Eine Hand zündet eine Kerze an, während vier bereits brennende Kerzen in einem halbrunden Kerzenständer stehen. Die Umgebung wirkt feierlich und ruhig.
28.02
2026
08:40
Uhr

Die Freiheit des Glaubens

Guten Morgen, liebe Hörerinnen und Hörer,

die sieben Sonntage der Fastenzeit haben alle verschiedene Namen. Sie sind Botschaft zugleich. Morgen ist der Sonntag Reminiszere – heißt zu Deutsch: Erinnere – gedenke daran! Es geht dabei auch darum, die vielen Christinnen und Christen nicht zu vergessen, die verfolgt und bedrängt werden rund um den Globus. Über 380 Millionen, so müssen wir schätzen, werden in etlichen Ländern verfolgt. Das ist für uns, die wir in einer Zeit und in einem Land leben, in dem wir die Freiheit unseres Glaubens leben können, schwer vorstellbar – und um so wichtiger, dass wir daran erinnern. Reminiszere – der Name des morgigen Sonntags kommt aus dem Lateinischen – Erinnere dich, Gott, so geht der biblische Satz weiter. Gottes Gedächtnis – in der Bibel ist das fast immer gleichgesetzt mit Gottes Erbarmen. Und dafür beten wir an diesem Sonntag: Dass Gott gedenke, sich eben erbarme über Leid, Verfolgung und Bedrängnis und dass er sich unser erbarme, die wir das so oft vergessen.

Nun kann man schwer an 380 Millionen gleichzeitig denken – deshalb wird für jedes Jahr das Augenmerk auf die Situation in einem Land gerichtet. Dieses Jahr gilt unser Gebet besonders den Christinnen und Christen in Syrien. Sie blicken auf eine lange leidvolle Geschichte. Allein das letzte Jahrzehnt ist geprägt vom Krieg gegen das eigene Volk, dem Ende der Assad-Diktatur hin zu einer jetzt islamistischen Regierung. Viele Christinnen und Christen verlassen das Land, obwohl sie so sehr vor Ort gebraucht würden. Was kaum einer weiß: Im heutigen Syrien liegt die Wiege des christlichen Glaubens. Manche Schrift aus dem Neuen Testament entstand dort. Schon damals in einer Situation der Verfolgung. Die römischen Machthaber wollten die neue Religion ausmerzen, weil sie kritisch gegenüber der eigenen Macht war. Christen aber kennen nur einen Herrn. Die in den Schriften der Bibel so allgegenwärtige Rede von Gott „dem Herrn“, die heute viele auch sehr kritisch sehen, kommt im Ursprung daher: Sie richtete sich gegen die römischen Totalitätsansprüche. Es ist gut, daran heute zu erinnern: keine politische Macht darf sich total setzen, das ganze Leben diktieren und den Menschen vorschreiben, was sie glauben müssen – wo das passiert, stehen Christen dagegen auf.

Der Apostel Paulus war ein Reisender. Er kam auch nach Syrien. Gut möglich, dass da der Gedanke entstand, dass die Gemeinschaft der Christen verbunden ist wie die Teile in einem menschlichen Körper: Leib Christi. Wir würden heute sagen: ein Netzwerk. Aber der Leib ist mehr. Wenn ein Teil des Körpers leidet, so Paulus, leiden alle mit. Ein berührendes Bild, das erinnert: Das Leid der verfolgten Christen geht uns an, es geht alle an. Vergessen wir unsere Geschwister nicht. Und achten wir die Freiheit des Glaubens im eigenen Land. Sie ist ein hohes Gut.