Guten Morgen, liebe Hörerinnen und Hörer,
die Seele des Spiels – sie ist gespalten: Wenn kommenden Donnerstag die Fußballweltmeisterschaft der Männer in den USA startet, wird das bei etlichen von gemischten Ge-fühlen begleitet sein. Da ist - auch bei mir - die Begeisterung für Spiel und Wettbewerb. Die besten Fußballer der Welt treten in einem in unserer globalisierten Welt fast überholt wirkenden Nationenwettbewerb gegeneinander an, um am Ende den Weltmeister zu krönen. Wunderbar! Doch da ist auch das unangenehme Gefühl, die Seele dieses eigent-lich fröhlichen Spiels sei nun endgültig an politische Interessen verraten und verkauft. Vorfreude und Erwartung bei den sonst so Interessierten auch jenseits der eingefleisch-ten Fußballfans scheinen mir bis jetzt geringer, Autofähnchen und Public auch weniger leider. Mit Katar vor vier Jahren und dem Amerika dieses Präsidenten als Ausrichter jetzt wird immer mehr verspielt, dass Fußballfeste eigentlich eine alle verbindende Sommer- und regelrechte Auszeit für die erschöpfte Gesellschaft sein können und sollen. Es wirkt, als nähere sich das Spiel mit Gigafeiern dem Ende. Obacht also, wer es verkauft, die Sorge jedenfalls ist groß, dass das Spiel und die Idee dahinter Schaden nehmen.
Die Seele des Fußballs aber wird, so meine Überzeugung, trotzdem nicht klein zu kriegen sein! Die Freude daran, wer besser mit den Füßen den Ball laufen lassen und schießen kann. Es ist ja ein besonderes Vergnügen, weil die Füße anders als die Hände, im Umgang mit dem Ball mehr Zufälliges zulassen: das Unverfügbare, wenn ein Ball rollt, unvorher-sehbar, ob Latte oder Tor, faszinierend, all das wird nicht aufhören - es ist so durch und durch menschlich, ja, die Seele des Spiels: unkaputtbar, Gott sei Dank. Sie wird sich im-mer neu erfinden, gleichsam auferstehen. Man kann es an jedem Bolzplatz zwischen Hochhausschluchten in dieser Stadt oder auf Parkwiesen beobachten, wo zwei Jacken als Torbegrenzung reichen, und schon rollt der Ball.
Ja, ich bin Fußball begeistert - denn Spielen an sich könnte die Seele der Schöpfung sein, denn im Moment der Schöpfung, erzählt die Bibel, spielte die Weisheit vor Gott. Spielte und genoss die Möglichkeiten in dieser Schöpfung, die Felder und Ordnungen, genoss das sich zusammen tun mit anderen und so die Schönheit des Lebens erkunden. Das eben ist Spiel, Spielen an sich, die Seele der Schöpfung: ein Erkunden, ein Probieren, ein Fallen und Handreichen und Aufstehen. Das Wesen des sportlichen Spiels aber: Alle sind gleich, alle von gleicher Würde, alle in gleicher Weise Kinder Gottes. Das darf gefeiert und das muss geschützte werden! Beides sei dran, wenn jetzt der Ball rollt und für noch mehr Stimmung sorgt in dieser Stadt!