Guten Morgen, liebe Hörerinnen und Hörer,
Berlin summt. Die Bienen sind unterwegs. Berlin summt, ein Grundton des Lebens. Noch hört man es überall, auch wenn es in diesen Augusttagen ganz langsam weniger wird. Denn anders als wir, haben die Bienen die Hauptarbeit für dieses Jahr schon geschafft.
Das alte Wissen um die Bienenhaltung, das Imkern, entdecken immer mehr Menschen für sich. In Gärten, am Rand von Siedlungen, auf Dachterrassen und sogar auf Hochhäusern stehen Bienenstöcke mit ihren Arbeiterinnen, den Drohnen und der Königin, die als einzige für Nachwuchs sorgt und mehrere Jahre überlebt. Auch in diesem Jahr ist die Zahl derer gestiegen, die ein oder mehrere Völker pflegen. Und ich gehöre dazu.
Bienen, diese Wesen mit weniger als 0,1 g Körpergewicht, fliegen durchschnittlich 120.000 km für ein Glas Honig. Das allein lässt mich Staunen. Doch ihre eigentliche Gabe ist eine andere: Während die Bienen Nektar sammeln, bestäuben sie unzählige Pflanzen. Was sie für ihr eigenes Leben tun, kommt vielen anderen zugute. Für mich ist das ein Bild für Gottes Schöpfung: Leben ist aufeinander angewiesen, und gerade darin liegt sein Reichtum. Bienen tragen dazu bei, dass Obst und Gemüse wachsen. Ohne Bienen gäbe es kein Leben. Auch für uns Menschen nicht. So ist es vielleicht kein Wunder, dass gerade in der heutigen Zeit, in der Lebensgrundlagen vielfach bedroht sind, das Imkern wieder „in“ ist.
Ist das Arbeiten mit den Bienen nicht gefährlich, fragen mich dabei manche.
Die erste Lektion, die ich gelernt habe, ist: Langsam und ruhig zu handeln. Bin ich friedlich in mir, sind es die Bienen auch.
Die zweite Lektion: Bienen lehren mich Demut und Ehrfurcht vor allem Leben. Alles, was die Bienen schaffen ist kostbar und verwertbar.
Meine dritte Lektion ist die Faszination – diese kleinen Geschöpfe wissen in ihrem kurzen Leben genau was zu tun ist. Alles scheint chaotisch mit dem Krabbeln, unablässigem Aus und Einfliegen und doch folgt alles einer gemeinsamen Ordnung. Die man erforschen kann. Doch: Letztendlich bleibt es ein Geheimnis, wie alles ineinanderwirkt. Ein Wunder ist das. Für mich ein Gottesgeschenk.
Mit jedem Tropfen süßen Honig schmecke ich die Fülle des Lebens. Mit dem warmen Licht und Duft der Bienenwachskerze bin ich verbunden mit der ganzen guten Schöpfung Gottes.
Ich wünsche Ihnen heute – mit oder ohne einem Löffel Honig - einen gesegneten Tag mit viel Aufmerksamkeit für die kleinen und großen Wunder im Alltag.