornwald ging, in dieser Nacht – so die Verheißung – sollen die Dornen Rosen tragen – wird Miteinander und ja, auch Frieden wirklicher, möglicher.
Drittens: Weihnachtlieder sind keine Beruhigungslieder. – wer sie anstimmt, stimmt in die Botschaft ein: Wir sind füreinander da, als Gesellschaft für die, die wie Jesus bei der Geburt Flüchtlingskinder sind, die sich nach einem Dach und Essen sehnen, überhaupt für die in unserem Land, die nicht ein noch aus wissen in aller Armut, während andere von den Zinsen der Boni leben.
Kein Weihnachten deshalb ohne dieses Lied vom Miteinander am Ende im hohen Himmelssaal – eia wärn wir da. Mein Lieblingslied heute. Etwas davon soll jetzt schon sein und weiter klingen bei uns im großen Miteinander: frohe, gesegnete Weihnachten.