Zwei Personen schütteln sich die Hände über einem Tisch. Eine Person im Vordergrund hat eine dunkle Jacke und trägt ringen, während die andere Person im Hintergrund aufmerksam zusieht und elegant gekleidet ist. Auf dem Tisch steht eine Tasse und einige Unterlagen. Zwei Personen schütteln sich die Hände über einem Tisch. Eine Person im Vordergrund hat eine dunkle Jacke und trägt ringen, während die andere Person im Hintergrund aufmerksam zusieht und elegant gekleidet ist. Auf dem Tisch steht eine Tasse und einige Unterlagen.
Zwei Personen schütteln sich die Hände über einem Tisch. Eine Person im Vordergrund hat eine dunkle Jacke und trägt ringen, während die andere Person im Hintergrund aufmerksam zusieht und elegant gekleidet ist. Auf dem Tisch steht eine Tasse und einige Unterlagen.
24.10
2026
08:40
Uhr

„Geht gnädig miteinander um!“

Ein Beitrag von Julia Helmke

Guten Morgen, liebe Hörerinnen und Hörer

„Geht gnädig miteinander um!“ – mit diesen Worten hat der damalige Bundespräsident Joachim Gauck vor fast auf den Tag genau 10 Jahren das 500jährige Reformationsjubiläum eröffnet.

Der Satz geht mir heute noch nach – ich finde ihn aktueller und wichtiger denn je: „Geht gnädig miteinander um!“ Das stand so zwar nicht in den 95 Thesen, die Martin Luther am 31.10.1517 an die Schlosskirche in Wittenberg geschlagen haben soll, aber Gnade – das war und blieb sein zentrales Anliegen. Er konnte und wollte als Christ und Priester nicht mehr aushalten, dass die Institution Kirche Ablassbriefe verkaufte. Wer bezahlte, dem sollten gegen ein Papier Sünden erlassen werden – die eigenen und die von Ver-storbenen. Gnade gegen Cash sozusagen - ein Geschäft mit der Angst – mit der Angst vor ewiger Strafe im Fegefeuer. Luther setzte dagegen auf die Bereitschaft von Menschen, Schuld selber zu erkennen. Und er setzte auf Gottes Bereitschaft, uns immer wieder Neuanfänge zu ermöglichen.

„Geht gnädig miteinander um“ - in seiner Rede zum Reformationsjahr war es dem damaligen Bundespräsidenten wichtig, diesen alten, aus der Mode gekommenen Begriff der Gnade in den politischen und gesellschaftlichen Alltag einzutragen. Für ihn war das eine Frucht der Reformation, gnädig auf das Leben zu schauen: auf das eigene und das von anderen. Gnade ist gratis, so Gauck weiter, bedeutet Großzügigkeit: in dieser Gewissheit leben zu dürfen, dass Leben ein Geschenk ist – und Fehler menschlich sind. Wir machen sie alle und dürfen trotzdem immer wieder neu beginnen.

Diese Einsicht wünsche ich mir für heutige oft unbarmherzige Diskussionen in Gesellschaft, Medien, Politik, aber auch unter Freunden und Kolleginnen oder in der Familie. Wie schnell wird hart geurteilt, wie häufig dem Gegenüber die Fähigkeit abgesprochen, aus Fehlern zu lernen. Das macht das Herz schwer und Angst größer. Beides ist das Gegenteil von Reformation. In wenigen Tagen erinnern wir in unseren evangelischen Kirchen an den Thesenanschlag Martin Luthers vor über 500 Jahren in Wittenberg – wegen dieser lebenswichtigen Botschaft: Geht gnädig miteinander um!

Gnade kann ich nicht kaufen. Wir können sie einander nur schenken. Sie ist das Gegenteil von Angst: Sie stiftet Gemeinschaft. Ich wünsche uns als Gesellschaft, dass wir miteinander und auch mit uns selber gnädiger umgehen. Denn ohne Gnade gibt es keine Zukunft. Sie macht das Herz frei und unser Zusammenleben erfüllter. Darum: Geht gnädig miteinander um – mein Motto für Berlin.