Guten Morgen, liebe Hörerinnen und Hörer,
Kirche und Politik – passt das zusammen? In dieser Woche war ich bei einer Podiumsdiskussion in der Markuskirche in Steglitz zu genau dieser Frage. In dieser sich so rasant verändernden Welt ist das eine eminent wichtige Frage: Was hat die Kirche zu sagen – wozu, zu welchen Themen, mit welcher Haltung, mit welchem Ziel. Und: darf sie es überhaupt? Oder soll sie sich aus politischen Themen lieber raushalten? Aber nehme ich, nehmen wir nur das Thema Krieg und Frieden – wie könnten wir schweigen. Oder den Einsatz für Geflüchtete – es ist ja eine Kernbotschaft der Bibel. Die muss doch laut gesagt werden?! Oft heißt es ja, Kirche solle sich als erstes und eigentlich nur um das Seelenheil kümmern, also um rein geistliche Fragen. Verstehe ich. Aber: Wie sollte und könnte denn ein Seelenheil aussehen, wenn es nicht das Heilwerden des Nächsten, der Gesellschaft und der Schöpfung miteinschließt?!
Bei der Podiumsdiskussion wurde munter diskutiert, schön kontrovers auch. Was mich besonders gefreut hat: Auch die Evangelische Schule vor Ort hatte dazu eingeladen, nicht wenige Schülerinnen und Schüler waren mit dabei. Kirche und Politik ist eine alte, zugleich ewig junge Zukunftsfrage. Und auch wenn das Feld weit ist, so wurden doch ein paar Grundpfeiler in der Diskussion sichtbar.
Erstens: Es geht nicht um parteipolitische Positionierung, wenn aus christlicher Grundhaltung heraus gesprochen wird. Das Evangelium ergreift nicht Partei für Parteien, sondern für Menschen. Für Betroffene von Gewalt, von Marginalisierung und für die Würde aller, weil alle die gleiche Würde vor Gott haben.
Zweitens: Kirchen sind nicht einfach weitere Akteurinnen der Zivilgesellschaft, es sind keine Vereine oder gar Parteien. Aber sie sprechen – gemeinsam mit anderen – hinein in diese Gesellschaft. Aus einer, aus ihrer besonderen Haltung: der Beziehung zu einem menschenfreundlichen Gott. In einer Zeit, in der in der Gesellschaft Ablehnung und Verachtung immer stärker werden, ist das schon in sich eine starke Botschaft. Und gerade das habe ich aus der Diskussion mitgenommen: Die Forderung nach einer für die Öffentlichkeit klar erkennbaren christlichen Haltung.
Drittens: Wie genau Frieden, Gerechtigkeit, Erhalt der Schöpfung politisch angestrebt und – so hoffen wir – erreicht werden, darüber soll und muss kräftig und frei gestritten werden. Es gibt viele Wege, immer, fast nie ist es etwas alternativlos in dieser Welt. Allerdings: Die Haltung, aus der heraus gestritten wird, und die Richtung, um die es geht, bewegen unsere Seele. Hass schadet der Seele – auch der Seele einer ganzen Gesellschaft. Gott aber ist nicht im Hass, er ist die Liebe, sagt die Bibel.
Ich wünsche Ihnen einen gesegneten Sonntag!