Guten Morgen, liebe Hörerinnen und Hörer,
wenn Sie morgen noch nichts vorhaben, schlage ich Ihnen vor, nach Dessau zu fahren. Dort findet morgen das sogenannte „Hoffnungskulturfest“ der anhaltischen Kirche statt – unserer Nachbarkirche. Das lohnt sich, nicht nur, weil dort das Bauhausmuseum steht und die Stadt immer einen Besuch wert ist, sondern weil Hoffnungskultur zu dem gehört, was wir im Moment besonders brauchen. Auch wenn politisch gerade von Reformherbst und Aufschwung die Rede ist: Vieles ist ja bedrückend und erschreckend, wo die Realität des Klimawandels mit seinen spürbaren Folgen unsere Erde einholt wie gerade jetzt wieder bei der Flutkatastrophe in Nepal. Auch Kriege und Krisen, die unser Bewusstsein über die Ferienzeit schnell mal verdrängt, sind weiterhin da. Und so gehen viele doch angezählt in die neue Saison – ich nenne das einfach mal so: Schulstart ist ja in gewisser Weise wie Neujahr, die Einschulung heute genau genommen einer der wichtigsten Augenblicke für unsere Gesellschaft: Die nächste Generation kommt und lernt, wird fit und macht uns fit für die Zukunft durch Bildung. Da steckt so viel Hoffnung drin. Nun, gerade die scheint momentan ausgetrocknet bei vielen. Was ja zugleich ein ordentlicher Faktor beim stärker werden des Populismus ist.
Aber: Christinnen und Christen sind Hoffnungsmenschen – nicht auf ein schnelles „nun aber mal wieder gut“, sondern auf ein langwirkendes „am Ende macht Gott es gut“. Das ist ja gut biblische Hoffnung, die oft gegen den Augenschein hält, also gegen das, was wir gerade sehen und wahrnehmen. Es ist eine Hoffnung, die nicht billig das Schwere ausblendet, sondern die in Krisen stärkt und Kraft zum Aushalten gibt. Gott verspricht, genau dort da zu sein.
Ich blicke zurück: Gott hat uns Menschen so viel Kraft gegeben. Nur so war es möglich, dass nach zwei grausamen Weltkriegen Versöhnung zwischen Völkern wieder möglich wurde. Sie gehört zu unserer Hoffnungskultur. Daran erinnert der Antikriegstag am kommenden Dienstag. Gott hat uns so viel Kraft und Hoffnung gegeben, und er tut es weiterhin: damit wir umsteuern können, etwa in Sachen Schöpfungsbewahrung – gerade für die Generationen nach uns und die Kinder, die heute eingeschult werden. Und darum auch das kirchliche Hoffnungskulturfest in Dessau, um die Demokratie in ihrer Freiheit und ihrem Schutz der Würde jedes Menschen zu würdigen und zu verteidigen.
Der Bibelspruch für den Monat September lautet: Besser eine Hand voll mit Ruhe als beide Fäuste voll mit Mühe – ein Satz, der mir gerade jetzt richtig guttut. Er spricht aus, was wir aus der Sommerpause so gerne mitnehmen wollen: Innere Ruhe, neue Kraft. Die Worte weisen den Weg dahin: in eine gute Zukunft. Statt Fäusten eben offene Hände Gottes: Das ist Grund zur Hoffnung. Gottes Segen für die kleinen Schulanfänger darum heute und mehr Hoffnungskultur für uns alle.