Gestern war der 1. Mai, an diesem Tag feiert die katholische Kirche den Gedenktag des heiligen Josef des Arbeiters. Heute ist er uns eher als Tag der Arbeit gekannt. Ein Tag, der uns daran erinnert, wie sehr unser Leben von Arbeit geprägt ist: von Arbeit, die wir leisten, um unseren Lebensunterhalt zu sichern, aber auch von Arbeit, die unserem Leben Sinn gibt.
Für mich bedeutet Arbeit weit mehr als nur Erwerbstätigkeit oder das Erfüllen von Pflichten. Für mich ist Arbeit auch Dienst am Nächsten und an der Gesellschaft als lebendiges Zeugnis meines Glaubens. Ob in Familie, Beruf, Ehrenamt oder Kirche – überall dort, wo Menschen sich füreinander einsetzen, wird Arbeit für mich zu einem Ort gelebter Nächstenliebe. Auch wenn ich an einer Sache arbeite, tue ich es, damit es dem Leben anderer hilft.
Arbeit ist ein wesentlicher Ausdruck der menschlichen Würde und Berufung. Jeder Mensch ist dazu geschaffen, in die Arbeit seine Gaben einzubringen, Verantwortung zu übernehmen und so zum Gemeinwohl beizutragen. Arbeit darf den Menschen nicht bis zum Umfallen erschöpfen oder gar entwürdigen, sondern soll ihm ermöglichen, in Verbundenheit mit den anderen Menschen sich zu entfalten und Sinn zu erfahren.
Mehr Arbeitsstunden, mehr Leistung, mehr Produktivität – das waren zuletzt die Forderungen, die aus der Politik kamen. Natürlich müssen wir an die Zukunftsfähigkeit Deutschlands denken, und sie kostet auch viele Anstrengungen – das ist klar.
Aber noch wichtiger ist die Frage: Wofür arbeiten wir? Und wieviel Zeit bleibt uns für Familie, für Ehrenamt, für Freundschaften, soziales und politisches Engagement und für Kunst und Kultur?
Wie finde ich Balance zwischen Beruf, Freizeit und dem Wunsch, die Welt mitzugestalten? Die allermeisten, die ich kenne, wollen nicht nur funktionieren, sondern suchen nach einer Tätigkeit, die erfüllt und zugleich Raum lässt für Beziehungen. Diese Sehnsucht ist zutiefst menschlich. Arbeit ist wichtig. Sie gibt Struktur, Würde, Gemeinschaft. Vor allem aber:
Arbeit soll dem Menschen dienen – nicht umgekehrt!
Heute nach dem 1. Mai wünsche ich Ihnen ganz besonders, dass Sie Ihre Arbeit nicht nur als Pflicht, sondern als Teil eines guten und erfüllenden Lebens erleben können. Dass Sie Ihre Arbeit als etwas erfahren, das Sie auch trägt – mit Gottes Segen- und in der Sie andere tragen und so zum Segen für sie werden.
Ich wünsche Ihnen einen gesegneten Sonntag.