Eine Person sitzt auf einer Bank in einem Park, umgeben von grünen Bäumen und Sträuchern. Sie liest oder schreibt etwas auf ihrem Mobilgerät, während die Sonne durch die Blätter scheint und eine ruhige, einladende Atmosphäre schafft.
01.08
2026
08:40
Uhr

Ruhetag

Guten Morgen, liebe Hörerinnen und Hörer,

macht der liebe Gott eigentlich Urlaub? Dieser wie alle Kinderfragen kluge Einwurf geht mir jetzt in der Sommerpause durch den Kopf. Kennt Gott Ferien, zumindest Pausen? Die Antwort der Bibel scheint ziemlich klar: Der Sabbat, der Ruhetag, der siebente Tag am Ende der Schöpfung ist für Gott nicht nur ein netter Nebeneffekt, er ist das Ziel von Gottes Schaffen. Am siebenten Tage ruhte Gott, heißt es zu Beginn der Bibel. Er sah, ja mehr noch: genoss seine Schöpfung. Man darf und muss sich das ruhig auf der Zunge zergehen lassen: Die Unterbrechung vom ständigen geschäftig sein ist für Gott nicht nur eine Frage von Kräftewiederherstellung – Arbeiten ohne Pause macht ja bekanntlich krank –, sie ist nicht nur eine Frage von Resilienz stärken, zweifellos wichtig. Genuss der Schöpfung ist ein Wert an sich: etwas, ohne das Leben nicht sein soll. In einer Welt, in der es uns mit allen Apparaten und der smarten Dauertechnologie und -beschallung immer schwerer fällt, aus diesem Fluss auch mal heraus zu treten, ist Unterbrechung gleichsam eine Pflicht. Das Sabbatgebot – also das Halten eines Ruhetages – ist in der Bibel eben nicht nur ein Angebot, es ist Gebot aus gutem Grund. Und Gott selber hält sich dran: Von ihm wird berichtet, wie er im Paradies, im Garten Eden, in der Kühle des Abends einen Spaziergang macht. Möge mancher auch in der Stadt, die damit wirbt, dass sie niemals schläft, beim Gang durch Kiez oder an der Spree einen solchen Einklang mit dem Leben spüren. So ist die Schöpfung von Gott gemeint, gewollt. Voller Frieden am Ende des Tages für alle Geschöpfe.

Für manchen mag die Vorstellung, dass Gott das Pausieren kennt, einen kindlichen Schrecken auslösen. Wer wacht denn dann in und über eine Welt, die sich – wir erleben das ja – in furchtbarer Weise selbst zerfleischt, auffrisst, durch Menschen, die keinen Halt vor nichts mehr kennen und keine Pause dabei. Oder, könnte man fragen, ist das das Resultat, weil zu viele Gott in eine Art Dauerurlaub, ständige Abwesenheit in ihrem Leben geschickt haben? Auch auf diese Frage finde ich in der Bibel eine schöne Antwort. Im 121. Psalm heißt es: Siehe, der Hüter Israels schläft und schlummert nicht. Er wacht, dass dich des Tags die Sonne nicht steche noch der Mond des Nachts. Heißt: auch wenn wir unterbrechen, weil Leben nicht ohne Pausen geht, ist Gott da. Es ist ja durchaus so, dass gerade in der schöpferischen Pause oft Zweifel an manchem mir sinnlos Scheinendem und das Drängen der Nachtängste besonders groß werden. Siehe, sagt die Bibel, Gott schläft und schlummert nicht. – Ruhe in aller Ruhelosigkeit – das wünsche ich Ihnen hier oder auf Reisen: Bleiben Sie behütet.