Eine Gruppe von Männern steht in der Nähe eines Betonblocks, während ein Mitarbeiter mit einer Maschine einen weiteren Block anhebt. Berlin, Mauerbau Berlin.- Mauerbau, Aufstellen von Betonblöcken mit einem Kran hinter Stacheldraht Eine Gruppe von Männern steht in der Nähe eines Betonblocks, während ein Mitarbeiter mit einer Maschine einen weiteren Block anhebt. Berlin, Mauerbau Berlin.- Mauerbau, Aufstellen von Betonblöcken mit einem Kran hinter Stacheldraht
Eine Gruppe von Männern steht in der Nähe eines Betonblocks, während ein Mitarbeiter mit einer Maschine einen weiteren Block anhebt. Berlin, Mauerbau Berlin.- Mauerbau, Aufstellen von Betonblöcken mit einem Kran hinter Stacheldraht
16.08
2025
08:40
Uhr

Freiheit

In Erinnerung an Willy Brandts Rede am 16. Aug 1964

Guten Morgen, liebe Hörerinnen und Hörer, 

Sommer, Sonne, Freiheit. Ein wunderbarer Dreiklang im August, oder? Was sich so leicht sagt, ist für viele Menschen dieser Erde aber in weiter Ferne. Vor allem Freiheit bleibt für sie ein Sehnsuchtswort. Frei zu gehen, wohin man möchte! Frei zu äußern, was einem das Gewissen sagt! Nichts davon ist selbstverständlich. Heute vor genau 64 Jahren war das letzte Wort der Rede Willy Brandts vor dem Rathaus Schöneberg eben dieses: Freiheit! 
Der Schock saß tief damals in Ost wie West. Es brauchte klare ermutigende Worte in einer Stadt, durch die gerade eine Mauer gebaut wurde. Gleichzeitig kam es darauf an, die Situation nicht weiter zu eskalieren. An der Grenze zwischen Ost- und Westberlin hatten sich Tragödien abgespielt. Verzweifelte Menschen, die sich aus den Häusern der Ostseite an Bettlaken abzuseilen versuchten. Aufgespannte Sprungtücher auf der Westberliner Seite. Familien, Freunde, Paare, die mit einem Mal getrennt waren und sich nur noch aus der Ferne sehen konnten. Darum die Rede damals vor dem Rathaus Schöneberg: Worte wie Einheit und Freiheit standen auf den mitgebrachten Bannern. Weit über 200.000 Berlinerinnen und Berliner standen da am Rathaus, weil es wichtig war, nicht allein zu bleiben. Wie konzentriert die Stille gewesen sein muss, als Willy Brandt zu reden begann angesichts einer zerrissenen Stadt mit Stacheldraht und Kontrollen: „Wir fürchten uns nicht.“ War so ein Satz von Willy Brandt, der heute so aktuell sein kann wie damals.

Heute tut es gut, sich daran erinnern zu lassen, dass Freiheit weit mehr ist als meine Selbstverwirklichung oder Ferienfreiheit von den Pflichten. Was sich heute als Freiheit genießen lässt, ist keineswegs selbstverständlich, auch wenn manches an Freiheit auch als Zumutung empfunden wird. Gehört dazu! Freiheit ist nicht nur das, was ich mir nehme, sondern auch das, worum wir oft zusammen ringen und streiten, um vieler Menschen willen, um unserer Gemeinschaft willen. Die Freiheitsglocke, ob im Rathaus Schöneberg oder an anderen Orten der Welt, läutet eben nicht allein für mich, sondern für die ganze Stadt: ein Haus der Gemeinschaft mit offenen Türen.

Freiheit gehört zum christlichen Glauben. Ich glaube dem Propheten Jesaja, der davon gesprochen hat, dass die Gefangenen frei sein werden. Ich glaube dem Wanderprediger Jesus, der von einem freien Leben in Wahrheit gesprochen hat. Damit das keine trockene Theorie bleibt, braucht es ein freies Zusammenleben in Wahrheit, wo Unrecht mutig beim Namen genannt werden darf. Es braucht Kraft und die beherzten Ideen nicht nur Einzelner. Freiheit braucht immer das Wir.