Ein Markthändler in einem grauen Pullover steht hinter einem Tisch voller frischer Früchte und Gemüse. Eine Frau in einem blauen Pullover spricht mit ihm und hält eine Geldbörse in der Hand. Es herrscht eine lebhafte Marktatmosphäre mit vielen bunten Obst- und Gemüsekisten im Hintergrund.
19.07
2025
08:40
Uhr

Ferienstart: Bewahren und genießen!

Wort des Bischof von Bischof Christian Stäblein

Guten Morgen, liebe Hörerinnen und Hörer, 

wie geht’s? Ich frage das, weil: in der kommenden Woche beginnen die Ferien in Berlin und Brandenburg. Und da macht die Frage natürlich Sinn, nicht nur als Hoffnung, dass Sie die Ferien gut erreicht haben, auch als Frage überhaupt. Weil jetzt Zeit bleiben könnte, darüber ernsthaft nachzudenken und eine ehrliche Antwort zu finden: Wie geht`s mir eigentlich? Die Mühle des Alltags mit dem Stress zwischen Beruf, familiären Aufgaben, dem was immer noch dazu kommt – Vorsorge, Jubiläen, Ärger, Krankheit oder Feste – und obendrauf noch, was uns im Land gesellschaftlich und weltpolitisch beschäftigt, all das ist viel und nicht selten so fordernd, dass die Frage „wie geht’s“ allenfalls ein kurzes ok oder muss ja entlockt. Aber wenn das alles mal in den Ferien abfällt, dann ist die Chance zu gucken, wie die Antwort sein könnte: „Geht schon“, „geht richtig gut“ oder „gar nicht mehr“ oder „geht’s noch“? Ich freue mich darauf, in der nächsten Woche die Menschen auf dem Marktplatz in Lübben dazu zu befragen. Ich mache wieder eine kleine Tour zu Marktplätzen in Brandenburg, um zu hören, wie es den Menschen wirklich geht. Im schönen Spreewald, wo ja der große Lieddichter Paul Gerhardt zu Hause war, bin ich neugierig zu erfahren, wie es so läuft in diesem Sommer zwischen Sonne und viel Regen auch. Denke beim Wetter manchmal an den Satz von Jesus im Evangelium: Gott lässt es regnen über Gerechte und Ungerechte. Zum Glück, vor Gott gilt für uns alle seine Gerechtigkeit. Nun, von diesem Gedanken geht es schnell in die tieferen Schichten: Was ist gerecht? Warum ist die Welt so, wie sie ist? An vielen Orten dieser Welt furchtbar ungerecht, brutal. Und klar, es gehört zu unseren Aufgaben, die Ungerechtigkeit abzubauen oder zumindest abzumildern, jedenfalls an der Seite der Schwächeren zu stehen. Und auch, ja, wahrzunehmen, wo ich selber mich schwach fühle, wieder Kraft brauche. Das alles gehört zum Urlaub, hoffentlich ist Zeit dafür. Sich in der Offenheit der Tage in die endlosen Fragen unseres Seins führen zu lassen. Will ich mein Leben, wie es ist? Oder will ich eigentlich etwas anderes – machen, lassen, ändern, beenden, anfangen? An vielen Orten in Deutschland, gerade an der Küste, gibt es Urlaubsseelsorger. Sie sind genau dafür ansprechbar, in solchen Fragen, wenn sie hochkommen, zu begleiten. Oder aber, und das ist mindestens so dran, sich in oder aus diesen Fragen heraus von der Schönheit der Schöpfung begeistern zu lassen. Das fängt im Spreewald an und ist in der Uckermark lange nicht zu Ende. Ein tiefer Sinn dieser Schöpfung, den wir bisweilen vergessen, ist der: Bewahren und genießen. Ferien. Pause. Geht auch ganz nah und für wenig Geld. Spüren: Gott ist Schöpfer dieser Welt. Er hat das Leben geschenkt. Genau darin steckt der Sinn. Und Segen.