Ein Profil einer Person mit langen Haaren, deren Gesicht mit grünen binären Zahlen (Nullen und Einsen) projiziert ist. Der Hintergrund ist in sanften Blautönen gehalten. Die Darstellung symbolisiert eine Verbindung zwischen Mensch und Technologie.
26.09
2026
08:40
Uhr

KI braucht Verantwortung

Guten Morgen, liebe Hörerinnen und Hörer,
in rasantem Tempo verändert derzeit künstliche Intelligenz unser Leben. Sie übersetzt Texte, erzeugt Bilder, erkennt Krankheiten früh, erleichtert Arbeitsabläufe. Es eröffnen sich viele neue Möglichkeiten. Zugleich wächst die Sorge: Was passiert, wenn technische Systeme entwickelt werden, die wir nicht mehr kontrollieren können? Bedrohliche, in der Tiefe beängstigende Szenarien stehen im Raum, manche Forschenden warnen vor einer möglichen Superintelligenz, die die Menschheit auslöschen könnte. Berichte über KI-Systeme, die in Tests vorgegebene Grenzen umgehen, verstärken diese Debatte. Was nach Science-Fiction klingt, scheint plötzlich näher als gedacht. Deshalb wird gefordert, die Entwicklung in besonders riskanten Bereichen zu bremsen, zu stoppen oder mindes-tens klarer zu begrenzen.
Ich referiere das, weil Sie zurecht ahnen: Ich bin alles andere als ein Experte für KI-Technologie. Und Sie mögen sich auch fragen, ob wir zwischen Klimakatastrophe und Wahlzäsuren nicht andere Themen haben, zu denen es Dringenderes zu sagen gäbe. Gewiss. Und doch gilt: Es geht um Grundfragen des Seins. Da sollte auch von Bedeutung sein, was Theologie oder Glaube wohl dazu sagen. Und hier nicht nur die zweifelsfreie Botschaft, dass die Menschenfreundlichkeit Gottes und die Liebe zu Schöpfung und Menschen ganz oben stehen. Das auf jeden Fall.
Ein Blick in die Kirchen- und Glaubensgeschichte zeigt darüber hinaus, dass Endzeitsze-narien bemerkenswerterweise oft die Menschheit begleiten, ob vor einer Generation die Bilder der Zerstörung durch Atomwaffen, ob vor 1000 oder 2000 Jahren die Erwartung des nahen Weltendes. Ja, die Bibel selbst ist an vielen Stellen geschrieben von Men-schen, die überzeugt waren, dass das Ende unmittelbar bevorstehe. Zugleich war der Glaube in seiner Gänze, womöglich genau deswegen, stets durchdrungen von dem Ver-trauen, dass Gott es mit der Welt und den Menschen gut meint, er da ist, trägt, erhält und erhalten wird. Zu den Schöpfungsgaben, die Gott uns geschenkt hat, gehört ein gu-tes Maß an Angst. Sie ist ein Warnsystem, Vorsicht, Versicherung und Schutz. Unkontrol-lierbarer Umgang mit technischer Entwicklung sollte uns mahnen nichts zuzulassen, was wir nicht steuern können.
Das galt schon immer, jetzt besonders: Maßvoller Umgang mit den Schöpfungsgaben. Im Einzelnen, wo jedes Instrument – ein Messer etwa – zum Guten wie zum Schlechten benutzt werden kann. Das gilt erst recht, wenn es nicht um den Einzelnen, sondern das Ganze geht. Um die Wahrung der Schöpfung und des Menschen. Das ist Gottes großes Versprechen. Und es ist unser unbedingter Auftrag: wachsam sein. Rechtzeitig bremsen. Klug regulieren. Und bei allem technischen Fortschritt nicht vergessen, was uns als Menschen ausmacht: Verantwortung füreinander und für diese Welt.