04.07
2026
08:40
Uhr

"Deine Entscheidung"

Kirche berät bei Wehrdienstfrage

Guten Morgen, liebe Hörerinnen und Hörer,

das Schuljahr geht zu Ende, Mittwoch gibt es Zeugnisse. Die, die ihre Schulzeit beenden, haben sie schon in der Hand. Abschlussfeiern, Party, Abiball – alles Vorfreude auf die neue Lebensphase, auf Freiheit und Aufbruch. Doch in all das mischt sich auch Zukunftsangst. Die Welt steckt voller Unsicherheiten, Krisen stapeln sich, die Realität von heißen Kriegen ist näher und nahe gerückt. Verbunden damit sind auch Fragen nach der Verteidigungsfähigkeit und Friedenssicherung für unser Land.

Mitten in die Frage nach Ausbildung und beruflicher Orientierung steht jetzt, mit dem Schreiben der Bundeswehr an alle 18-Jährigen, auf einmal die Frage im Raum: Führt der Weg über die Bundeswehr? Oder in einen zivilen Dienst? Weil die Frage vor allem junge Männer existentiell betrifft, bekommen sie jetzt Post von ihrer evangelischen Kirche, denn, klar: In Gewissensentscheidungen begleitet die Kirche, seit Jahrzehnten, das hat Tradition. Und hier, bei der Frage, ob ich als 18jähriger einen Dienst mit der Waffe mit meinem Gewissen vereinbaren kann, ist nun wahrlich der Grund meines Menschseins berührt. Genau deshalb kennt und sichert das Grundgesetz ja unter den Grundrechten auch das auf Kriegsdienstverweigerung. Das ist ein christlicher Wert, der in unserer Kultur fest verankert ist. Nicht anders der Wert, ein Gemeinwesen, das angegriffen oder bedroht wird, zu schützen. All das muss ein Mensch vor seinem Gewissen und damit vor sich selbst und vor Gott bedenken und verantworten. Beratung ist dabei zentral: in der Familie, mit Freunden, aber auch jenseits davon. Das bieten wir an: unabhängige Beratung.

Zwei Dinge sind mir dabei noch wichtig: Erstens ist die junge Generation in anderer Weise schon belastet und gefordert. Die Welt zwischen Corona, Generationensicherung und Digitalisierungsherausforderung sortiert sich neu. Eine besondere Achtsamkeit, statt über die Jugend besser mit ihr zu reden und auf sie zu hören, ist mehr denn je angezeigt. Ich sage deshalb: Hören wir auf junge Menschen, statt immer besser zu wissen und vorzuschreiben. Und zum anderen: Fragen der Friedenssicherung sehen wir als Kirche stets in einem größeren Rahmen: Zivile Dienste und Wehrdienst ergänzen und bedingen einander, immer schon. Eine isolierte Fokussierung auf die Wehrdienstfrage wird der Gesamtaufgabe der Gesellschaft und auch der speziellen Aufgabe, die Kirche in dieser Gesellschaft hat, nicht gerecht. Wir stehen für die Vielfalt der Dienste, für die Sorge um die Seele und für den fundamentalen Blick, dass alle zivilen Einsätze ein wichtiger Beitrag für eine gute Welt auch morgen sind.