Guten Morgen, liebe Hörerinnen und Hörer,
was für ein Glück: dieser Frühling in der Stadt - das Grün, die Wärme, die Sonne, die ich so lange vermisst habe. Der Dichter Paul Gerhardt, vermutlich der bekanntes Liederdichter der evangelischen Kirche, hat das alles in seinen Liedern auf den Punkt gebracht: Geh aus, mein Herz, und suche Freud zum Beispiel: ein Natur- und Sommerlied. Wenn man es bis in die hinteren Strophen singt, stellt man fest, wie da Gottes Liebe in der Schöpfung besungen wird, wie alles ein Abbild für Gottes Segen ist. Ach schön, ich erinnere daran auch, weil wir im nächsten Monat Paul Gerhardts 350. Todestag begehen – Berliner war er, auf Zeit jedenfalls, Pfarrer im Nicolaiviertel und später dann Pfarrer im schönen Lübben im Spreewald. Dies Jahr ist so gesehen ein Paul Gerhardt-Jahr und Grund zum Feiern, ich könnte viel dazu erzählen.
In dieser Woche muss ich allerdings noch etwas anderes sagen: Es gab in diesen Tagen einen Angriff auf einen unserer Pfarrer in Cottbus, gar nicht weit von Lübben entfernt, und zwar auf seine Privatwohnung. Unser Studierendenpfarrer dort ist ein leidenschaftlicher Verfechter der gleichen Würde aller Menschen, er engagiert sich seit Jahren dafür, ist mit vielen im Einsatz gegen Hass und für die Menschenrechte. Dies war nicht der erste Angriff auf uns als Kirche, aber es ist der erste in dieser gewalttätigen Weise direkt gegen eine Person, gegen ihn. Das ist nicht hinnehmbar.
Ich verurteile diesen Angriff scharf, und ich tue das laut und öffentlich. Meine Kirche tut es – quer durchs Land. Dieses öffentliche Eintreten gilt natürlich nicht nur unseren Pfarrerinnen und Pfarrern und allen kirchlich Engagierten, es gilt für all die vielen, die sich in Berlin, Brandenburg und an anderen Orten in diesem Land klar gegen jede Form von Hass und Hetze einsetzen und denen immer wieder Diffamierung und Einschüchterung entgegenschlagen - diese Woche hat es schrecklich gezeigt. Wir dürfen das auf keinen Fall stillschweigend dulden. Es braucht deutliche Reaktionen – und ja: auch ein Bekenntnis: Wir stehen an der Seite derer, die Menschenwürde schützen, und wir müssen den Mund auftun, wie es in der Bibel immer wieder heißt. Ein Beschweigen solcher Drohungen und Taten spornt nur die an, die Menschen klein machen, in Angst versetzen und Freiheitsräume nehmen wollen.
Neben der Polizei bietet deshalb vor allem Öffentlichkeit Schutz. Und zwar eine Öffentlichkeit, die nicht wegschaut. Darüber hinaus gilt, dass wir trotz Spardrucks Programme für Demokratie und Prävention zum Schutz vor Gewalt brauchen. Hass schadet der Seele, lautet ein Leitspruch unserer Kirche. Der könnte glatt von Paul Gerhardt stammen, denn Gottes Liebe – so kann man mit seinen Liedern singen – tut der Seele gut.