Guten Morgen, liebe Hörerinnen und Hörer,
morgen also das WM-Finale: Spanien gegen Argentinien. Ein würdiger Schluss hoffentlich für ein Sommerevent, das gar nicht so schlecht war, wie mancher – auch ich – vorher befürchtet hatte. Alle Versuche, das Spiel zu instrumentalisieren – politisch, ökonomisch – scheiterten zum Glück, nicht mal der plumpe Versuch, mit der Aussetzung einer roten Karte sich der Dinge a la Trump zu bemächtigen, hat funktioniert, im Gegenteil. Gut so.
Warum ich das sage? Weil ich froh bin, wenn Dinge ihren eigentlichen Sinn behalten, wenn Zweckentfremdung am guten Wesen von etwas abprallt. Spielen dient dem fröhlichen Wettbewerb, dem sich ausprobieren und schauen, was Teams, Körperbeherrschung und Ballgeschick vermögen. Und, das sei angemerkt, Nationalhymnen dienen dabei der Integration, dem Zusammenhalt, dem gegenseitigen Respekt, der sich im Spiel dann abbilden mag. Es gehört zu den eindrücklichen Wahrnehmungen dieser Fußballweltmeisterschaft, die Integration der unterschiedlichsten Kulturen und Traditionen zum Auftakt musikalisch durch die Hymnen im Stadion erleben zu können. Zusammenhalt macht ja nur da Sinn, wo Unterschiedliches zusammengehalten wird. Dem dient auch das gemeinsame Singen. Mich hat der Text unserer Hymne besonders angesprochen, weil er doch ziemlich aktuell ist: „Einigkeit und Recht und Freiheit … danach lasst uns alle streben – brüderlich“, also geschwisterlich. Heißt: Nicht auseinanderdividieren lassen, beieinanderbleiben, Leben gemeinsam gestalten. Gerade mit der deutschen Nationalhymne scheinen ja, so hörte man diese Woche bei einer AfD-Veranstaltung in Dessau, vor allem jene Schwierigkeiten zu haben, die sich gerne patriotisch geben, dabei aber vor allem spalten wollen. Die Verantwortlichen benutzen ostdeutsche Identität und spielen Menschen gegeneinander aus, die längst in Freiheit zusammenleben und zusammengehören. Singen, um zu spalten?!
Lassen wir das nicht zu. Setzen wir dem etwas entgegen. Als Bischof einer Kirche, die in Ost und West zuhause ist, erlebe ich, wie stark der Zusammenhalt untereinander ist, wie gut wir einander ergänzen. Lassen wir uns das nicht schlechtreden und auch nicht kaputt singen. Bleiben wir wertschätzend, achtsam statt ätzend und hetzend. Der Sommer lädt doch ein zu Gespräch und Dialog an lauen Sommerabenden draußen. Geh aus, mein Herz, und suche Freud – ach, die schöne Sommerhymne Paul Gerhardts passt doch, wenn die säkularen Hymnen verklungen. Auf dass wir die Zeit nutzen, über das zu reden, was die Welt zusammenhält, also über Gott und die Welt und natürlich über die eigenen Grenzen, Milieus und Blasen hinweg. Dass wir teilen, was ärgert und wonach wir suchen, verbindendes und schweres, dass wir das teilen, bevor es kälter wird. Und ja: Stopp und Halt setzen, wo Hass regiert. Halt zusammen.