Guten Morgen, liebe Hörerinnen und Hörer,
bald ist Aschermittwoch – Schluss mit Karneval – Beginn der Passionszeit. Bedeutet: Nur noch sieben Wochen bis Ostern. Für viele sind es „sieben Wochen ohne“ – bei etlichen von uns ist der christliche Gedanke noch bestens und tief verwurzelt, dass eine Zeit des Verzichts nicht nur für den Körper, sondern auch für die Seele hilfreich und stärkend sein kann. Sieben Wochen ohne also – macht deshalb mancher im Blick auf Alkohol, andere im Verzicht auf Zucker oder zumindest Schokolade. Und hier und da höre ich auch vom Versuch, sieben Wochen ohne Handy – zumindest als Daddelinstrument oder Spielgerät. Ein gutes Vorhaben. Ach, es ist ein alter, urreligiöser Gedanke, dass im Verzicht und so Loswerden von Überflüssigem eine Stärkung der Beziehung zu mir selber, dem eigenen Leben und so auch zu Gott verborgen liegt. Es entsteht eben wieder Raum da, wo in unserem Alltag schnell alles übervoll ist. Wo ich manches in mich hineinfresse – auch übertragen gemeint –, was mir nicht guttut. Dazu in gute Distanz zu kommen und durch Reduktion, durch weniger mehr Zugang zur eigenen Seele und zu Gott gewinnen, das steckt eigentlich in dem Gedanken des Verzichts in der Passionszeit. Nicht schmal und enger soll mein Leben werden, sondern am Ende weiter: Der Seelenraum soll sich öffnen und mehr Licht hinein.
Passionszeit heißt Raum für mich – aber auch Raum für andere schaffen. Im Erinnern an das Leiden Jesu. Es führt dahin, wo Menschen heute in und an dieser Welt leiden, ja wie das Teil unseres gemeinsamen Lebens ist. Daran besonders Anteil nehmen gehört zu diesen Wochen vor Ostern auch dazu. Der 24. Februar rückt näher – Beginn des jetzt schon vier Jahre dauernden Angriffskriegs Russlands gegen die Ukraine. Das Datum fällt in den Anfang der Passionszeit. Und erinnert daran: Vier Jahre ohne Frieden! Vier Jahre Menschen in Enge und Angst. Zerstörter Lebensraum. Leiden, Tod und Seelennot. Passion heute. Wir dürfen uns nicht daran gewöhnen, niemals, wir nehmen weiter Anteil am Leiden der Menschen dort und der vielen, die geflohen sind: mit Gebeten um ein Ende des Mordens gegen ein Volk und mit Beistehen und Helfen, wo wir es können. Ich bete für die Wiederkehr von Freiheit und Sicherheit in der Ukraine und ganz praktisch um Wärme, Licht und Schlaf ohne Alarmsirenen.
Die Passionszeit ist immer auch verknüpft mit der Hoffnung, dass ein Aufatmen am Ende steht. Dass Jesu Leiden alles Leid überwinden hilft, ja bereits überwunden hat. Ich glaube, wir können am Ende auf vieles verzichten – aber nicht auf diese Hoffnung. Niemals bitte. Hoffnung also wünsche ich Ihnen: Hoffnung, die trägt und andere ansteckt!