Ein gefrorener Bachlauf ist von schneebedeckten Ufern umgeben. Hohe, frostige Gräser ragen aus dem Schnee. Die Lichtverhältnisse sind klar und strahlend, was die winterliche Kälte und Schönheit der Szenerie betont.
14.03
2026
08:40
Uhr

Laetare - Freut euch!

Guten Morgen, liebe Hörerinnen und Hörer,

Lätare – so heißt der morgige Sonntag im Kirchenlatein, zu Deutsch: freuet euch. Das mag überraschen mitten in der Passionszeit. Nun, kleines Ostern wird der Sonntag auch genannt, statt Kirchenbußlila hängt, wo das möglich ist, eine zarte Aufhellung vor Altar und Predigtkanzel in Gestalt von Rosa-Paramenten, so heißen die Stoffeinkleidungen in den Kirchenräumen. Mode & Farbe gibt es also auch im Kirchenjahr. Kleines Ostern auf der Hälfte der sieben Wochen soll sagen: in allem Leiden, Jesu Schmerz und der Welt Leid, leben wir aus der Hoffnung. Und aus dem Wissen um das gute Ende bei Gott. So schwer oft zu sehen, so hoffnungsfroh die Vorahnung. Wie ein rosa Streif am Horizont.

Das ermutigt, all das andere in den Blick zu nehmen, was auch zu unserer Welt gehört: Die fröhlichen, die Hoffnungsgeschichten. Wir übergehen sie so schnell und fokussieren auf das Dunkle. An Lätare soll es anders sein. Die Geiseln vom 7. Oktober sind frei, möchte ich deshalb auch ein paar Monate später noch einmal rufen. Halleluja. Nach über zwei Jahren sind die, die dieses Leid und die Tunnel überstanden haben, endlich frei. Kommen langsam ins Leben zurück. In Gaza herrscht weitgehend Waffenruhe, neulich habe ich sogar von einem ersten Fußballspiel dort gelesen, inmitten von Trümmern, ja, aber doch wieder Spiel. Dass sie mich nicht falsch verstehen. Das nimmt nichts vom riesigen Schmerz, und es nimmt nichts von dem, was immer noch weit weg ist von echtem Frieden. Aber welchen Sinn sollte es haben, die guten Dinge zu verschweigen? Gott will ja vom Dunkel ins Licht führen. Diese Welt. Und mich und alle Traurigen auch.

Die Natur auch. Vom Eise befreit sind Strom und Bäche – die alten Gedichtzeilen können wir in diesem Jahr gut nachvollziehen. Lang war der Winter, hart das Eis auf den Bürgersteigen, Winter in Berlin und Brandenburg ist ja ohnehin keine gute Laune Unterhaltung, aber dieses Jahr: gefährlich bruchvoll. Grund zur Freude also: Das Eis ist weg! 

Gott hat die Welt so geschaffen, dass wir die Rückkehr unserer Lebensgeister regelrecht spüren. Vom Eise befreit lauten bei Goethe die Osterzeilen und deshalb wage ich, sie zum kleinen Ostern Lätare heute schon zu zitieren. Gott verspricht, dass harte Herzen in Jesu Namen auftauen dürfen. Hoffnung für alle! Und Grund zur Freude bitte. Für meine Nächsten, für die Fragen der nächsten Generation, die so oft übergangen werden in lauten Debatten. Für die Not der Fliehenden, die ein zu Hause und ein Dach brauchen, gerade jetzt. Freuet euch an allem, was gelingt in dieser Stadt, in unserer Gesellschaft und in meinem Leben jeden Tag. In Jesu Namen. Mitten in den Brüchen unserer Welt ist Gott zu Hause. Sie meinen, ich habe eine rosarote Brille auf? 

Am Sonntag Lätare aber immer doch.