Eine Person hält ein Plakat mit einer künstlerischen Darstellung einer schreien Person, umgeben von grünen und roten Farbtönen. Im Hintergrund sind weitere Protestplakate und eine Fahne zu sehen. Der Kontext deutet auf eine Protestveranstaltung hin. Eine Person hält ein Plakat mit einer künstlerischen Darstellung einer schreien Person, umgeben von grünen und roten Farbtönen. Im Hintergrund sind weitere Protestplakate und eine Fahne zu sehen. Der Kontext deutet auf eine Protestveranstaltung hin.
Eine Person hält ein Plakat mit einer künstlerischen Darstellung einer schreien Person, umgeben von grünen und roten Farbtönen. Im Hintergrund sind weitere Protestplakate und eine Fahne zu sehen. Der Kontext deutet auf eine Protestveranstaltung hin.
17.01
2026
08:40
Uhr

Gewalt im Namen Gottes

Guten Morgen, liebe Hörerinnen und Hörer,

das neue Jahr – man muss es wohl so unumwunden sagen – hat nicht gut begonnen. Es gehört zu den schlimmsten Dingen, wenn staatliche Gewalt sich gegen eigene Bürgerinnen und Bürger richtet. Hier in der ehemals geteilten Stadt mussten Menschen dies leidvoll erfahren. Was wir jetzt aus dem Iran hören und sehen, ist auf schreckliche Weise das: Die Entfesselung von Gewalt gegen Menschen, die für ihr Recht und ihre Freiheit aufstehen. Wieder einmal, muss man sagen, zuletzt vor drei Jahren, da war es ein Aufstehen gegen ein frauenfeindliches Regime und dessen Ordnung. Dieses Mal war es zunächst wirtschaftliche Bedrängnis. Die Sehn-sucht nach Freiheit, Demokratie und Selbstbestimmung ist damit auf unmittelbare Weise verbunden. Das in seiner Brutalität erstarrte iranische Regime versucht nun zum wiederholten Male das Aufbegehren der Menschen nieder zu schlagen, ja zu töten und zu ermorden. Die Kommunikation nach außen ist gekappt, wir hören aber die Schreie. Zugucken ist unerträglich geworden. Was mich besonders bedrückt: Die Begründung dieser Brutalität geschieht im Namen von Religion, die Mächtigen berufen sich auf ihre islamistische Ideologie und berufen sich dabei auf Gott. Dagegen müssen wir laut anreden: Gott ist auf der Seite der Geknechteten, der Opfer, der Getöteten auch. Gott sucht und will das Leben. Und die Achtung davor. Darum ist Gewalt gegen Menschen im Namen Gottes eine Perversion jeder Religion, ist Missbrauch seines Namens.

Die Jahreslosung – also der biblische Satz, der über dem Jahr 2026 steht – lautet: Gott spricht: Siehe, ich mache alles neu. Er findet sich in der Bibel im letzten Buch, Apokalypse des Johannes genannt. Wie eine Apokalypse kommt einem ja manches vor, was wir im ersten Monat des neuen Jahres erleben. Da tut es gut, den Kontext dieser wohltuenden Losung zu hören: Gott verheißt, alle Tränen von den Augen der Menschen abzuwischen, verspricht, dass Leid und Geschrei und Schmerz nicht mehr sein werden. Bei ihm. Da, wo und wenn und weil er alles neu macht. Die Worte galten damals den ersten Christinnen und Christen, die aufgrund ihres Glaubens verfolgt wurden. Ihnen galt dieser Trost. Die Zeiten waren voller entfesselter Gewalt gegen Christen. Da verspricht Gott, dass er an der Seite bleibt. Kein billiger Trost, ein tiefer, für jetzt und für das ganze Jahr. Und ein Aufruf, dass wir die Tränen und den Schmerz der anderen auch sehen. Und wo möglich, stärken, stützen, trösten und darum bitten und beten, dass Leben und Freiheit siegen. Die Achtung vor dem Leben. Das Neue schon jetzt, um Gottes Willen ja. Ich wünsche Ihnen ein gutes Jahr 2026, voller Segen!