Guten Morgen, liebe Hörerinnen und Hörer,
der morgige Sonntag – häufig Totensonntag genannt - ist jener Tag, an dem wir in den Kirchen die Namen der Verstorbenen des zu Ende gehenden Kirchenjahres verlesen. Sie noch mal laut zu machen vor der Gemeinde und vor Gott, das ist ein tröstliches Ritual im Abschied und im oft genug von Trauer und Dank erfüllten Blick auf den oder die, die nun fehlt. Wir machen in der Kirche diese Namen laut, weil wir vertrauen, dass sie bei Gott aufgehoben sind. Nicht nur jetzt, für alle Zeit. In Ewigkeit.
Weshalb der Sonntag ja auch Ewigkeitssonntag genannt wird. Ewigkeit. Das ist ja keine so ganz einfache Vorstellung. Immer, wenn ich sie versuche zu verstehen, schaltet sich bei mir irgendwann etwas im Gehirn um. Denn: eine endlose Zeitspanne kriege ich nicht vorgestellt, schon bei den Milliarden Jahren, mit denen die Astronomie bei der Beschreibung von Sternenwachstum und -zerfall spricht, fehlt mir die Vorstellungskraft. Ich bleibe dann schnell an den beeindruckenden Bildern hängen, die große Sonden und Teleskope heute von der Weite des Weltraums machen können. So wird immer irgendwann aus der unvorstellbaren Zeit Ewigkeit – Stichwort: umgelegter Schalter – im Kopf ein Raum. Einer, in dem die Zeit auf ihre Weise aufgehoben ist, also ein Ort. Himmel sagen wir dazu nicht selten. Oder einfach bei Gott sein. In seiner Nähe, in seinem Licht. Da, wo der Name geschrieben, erinnert wird: Gottes Gedächtnis. Noch ein Begriff für diesen Raum der Ewigkeit. Ein tröstliches Bild. Nur ein Bild? Ich bin überzeugt, dass es mehr ist, dass es so sein wird, ja immer schon ist.
Ewigkeit. In Zeiten von Künstlicher Existenz und Netzwerken wie dem Internet wird das menschliche Streben, Ewigkeit selbst zu schaffen, immer weitergetrieben. Memory-Pages im Netz versprechen Erinnerung, die weit über uns und unser Denken hinaus reicht. Und dann gibt es noch das so sonderbare Einfrieren von Leibern, mit denen manche tatsächlich meinen, den Tod umgehen zu können. Ich halte das für eine Mischung aus Hochmut und Geldschneiderei. Der Hochmut darin ist allerdings ganz alt: Selber Gott sein wollen, nicht sterben, das ist ältester Menschheitswunsch, verständlich, na klar, so sind wir, ich auch. Nur steckt wenig, nein gar kein Trost darin. Wo kein Ende, kann auch kein Anfang sein. Und am Ende nicht ein Funken Hoffnung auf Leben hier und jetzt. Der Ewigkeitssonntag morgen, der auch Totensonntag heißt, hält darum einen großen Trost fest: Unser Leben ist begrenzt. Und: Unsere Namen sind bei Gott. Und wir werden aufgehoben in seiner Ewigkeit. Himmel, wie gut das zu glauben.
Ich wünsche Ihnen einen gesegneten Sonntag und diesen Trost, wenn Sie um einen geliebten Menschen trauern!