Sechs Hände greifen zusammen, um sich in der Mitte zu treffen. Im Hintergrund sind die Köpfe von Personen zu sehen, die sich nach oben orientieren. Das Bild vermittelt ein Gefühl von Gemeinschaft und Zusammenhalt unter den Menschen in einer sonnigen Umgebung.
15.11
2025
08:40
Uhr

Kongokonferenz

Mahnung zu Gerechtigkeit und Menschlichkeit

Am 15. November 1884 begann in Berlin die sogenannte Kongokonferenz; eine Konferenz, die die Welt veränderte. Eingeladen hatte Reichskanzler Otto von Bismarck. Um einen großen Tisch im Berliner Regierungsviertel saßen Vertreter europäischer Mächte, um über das Schicksal des afrikanischen Kontinentes zu entscheiden – als wäre er ein leerer Raum, ein Besitz, über den man verfügen könne. Kein einziger afrikanischer Vertreter war dabei.

Was dort geschah, war nicht einfach Diplomatie. Es war der Katalysator für Ausbeutung, Unterdrückung und die willkürliche Aufteilung von Völkern und Kulturen. Obwohl diese Konferenz mitten in Berlin stattfand, wissen viele Menschen nicht, welches Unrecht vor mehr als 140 Jahren in der Wilhelmstraße 92 seinen Anstoß fand. 

In der Bibel schreibt Paulus in einem Brief an die Gemeinde in Galatien:

„Es gibt nicht mehr Juden und Griechen, nicht Sklaven und Freie, nicht männlich und weiblich; denn ihr alle seid einer in Christus Jesus.“ 

Das ist kein Satz für die Vergangenheit. Es ist ein Auftrag für heute. Denn Paulus ruft uns zu einer Gemeinschaft auf, die keinen Menschen ausgrenzt, weder Mann noch Frau über andere stellt, keine Würde misst nach Hautfarbe, Herkunft oder Macht. 

Der Glaube an Christus ruft Christinnen und Christen auf, alle Menschen als Ebenbilder Gottes zu sehen: gleich an Würde, gleich an Bedeutung, gleich geliebt.

Das gilt im Großen – zwischen Nord und Süd, zwischen Arm und Reich – und im Kleinen – in unseren Familien, Nachbarschaften, Gemeinden. Es gilt dort, wo Menschen übersehen werden, wo aus Angst Mauern gebaut werden, wo Gleichgültigkeit Raum gewinnt. Die Erinnerung an die Kongokonferenz vor 141 Jahren mahnt uns: Nicht Besitz über Nächstenliebe zu stellen. Nicht unseren Vorteil auf Kosten anderer zu suchen. Nicht die Menschen in „Wir“ und „die Anderen“ zu unterteilen. 

Wir sollen uns nicht abgrenzen, sondern öffnen – mit wachem Gewissen und weitem Herzen.

Ich wünsche Ihnen ein gesegnetes Wochenende.