Ein kleiner Junge mit einem Rucksack geht barfuß durch einen schlammigen Weg in einem Flüchtlingslager. Das Wetter ist wolkig und die Umgebung besteht aus Zelten und unebenem, matschigem Boden.
20.06
2026
08:40
Uhr

Weltflüchtlingstag

Guten Morgen, liebe Hörerinnen und Hörer,

heute ist Weltflüchtlingstag. Fast 118 Millionen Menschen sind derzeit weltweit auf der Flucht. Eine unvorstellbar hohe Zahl. An ihre Not und an ihr Schicksal zu erinnern, dazu dient dieser Tag. Die Tradition ist alt: Schon 1914 hat der damalige Papst Benedikt erstmals zu einem Gedenktag für Fliehende ausgerufen. Dieses Jahr erinnern wir dabei auch 75 Jahre Genfer Flüchtlingskonvention. Sie besagt vor allem das: für Menschen auf der Flucht gelten ganz besonders Schutz und Menschenrechte, gerade auch der Anspruch auf Recht selbst. Man verliert diese Rechte nicht auf der Flucht wie Hab und Gut und Heimat. Seit 10 Jahren kämpft dafür die Organisation Equal Rights Beyond Borders – gleiche Rechte jenseits der Grenzen. Damit das wahr wird, haben sich hier in Deutschland Rechtsanwälte zusammengetan. Sie kämpfen für das Recht eines jeden auf Anwaltschaft. Ich durfte einen der Gründer in diesem Jahr kennen lernen: Robert Nestler. Sein Engagement und das seiner Mitstreiterinnen und Mitstreiter ist beeindruckend.

Dieser Tag berührt mich, weil in ihm vieles von dem zusammenkommt, was christliche Haltung ausmacht: den Menschen sehen. Die Würde Gottes, die jedem zuteilwird. Eine unbedingte Humanität, die das Leid des anderen anerkennt. In einem Satz: Man lässt keinen Menschen ertrinken, Punkt. Und trotzdem geschieht es. In einer Berliner Kirche werden heute die Namen derer verlesen, die auf dem Weg nach Europa im Mittelmeer ertrunken sind. 70000 in den letzten Jahrzehnten. Eine furchtbare Realität.

Ich bin kein Politiker, ich habe keine Lösung für alles, ich weiß, wie schwierig die Situation ist. Ich nehme wahr, dass die Stimmung in der Frage des Umgangs mit Geflüchteten hochsensibel ist. Sie schwankt zwischen Willkommenskultur und Abschottung – zwischen Angst, Sorge, Ablehnung und Zuversicht.
Christliche Verantwortung setzt nicht auf schnelle Lösungen, sondern auf Gelingen und Nachhaltigkeit. Es gibt so viele Menschen in Kirchengemeinden und kirchlichen Netzwerken, die sich engagieren. Immer noch und immer weiter. Ihnen gilt mein Dank, ich meine, auch der Dank dieser Gesellschaft. Denn Integration bleibt das Entscheidende. Ich habe in diesem Jahr Menschen aus Syrien kennen lernen dürfen, die im Magdeburger Raum in bester Weise in den Arbeitsmarkt integriert sind. Sie werden mit Leidenschaft Automechaniker, sind da, wo Fachkräfte fehlen. Das ist beeindruckend. Geschichten gelingender Integration kann man nicht genug erzählen. Sie wären nicht möglich ohne diejenigen, die in Ämtern und Behörden diese Wege in den Arbeitsmarkt ermöglichen und begleiten.

Weltflüchtlingstag ist daher auch ein Tag des Dankes: an alle, die dafür sorgen, dass unser Zusammenleben gelingen kann.