10.01
2026
08:40
Uhr

Auf der Flucht

Für andere da sein

In der Bibel geht es ganz schnell.

Gerade noch ist das Baby Jesus mit seinen Eltern dem „Kindermord“ über die Flucht nach Ägypten entkommen, schon sind knapp dreißig Jahre vergangen und Jesus wird von Johannes dem Täufer im Jordan getauft.

Historiker und Theologen sind sich einig, die sogenannten Kindheitsgeschichten sind keine exakten Tatsachenberichte. Aber es steckt doch Wahrheit darin: Gottes Sohn wird nicht im Königspalast geboren, sondern im Stall und die Mächtigen fühlen sich in ihrer Macht bedroht. Die Heilige Familie musste fliehen. Davon können und dürfen wir als Christen nicht absehen.

Das hat Folgen bis heute. Im Umgang mit Flucht, Migration und Asyl wird den Kirchen oft Naivität und Blauäugigkeit vorgeworfen. Es bräuchte bessere Lösungen. Besonders, wenn es um die Gewährung der wenigen Fälle von Kirchenasyl und die erneute Prüfung von Einzelfällen geht.

Ich räume ein: diese besseren oder gar einfachen Lösungen haben wir noch nicht, und dennoch müssen wir klar auf der Seite derer stehen, die Schutz brauchen, die aus Angst um Leib und Leben fliehen.

„Die christliche Hoffnung ist kämpferisch“, sagte Papst Franziskus, „das Evangelium ruft uns auf, ja es verlangt geradezu von uns, ‚Nächste‘ der Geringsten und Verlassenen zu sein“, so der verstorbene Papst weiter.

Menschen fliehen vor Krieg und Hunger. Sie sind zu einem hoffnungsvolleren Leben aufgebrochen. Ihnen dürfen wir unsere Unterstützung nicht verweigern.

Wir handeln dabei nicht isoliert als katholische Kirche in Deutschland. Über Partner und Bistümer in der ganzen Welt arbeiten wir daran, die Fluchtursachen zu bekämpfen. Das zeigt sich auch in Zahlen: Mindestens 1,1 Milliarden Euro hat die katholische Kirche in Deutschland seit 2015 für die Flüchtlingshilfe aufgewendet – davon etwa 60 Prozent im Ausland, 40 Prozent hierzulande.

Und wir wissen, dass wir mit unserer „kämpferischen Hoffnung“ nicht allein sind. Ich bin beeindruckt, dass auch mehr als zehn Jahre nach der sog. „Flüchtlingskrise“ von 2015 so viele Menschen – unabhängig von Religion oder Weltanschauung – sich für Geflüchtete einsetzen. Dafür gilt Ihnen mein ausdrücklicher Dank.

Ich wünsche Ihnen ein ruhiges Wochenende und einen gesegneten Sonntag.